Der Tag, an dem das Krümelmonster kam

Meine Schwangerschaft war eine absolute Überraschung. Und obwohl sie nicht geplant war, haben wir uns sehr darüber gefreut. Ich erinnere mich noch genau an ihre erste spürbare Bewegung, am 19.2.2014. Ich stand unter der Dusche und hab mich für den 30. Geburtstag meines besten Freundes vorbereitet, als ich plötzlich dieses flaue Gefühl im Bauch bekam. Und dann war er da, der erste Tritt. Ganz zaghaft, ganz ruhig und wunderschön. Mir liefen vor lauter Rührung Tränen übers Gesicht und ich freute mich tierisch. An diesem Tag bemerkten auch das erste mal andere mein Babybäuchlein, mir wurde viel gratuliert und ich genoss den ganzen Abend sehr.

Wenige Tage später wurde ich vom Sodbrennen überrannt. Bis Anfang Juni zog sich dieses Dilemma hin und quälte mich. Nichts half dagegen und Milch konnte ich irgendwann auch nicht mehr sehen. Im Juni zog ich dann in meine erste eigene Wohnung. Die Wohnung war in katastrophalem Zustand und musste erst mal komplett renoviert werden. Der Müll der Vermieter raus, den Raucherdreck abgewaschen und Löcher in der Wand verspachtelt werden. Es war so viel Arbeit und für ne Hochschwangere eigentlich nicht das richtige. Aber ich gab Vollgas und wollte meinem Töchterchen ein schönes zu Hause bieten. Mein damaliger Verlobter kam jedes Wochenende und gab sich die größte Mühe mich zu unterstützen und die Renovierung voranzutreiben. Im Nachhinein frage ich mich oft wie wir das damals alles geschafft haben.

Ende Juni feierten wir dann eine Babyparty mit unseren Freunden, lachten viel und genossen die Zeit. Es war herrlich und tat mir wahnsinnig gut. Denn was kaum jemand wusste: mir ging es nicht gut. Ich hatte Schmerzen, große Schmerzen aber meine Ärztin nahm mich nicht ernst. Immer wieder sprach ich mit ihr und bat um Hilfe, aber außer einem „Stellen sie sich nicht so an, sie sind schwanger und nicht krank“ kam nichts zurück. Ich konnte der weilen nicht mehr sitzen, liegen, stehen, laufen und dachte mir immer wieder dass ich sicher nur übertreibe und das ja alle Frauen durchmachen. Aber die Schmerzen wurden immer schlimmer.

Anfang Juli fingen dann die ersten Vorwehen an. Der Bauch wurde steinhart und man sah deutlich die Beinchen meines Krümelmonsters. Sie strampelte viel und stark und verschlimmerte so leider meine Schmerzen immer mehr. Ich fühlte mich elend und kam mir schrecklich schwach vor. Alle anderen Frauen schaffen das doch auch, warum jammerte ich denn ständig? Wieso schlief ich nicht einfach ordentlich? Wieso riss ich mich nicht am Riemen?  Jeder Tag war für mich eine Qual, ich weinte ständig und ertrug die Schmerzen nicht mehr. Ich hatte Angst um mein Kind und wandte mich wieder an meine Ärztin, doch die würdigte mich nur mit einem herablassenden Blick, die jungen Frauen von heute seien so zimperlich, hielten nichts mehr aus, jammerten ständig nur rum. In diesem Moment fiel mir der Tag ein, an dem sie meine Schwangerschaft bestätigte. „Also sie sind schwanger, über der 12. Woche. Da kann man also auch nichts mehr machen“. Ja, das sagte sie genau so zu mir. Meine beste Freundin saß neben mir und ihr fiel die Kinnlade runter. Noch heute können wir beide nicht fassen wie man als Gynäkologin so auf ein entstehendes Kind reagieren kann, egal ob die Mutter 35, oder so wie ich damals, 23 ist.

Zwei Wochen vor dem errechneten Termin besuchte mich Krümelmonsters Papa wieder. Eigentlich wollten wir damals nur meine zwei besten Freunde zum Essen einladen, weshalb ich ihnen schrieb. Aber die Stimmung war angespannt und wir merkten das irgendwas nicht stimme. Sie wollten nicht mit der Sprache rausrücken, also rief ich sie an. Sie weinten, sprachen sehr leise und wollten mir keine Angst machen. Irgendwann gaben sie dann nach: Der Bruder meines bestens Freundes, war am Tag zu vor mit seiner schwangeren Frau ins Krankenhaus gefahren. Wir hatten fast am gleichen Tag ET und hatten schon Pläne für die Zeit nach der Entbindung. Die Fruchtblase war geplatzt, doch aus Gründen die mir bis heute unklar sind, musst das Mädchen per Kaiserschnitt geholt werden. Dabei ging jedoch etwas schief und das Kind wurde tot geboren.

Mich überkam Panik. Ich fing fürchterlich an zu schluchzen und brauchte Stunden um mich zu beruhigen. Mir tat meine Bekannte so furchtbar leid und ich hatte um mein eigenes Kind nur noch mehr Angst. Mittlerweile waren die Schmerzen so schlimm, dass ich mehrere Tage am Stück nicht schlafen konnte. Ich fühlte mich wie in einer Blase, geschockt, verängstigt und machtlos. Ich wusste nicht was ich machen sollte, wie ich mich verhalten sollte. Die Angst, dass sich das furchtbare Ereignis wiederholen würde, wurde jeden Tag größer.

Am Tag des errechneten Entbindungstermins musste ich wieder zu meiner Ärztin. Ich erzählte ihr was passiert war und sie machte sich wieder über meine Angst lustig, meinte ich wäre einfach zu zimperlich und es würde schon alles gut gehen. Meine Mutter war damals mit zur Untersuchung und war geschockt vom Tonfall der Ärztin. Wir beschlossen auf Nummer sicher zu gehen und vereinbarten einen Termin mit der Klinik, in der das Krümelmonster zur Welt kommen sollte. Bereits zwei Tage später, am Samstag den 2.8.14, durfte ich mit meinem Verlobten zur Kontrolle ins Krankenhaus fahren. Und dort wurde ich das erste mal ernst genommen. Die Ärztin hörte mir zu, sah mein blassen Gesicht, sprach auch mit B. und bestellte mich gleich für den nächsten Montag zur Einleitung. Ich hatte das erste mal seit Wochen wieder Hoffnung und konnte den Termin kaum noch erwarten. Ich versuchte meine Hebamme zu erreichen doch kam nicht durch. Leider sah ich die einfühlsame Ärztin danach nie wieder. Ich bin fest davon überzeugt dass die ganze Geburt anders verlaufen wäre, wenn sie da gewesen wäre. Zumindest mir wäre es deutlich besser gegangen.

In der Zwischenzeit hatte sich meine Mutter bei mir einquartiert um im Notfall da zu sein. Sie half mir beim packen meiner Krankenhaustasche und es tat gut sie bei mir zu haben. Am Montag den 4.8.14 brachen wir um kurz nach sieben Uhr morgens auf. B. hielt während der gesamten Fahrt ins Krankenhaus meine Hand, sprach beruhigend auf mich ein und wollte mir die Anspannung nehmen. Mir fiel das Atmen schwer und die Angst kroch mir wieder ins Blut. Ich zitterte und wollte „es“ nur noch hinter mich bringen. Im Krankenhaus mussten wir dann lange, sehr lange warten. Erst im Aufnahmebereich, dann im Kreisssaal und später in einem Untersuchungszimmer bevor wir ans CTG geschlossen wurden. Irgendwann kam ein Arzt in Ausbildung und legte mir einen Zugang für die wehenfördernden Medikamente. Insgesamt brauchte er 7 Versuchen an beiden Händen, bis die Kanüle endlich lag, Ich mache ihm keinen Vorwurf, er war in der Ausbildung, hatte damit kaum Erfahrung und wurde durch jeden Misserfolg nur noch nervöser. Für mich war die ganze Situation trotz jedem Verständnis sehr unangenehm. Meine Hände waren blau und taten weh und der junge Mann entschuldigte sich immer und immer wieder.

Nachdem er uns wieder alleine ließ, lag ich weit über eine Stunde am CTG. Ich bat mehrfach darum mich anders positionieren zu dürfen, da ich vor allem auf der rechten Seite extreme Schmerzen hatte. Mir wurde diese Bitte immer wieder verwehrt, denn das Gerät stand nun mal dort und die Kabel wären zu kurz um damit ich mich anders hinlegen könne. Ich fing wieder an zu zittern und mir wurde schwindlig. Mittlerweile war es fast 11 Uhr, ich war seit 4 Stunden unterwegs und bekam großen Hunger. Auf mehrfache Nachfrage durfte ich dann gegen halb 12 Uhr endlich in mein Zimmer. Auf Station hieß es dann doch wieder warten. Im Aufenthaltsraum der Patienten saß ich fast eine halbe Stunde, bevor ich etwas essen konnte. Insgesamt brauchten die Schwestern jedoch 3 Anläufe um mir das richtige, vorbestellte Essen zu bringen. Die ersten zwei Tabletts waren bereits benutzt worden und leer gegessen und so mussten die Damen erst mal herausfinden, wo denn mein Essen abgeblieben war. Kann passieren, sie sind ja auch nur Menschen.

Das Essen war nicht gut und es war fast kalt, aber es machte satt. Direkt nach dem Essen wurde ich wieder in den Kreisssaal geschickt und man hängte mich wieder ans CTG. Bis zum Abend ging das so weiter. Ich wurde nicht untersucht, saß die meiste Zeit alleine in einem Raum und versuchte die schmerzen auf der Seite wegzuatmen. Irgendwann am späten Abend durfte ich dann zu Bett gehen. Mein Verlobter war bereits auf dem Heimweg, denn auch er war erschöpft und müde. Und so lag ich alleine in meinem Bett und weinte, bis ich irgendwann endlich einschlief. Gegen 23 Uhr wurde ich wieder wach, wieder von Schmerzen. Doch diesmal waren es andere Schmerzen, im Unterleib sitzend und stark: ich hatte meine ersten Wehen. Endlich wirkten die wehenfördernden Medikamente und ich hoffte, dass es nun endlich losginge. Ich rief die Schwester und wurde umgehend in den Kreisssaal geschickt, zu Fuß. Gekrümmt und zittern lief ich den Korridor entlang. Die Hebamme nahm ich in Empfang, brachte mich in einen kleinen Raum, schloss mich ans CTG an und ging. Und ich war wieder alleine und dann kam die Panik. Ich hatte nur noch das Bild meiner Bekannten im Kopf, wie sie liebevoll ihren Bauch streichelte. Ich lag wieder auf der rechten Seite und versuchte die Schmerzen und die Wehen wegzuatmen, rief nach der Hebamme. Sie versuchte mich zu beruhigen und ich musste mich übergeben. Ich wollte ihr erklären was los ist, wieso ich solche Angst hatte, warum ich nicht auf der rechten Seite liegen konnte aber sie hörte mir nicht zu. Sie gab mir etwas zur Beruhigung und ging. Draußen auf dem Flur hörte ich ihre Stimme. Irgendwas von hysterisches Mädchen und das man sich wohl denkt ein Kind wäre ein Modeaccessoir.  Mir taten ihre Worte weh, ich wollte nicht hysterisch sein, ich wollte das man mir zuhört. Mir wurde schwarz vor Augen…

Eine Stunde später wurde ich wieder auf Station geschickt, ohne Wehen. Ich hatte mehrfach darum gebeten B. anzurufen, allerdings verwechselte jemand bei der Aufnahme die Nummer weshalb man mich anrief, nicht ihn. Gegen 3 Uhr morgens kamen die Wehen zurück.Wieder in den Kreisssaal, wieder blass und ängstlich, wieder der Versuch mich zu erklären. Man steckte mich in die Badewanne, zur Entspannung. Man rief B. an, diesmal auf der richtigen Nummer. Irgendwann gegen 6 Uhr morgens kam er, mit meiner Mama im Schlepptau. Ich durfte frühstücken, bekam aber kaum etwas runter. Um 8 Uhr bekam ich die nächste Dosis und hing wieder am CTG. Ich zitterte vor Schmerz und Erschöpfung und wusste nicht mehr weiter. B. und meine Mutter erkannten mich nicht wieder, machten sich große Sorgen und sprachen auf die Hebammen ein, mir doch zuzuhören. Nach einer halben Stunde Diskussion durfte ich mich auf die andere Seite legen und schlief endlich ein, aber nicht lange. Ständig weckten mich die Schmerzen auf, piesackten mich, schossen mir wieder Tränen in die Augen. Ich musste mich übergeben und wurde auf Station geschickt.

Gegen 14 Uhr ging es mir so schlecht, dass ich nur noch weinte und flehte. Ich wusste nicht was ich tun konnte um endlich Gehör zu finden, um endlich ernst genommen zu werden.  Ich fühlte mich entmündigt, wie ein kleines bockiges Kind dem keiner zuhören will. Ich wurde wieder in den Kreisssaal gebracht, wieder ans CTG gehängt und sowohl B. als auch meine Mutter bat ich kurz rauszugehen. Sie waren beide seit Stunden da und ich wollte dass sie sich kurz die Beine vertreten konnten. Sie gingen eine rauchen. Den ganzen Vormittag hatte sie darauf verzichtet, obwohl beide starke Raucher sind. Kurz nachdem sie weg waren, überschlugen sich die Dinge. Das CTG piepste laut, es fand keine Herztöne mehr, ich bekam wieder einen Panikanfall und schrie um Hilfe, drückte immer und immer wieder den blöden Rufknopf. Es fühlte sich an wie eine Ewigkeit bis endlich jemand kam. Die Hebamme sah ernst aus, setzte mich in einen Rollstuhl und fuhr mich in den nächsten freien Entbindungsraum. Ich schrie. Ich schrie um Hilfe, nach B. nach meiner Mama. Der Rollstuhl tat mir weh, engte mich ein und ich bettelte nach einem KS. Ich habe mir immer eine natürliche Geburt gewünscht, aber ich war einfach fix und fertig. Ich fragte mich wo ich die Kraft zum pressen hernehmen sollte, hatte Angst dass es meinem kleinem Schatz nicht mehr gut ginge, dass irgendwas nicht stimmte.

Ich lag da, schrie, weinte, fragte mich wo B. blieb und zitterte am ganzen Leib. Niemand kam, ich lag da ganz alleine und verzweifelte nur noch. Irgendwann, nach einer gefühlten Ewigkeit, kam eine große Frau rein. Sie sah ernst aus und hatte B. und Mama im Schlepptau. Sie setzte sich zu mir, nahm meine Hand und zeigte mir wie ich atmen sollte. „Beruhig dich Mädchen und erzähl mir was los ist“. Das erste mal seit Monaten fühlte ich mich ernst genommen, das erste mal hörte mir jemand zu. Und ich beruhigte mich etwas. Ich hörte das Piepen das CTGs, sah dass ich wieder am Gerät hing. Meinem Kind ging es gut, also redete ich. Mir liefen die Tränen übers Gesicht und der Blick der Frau wurde immer ernster. Sie rollte mich auf die Seite und schaltete das Ultraschallgerät ein. Sie untersuchte aber nicht meinen Bauch, sondern meine Seite. Sie sah ernst aus und erklärte mir, dass ich wohl eine gestaute Niere hätte und ob ich das meiner Gynäkologin nicht gesagt habe, man hätte das Kind schon früher holen sollen und es sei kein Wunder das es mir so dreckig ging. Sie wollte mir eine PDA legen und schlug mir einen Deal vor: PDA legen, ausruhen und auf der anderen Seite lagern. Wenn es nicht besser wird: Kaiserschnitt.

Deal. Ich bekam meine PDA, durfte fortan nur noch auf der linken Seite liegen und es ging langsam bergauf. Doch das Krümelmonster war wild und strampelte heftig. Sie wollte raus doch die Wehen waren noch nicht stark genug. Ich wusste endlich wieso es mir so schlecht ging, ich bekam endlich Hilfe. Ich hoffte und freute mich endlich wieder auf die bevorstehende Geburt.

Doch die PDA half nicht lange. Die Wehen spürte ich kaum, doch die Niere schmerzte nach wie vor. Die Schmerzen wurden am späten Nachmittag wieder schlimmer. Ich musste mich ständig übergeben und wand mich im Bett hin und her. Mir wurde immer wieder schwarz vor Augen, ich wurde mehrfach kurz ohnmächtig und B. rannte immer wieder nach draußen und suchte die Ärztin die mir so geholfen hatte. Mama saß neben mir, hielt meine Hand und versuchte mich zu beruhigen. Dann kam der Anästhesist. Er sollte mir Schmerzmittel geben, er stand da, sah mich an, beobachtete wie ich gerade aus einer Ohnmacht wiederkehrte und schüttelte nur mit dem Kopf und meinte, dass meine Schmerzen ja nicht so schlimm sein können wenn ich ein Nickerchen machen kann. Ich wünsche mir heute noch dass ich in diesem Moment meine Beine gespürt hätte, der Kerl hätte eine gefangen. Ich bin kein Fan von Gewalt aber dieser unsensible Spruch war einfach zu viel. Ich habe diesen Arzt nur in diesen paar Minuten gesehen. Davor nicht und auch danach nie wieder. Er hatte also keine Ahnung wie ich mich seit Tagen quälte, was wirklich los war aber erlaubte sich solche Sprüche. Ich war sauer, richtig sauer.

Mittlerweile war es fast 21 Uhr und meine Hebamme untersuchte mich noch mal. Der Muttermund war zwar offen, aber nicht weit genug. Die Wehen waren stark, aber eben nicht stark genug. Sie ging raus, wollte nur etwas trinken und gleich wieder kommen. Ich streichelte meinen Bauch, sprach mit meinem Baby, flüsterte ihr zu dass wir beide noch mal stark sein müssen und ob sie nicht rauskommen will. B. nahm mich in den Arm, hielt mich fest. Er war blass, machte sich Sorgen, er war ebenso erschöpft. Er sah auf die Uhr, es war 21:07 Uhr. Und dann drückte sich das Krümelmonster durch den Muttermund. Mit voller Wucht und so stark, dass ich nur noch pressen konnte. B. rannte, suchte die Hebamme, Mama atmete neben mir, wollte mir sagen was ich zu tun hatte. Aber ich presste nur wie besessen, brachte all meine Kraft auf. Ich wollte es schaffen, beweisen dass ich kein hysterisches kleines Mädchen bin. Meine ganze Wut und Enttäuschung kam hoch und ich presste wie wild. Als endlich die ungläubige Hebamme ankam, diskutierte sie erst mal dass das Kind unmöglich schon so weit sein konnte, bis sie vor mir stand und den Kopf sah. B. hielt meine Hand, Mama jubelte und dann war sie endlich da, mein Krümelmonster. Um 21.14 Uhr hielt ich sie endlich im Arm.

Ich hab auch in den darauffolgenden zwei Tagen fast niemanden zu Gesicht bekommen, ich hatte niemanden den ich etwas fragen konnte, der mir beim Anlegen half. Wenn dann doch mal eine Schwester vorbei kam, wurde ich auf später vertröstet oder es hieß dass ich mich einfach anstellen würde. Das Essen im Krankenhaus entsprach leider jeglichem Klischee. Ich bin heute noch sehr dankbar für meine Freunde, die mir Bananen und Milchreis brachten auf den ich so großen Appetit hatte. Meine Niere hat sich rasch erholt und ich hab auch keine Probleme mehr damit, aber damals hätte meine Ärztin meine Beschwerden nicht abtun dürfen. Sie hätte mich ernst nehmen müssen, sie hätte nicht über mich urteilen dürfen nur weil ich jung bin und das mein erstes Kind war. Auch die Damen und Herren im Krankenhaus haben mich nur in eine Schublade gesteckt. Ich weiß aus eigener Erfahrung wie schwer der Beruf ist, aber ich hätte nie im Leben jemanden so betitelt oder verurteilt. Ich bin der Ärztin die mich ernst nahm sehr dankbar. Lange Zeit war ich mir sicher dass ich nach dieser Geburt kein Kind mehr möchte. Aber an jedem Tag an dem mein Töchterchen um mich rumspringt, mich umarmt und küsst und mir sagt dass es mich liebt, merke ich, dass da noch mehr Liebe ist die ich gerne irgendwann verschenken würde.

 

 

Adieu schlechtes Gewissen, hallo Freizeit!

Seit über einem Monat besucht das Krümelmonster nun an jedem zweiten Wochenende ihren Papa. Als er sie das erste mal abholte, habe ich stundenlang geweint. Ich hab ständig angerufen um mich zu erkundigen wie es läuft. Kurz bevor sie wieder kam, hab ich noch mal geheult, diesmal vor Freude. Bei ihrem zweiten Besuch fühlte ich mich leer, weinte wieder, doch ich rief nicht mehr an. Dann kam das letzte Wochenende und sie wurde wieder abgeholt und diesmal lief keine Träne über meine Wangen. Es tat weh sie gehen zu sehen,doch ich beschloss diesmal das Wochenende effektiv zu nutzen und nicht vor lauter Sehnsucht zu zerfließen.

Der Freitag startete mit einem Einkauf und gemeinsamen Essen mit ihrem Papa. Als sie ging war sie fröhlich und unbeschwert und hatte die Stunden zu dritt wohl sehr genossen. Mein Herz wurde mir wieder schwer, doch ich wollte nicht wieder weinen. Ich tat etwas, was ich schon sehr lange nicht mehr getan habe: ich hab die ganze Nacht gezockt. Und das tat so gut! Einfach mal für sich selbst etwas tun, nicht immer wieder ins Kinderzimmer schleichen und schauen ob die Kleene gut schläft, nicht bügeln, keinen Geschirrspüler einräumen, nicht saugen, wischen, Fenster putzen. Einfach mal stundenlang den Kopf ausschalten und sich dem liebsten Hobby hingeben. Mal ehrlich, wann macht man das schon wenn man ein Kind hat?

Dabei ist es doch so wichtig auch mal was für sich zu tun! Jeder Mensch braucht doch mal eine Auszeit, Zeit auf die eigenen Bedürfnisse zu hören. Sei es ein heißes Bad mit viel Schaum, ein Glas Wein mit Freunden, mit dem Partner ins Kino zu gehen oder mal ne ganze Nacht durchzuzocken. Es ist vollkommen egal was man tut, solange man es nur tut! Ein guter Freund von mir zum Beispiel hat die Firma seines Vaters übernommen, zudem arbeit er aber auch noch Vollzeit für ein Berufsförderungsprogramm der Agentur der Arbeit und ist auch noch ehrenamtlicher Sanitäter. Ganz nebenbei ist er ein ganz toller Papa, steht nachts auf wenn der Kleine weint, kocht, hilft im Haushalt und überlässt dies nicht wie selbstverständlich seiner Frau. Für ihn ist das genau so normal wie es auch sein sollte. Alle paar Monate nimmt er sich dann mal eine Auszeit und macht eine kleine Motorradtour oder fährt auf ein Festival. Im Gegenzug dazu fährt seine Frau dann eben zu ihrer Schwester und genießt ein paar Tage kinderfreie Zeit. Einmal im Monat haben die beiden auch einen festen Tag, an dem sie zusammen ausgehen. Und das finde ich großartig. Daran sollte sich viel mehr Menschen ein Beispiel nehmen und sich Zeit für sich selbst und als Paar einzuräumen.

Und weil ich selbst in den letzten drei Jahren sehr oft an meine Grenzen kam, mir eben kaum Freizeit eingestand und selbst in den kurzen Momenten der „Ruhe“ sofort aufsprang um zum Kind zum rennen oder etwas zu erledigen, was mir just in diesem Augenblick einfiel, ging es mir eine Zeit lang wirklich nicht gut. Ich war nur noch gestresst, schnell genervt und hatte auf gar nichts mehr Lust. In diesen Wochen war ich so ungeduldig, dass ich es meinem Krümelmonster nicht mal mehr zugestehen konnte wenn sie etwas neues ausprobieren wollte. Es ging mir einfach nicht schnell genug, ich wollte fertig werden, weiter machen, den nächsten Punkt auf dem Tagesplan abhaken. Das war ihr gegenüber unfair und tat uns beiden nicht gut. Meiner Schwester ging es da ganz ähnlich. Mit einem Sohn der auf viele Dinge aufgrund seiner Allergien verzichten muss, was sie dazu „zwingt“ tagtäglich auch die Mahlzeiten für den Kindergarten vorzukochen, regelmäßig zur Apotheke zu gehen um die Spezialnahrung zu holen und immer und überall sein Notfallkit mitzunehmen, hat sie oft Stress und fühlt sich ausgelaugt. Vor einigen Wochen kam dann das böse erwachen: sie kippte nach dem Duschen um und schlug sich den Kopf an. Ihre Hausärztin zog die Notbremse und verordnete ihr zwei Wochen absolute Ruhe. Sie musste zu Hause bleiben, durfte keine Termine wahrnehmen. keinen Haushalt organisieren und einfach mal ausschlafen, ausspannen und das spielen mit ihrem Sohn wieder richtig genießen. Mittlerweile geht es ihr wieder besser und sie hat sich nun feste Zeiten für sich eingeräumt wie beispielsweise ein mal im Monat mit ihrer besten Freundin essen zu gehen und einmal in der Woche an einem Nordic Walking Kurs teilzunehmen.

Und weil ich das eben nicht auch erleben will und derzeit wirklich viel zu bewältigen habe, nutze ich jedes zweite Wochenende um zu tun was mir gut tut. Sushi essen gehen, zocken, die Game of Thrones Reihe weiterlesen, Filme ansehen, meine Nägel lackieren, mit meiner Schwester telefonieren, backen, zeichnen, durch den Baumarkt schlendern, in einem Schaumbad versinken oder einfach bloggen. Und ich brauche diese Momente, sie tun mir gut und ich hab wieder viel mehr Energie die ich meiner Tochter widmen kann. Und ich habe dabei auch kein schlechtes Gewissen mehr, denn ich bin auch nur ein Mensch mit einer begrenzten Anzahl an Kraftreserven die ab und an wieder aufgeladen werden müssen.

Eure Gunzlinger Mum

 

Quasimodo, die Glöcknerin von WT

Seit Wochen sieht man sie in jedem Laden: Kostüme. Jeder spricht darüber, kauft Hüte, Kronen und Schwerter, üppige Kleider und schaurige Umhänge. Die Stadt wurde geschmückt, Gesichter bemalt, Bonbons geworfen, Musik gespielt und an jeder Ecke fotografiert. Die ganze Stadt ist vollkommen im Fasnachtsfieber! Seit Anfang des Jahres wurde ich mindestens ein mal pro Woche gefragt, als was ich denn das Krümelmonster verkleiden werde. Wahrheitsgemäß antwortete ich allen gleich: Sie wird das tragen, was ihr am besten gefällt. Mitte Januar fragte ich sie dann doch einmal ganz konkret und während die kleinen blauen Äuglein strahlten, flüsterte sie einen Namen ganz ehrfurchtsvoll: Quasimodo. Ja, Quasimodo! Besser bekannt als der Glöckner von Notre Dame. Als ich ein kleines Mädchen war lief der Disney Film zum ersten Mal im Kino und ich erinnere mich ganz genau daran, dass ich genau so hin und weg von ihm war, wie es jetzt mein Töchterchen ist. Damals schneiderte mir meine Mama mit viel Liebe und aus buntem, glänzendem Stoff ein Esmeralda Kostüm. Und ich habe es geliebt! Meine große Schwester schenkte mir dazu ein Tamburin und ich war überglücklich. Dass ich mein Krümelmonster jetzt mit meiner Liebe zu Disney angesteckt habe, freut mich wirklich sehr. Viele Lieder singt sie schon mit, kennt die meisten Figuren mit Namen, weiß genau worum es geht und erzählt auch gerne ihren Freunden davon. Und das sie selbstverständlich als Quasimodo gehen darf, war für mich keine Frage. Dafür für so ziemlich jeden anderen.

Ein paar Menschen fanden die Idee genau so cool wie ich, wie zum Beispiel meine beste Freundin oder meine liebste R. Die meisten anderen waren aber eher verwundert, ja manche sogar regelrecht geschockt.

„Wie bitte? Quasimodo? Der mit dem Buckel? Das sieht doch bestimmt gruselig aus!“

„Du kannst doch so ’nem süßen Mädchen nicht so ein schreckliches Kostüm anziehen.“

„Kauf ihr lieber ein niedliches Prinzessinnenkleidchen, kleine Mädchen lieben sowas.“

„Das willst du ihr nur anziehen weil du den Film magst. Sie wäre bestimmt lieber Elsa, oder Cinderella“

Nein, sie wäre nicht lieber Elsa oder Cinderella. Elsa mag sie zwar sehr, sie wollte aber kein Kostüm in eisigem Blau. Und Cinderella mochte sie noch nie sonderlich. Zudem fand ich die anderen Kommentare ganz schön flach und albern. Wieso sollte ein „süßes Mädchen“ nicht als Glöckner zum Fest gehen, wenn sie ihn doch so bewundert? Wieso sollten denn alle kleinen Mädchen als Prinzessin verkleidet werden wollen, nur weil sie Mädchen sind? Und warum darf sie nicht gruselig aussehen? Zumal ich es auch ziemlich mies finde jemanden als gruselig zu bezeichnen, nur weil dieser einen Buckel und ein deformiertes Auge hat.

„Kaffeemuhmuh“, so nannte sie Quasimodo nachdem sie den Film zum ersten mal gesehen hatte. Sie war damals 1 1/2 und konnte erst wenige Worte sprechen. Wir haben mehrere Tage gebraucht um herauszufinden wer oder was denn Kaffeemuhmuh ist. Und nun, ein gutes Jahr später, ist er ihr Held. Und ich finde das große klasse. Er sieht zwar nicht so aus wie es die Gesellschaft als schön empfinden würde, doch er ist stark, mutig, setzt sich für seine Freunde und für schwächere ein und stellt sich gegen seinen Peiniger obwohl er um sein eigenes Leben fürchten muss. Das ist doch ein tolles Vorbild! Also was ist nun verkehrt daran, dass ich ihr erlaube so an Fasching rumzulaufen?

Richtig, es ist gar nichts falsch dran. Und sie sah auch im olivfarbenem T-shirt, der dazu passenden Leggings und einem selbst genähten Gürtel der aus Stoffresten gefertigt wurde, zum anbeißen aus. Schade fand ich eher, dass man ihr in der Kita dann in knalligem pink einen Schmetterling aufs Gesicht gemalt hat. Meine Mama, selbst Erzieherin die mehrere Kitas, Kindergärten und einen Hort geleitet hat, fand es auch traurig dass einfach irgendwas ins Gesicht gemalt wurde ohne aufs Kostüm einzugehen. Aber dass macht man wohl überall zu Fasching.

Wir hatten auf jeden Fall zwei schöne Faschingstage und werden den Rosenmontag auch noch mal mit ordentlichem feiern verbringen. Ich geh übrigens als Esmeralda.

Was ist mit euch, feiert ihr Fasching, Fasnacht, Karneval? Und als was verkleidet ihr euch/ eure Kinder?

Ich wünsch euch jedenfalls ne ganze Menge Spaß und viele schöne Stunden mit euren Lieben.

Eure Gunzlinger Mum Marika

Und plötzlich ist es still…

Um 21:19 Uhr fiel die Tür ins Schloss, eine Minute vorher bekam ich meinen letzten Kuss und ein liebliches „Lieb dich auch Mami“. 21:20 Uhr fing ich an zu weinen. Es ist jetzt das zweite mal dass ihr Papa sie abholt damit sie das Wochenende bei ihm verbringt und auch wenn ich sie morgen Mittag noch mal sehe weil wir einen Termin haben, würde ich dem Auto jetzt schon am liebsten hinterher rennen. Es tut weh, sie nicht bei mir zu haben. Es sind ja nicht nur 6 Stunden, in denen sie in der Kita mit ihren Freunden spielt. Es sind zwei Tage an denen ich die Wohnung putzen, meine Haare färben, meine Nägel lackieren, arbeiten und zocken kann. Zwei Tage die für mich jetzt schon endlos erscheinen. Sie wird heute Nacht nicht neben mir liegen, sie wird sich nachts nicht an mich krallen, mir kein Küsschen auf die Wange hauchen wenn sie aufwacht und mir nicht
im Schlaf das Bein in den Rücken rammen.

Ich hab ihr viel eingepackt dass sie besonders lieb hat, wie ihr Bebie und ihre Plüschkatze, eins ihrer liebsten Bücher und Kleidung die sie besonders gerne anzieht. Sie wird Spaß haben, sie wird sich wohl fühlen und am Sonntagabend mit einem Lächeln zurückkehren. Das alles weiß ich und dennoch schmerzt es. Aber, ist das nicht verständlich? Ich meine, was für eine Mama wäre ich denn wennmich das ganze kalt lassen würde?

Vermutlich liegt sie jetzt schon im Bett und kuschelt sich an ihre Plüschies. Sie lauscht ihrer Spieluhr, erzählt ihrem Papa vielleicht noch was, quietscht wieder fröhlich vor sich hin und wird wohl bald einschlafenund etwas schönes träumen. Und morgen darf sie sich dann beim einkaufen einen Joghurt aussuchen und bekommt nach dem Termin eine Kugel eis, das haben wir ihr heute versprochen. Und wenn sie am Sonntag wieder kommt, wird sie meiner Mama alles ganz genau erzählen, wird sich auf Bailey stürzen und wieder in meinen Armen einschlafen. Und dann ist wieder allesgut, dann lächle ich nur noch vor Freudeund kann aufhören sie so schrecklich zuvermissen.

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Stundenweise angstfrei

Ich wusste dass es ihr zusetzen würde, aber dass es ihr so zu schaffen machen würde hätte ich nicht gedacht. Es ist jetzt gute zwei Wochen her dass der Vater ausgezogen ist. Zwei Wochen in denen sie kaum schlafen wollte, nachts immer wieder aufwachte und abends fast schon flehend darum bat den Vater anrufen zu dürfen. Sie fragt immer wieder nach ihm, ob er arbeiten ist, wann er denn kommt, ob wir ihn besuchen können. Ich gebe ihr immer wieder die selben Antworten, vertröste sie darauf dass sie ihn ja bald wieder sieht, dass sie ihn bald besuchen darf, dass er bestimmt bald anruft und sie ihm alles aus der Kita und von unserer Katze erzählen kann. Wenn dann nicht das Telefon klingelt, oder er nur ganz kurz herkommt und sie gar nicht die Gelegenheit hat ihm irgendwas zu erzählen oder zu zeigen, ist sie am Boden zerstört und will gar nicht mehr alleine irgendwo sein. Jedes mal kommt dann nur, dass „Mama bitte nicht gehen“ soll, „Mama bitte hierbleiben“ und „Mama bitte L. tragen“. Sie war schon immer sehr anhänglich, doch früher hat sie auch gerne mal für sich gespielt, gemalt oder einfach nur auf dem Sofa gelegen und sich die Decke angesehen. Das hat jetzt alles schlagartig aufgehört.

Es geht ihr nicht gut, auch wenn sie jetzt Oma hier hat und ihre heißgeliebte Bailey (unsere Katze die eigentlich mir gehörte aber vorrübergehend bei meiner Mama wohnte) jeden Tag bekuscheln kann. Ihr Trotzkopf wurde nur noch dicker, sie wird manchmal richtig aggressiv, schreit und kreischt rum oder wirft sich bei der kleinsten Kleinigkeit auf den Fußboden. Und manchmal sitzt man dann da und weiß gar nicht wie man diesem kleinen traurigen, wütendem Geschöpf helfen soll. Und irgendwann sitzt man dann selbst völlig erschöpft da und will eigentlich nur weinen weil einem sein geliebtes Kind so leid tut.

Ich weiß wie sie sich fühlt, wie sehr sie ihren Papa vermisst, wie sie leidet und wieso sie im Moment nicht alleine sein kann. Als ich in dieser Situation war, war ich etwa in ihrem Alter. Ich hab mein ganzes Leben lang daran geknabbert dass mein Vater nicht da war. Nur war er überhaupt nicht da. Wirklich abgeschlossen habe ich vor einem Jahr mit der Situation und mit ihm. Ich habe ihm dass damals auch ganz deutlich gesagt, auch wenn er davon nicht begeistert war.

Im Moment hoffe ich nur, dass das Krümelmonster sowas nicht erfahren muss. Dass ihr Vater sie regelmäßig besucht, sie an seinen Wochenende abholt, zu ihren Geburtstagen kommt etc.

Ein guter Montag

Doch heute haben wir es geschafft, diese blöden Ängste und Gefühle auszusperren, sie kurzweilig zu vertreiben und meiner kleinen ein paar schöne Erinnerungen zu verschaffen. Obwohl es sich heute nur um Kleinigkeiten handelte, schlief sie eben mit einem zufriedenem Lächeln ein.

Heute morgen waren wir beide so müde und ausgelaugt, dass ich sie kurzerhand nicht in die Kita brachte. Wir kuschelten eine ganze Weile mit meiner Mama auf ihrem großen Bett, sangen, spielten Fingerspiele und lasen Geschichten. Nach beinahe zwei Stunden frühstückten wir, räumten etwas auf, wuschen Wäsche und kuschelten danach wieder auf dem Sofa, auf dem das Krümelmonster dann einschlief und ich trug sie ins Bett. Zu diesem Zeitpunkt war sie bereits den ganzen Vormittag windelfrei, was zur Zeit einfach sehr selten vorkommt. Nach einem wohltuendem Schläfchen für uns beide durfte die Kleene eine ganze Weile in der Wanne planschen. Wir hörten dabei Musik während die Entchen immer wieder ins Wasser eintauchten und uns unsere Katze vom Waschbecken aus schnurrend beobachtete. Das Krümelmonster roch anschließend herrlich nach meinem Kirschduschbad und bestand darauf auch weiterhin ohne Windel rumzulaufen. Bei dem Gedanken daran dass wir ja einkaufen wollten und sicherlich mehr als eine Stunde unterwegs sein würden, wurde mir kurz mulmig zu mute. Doch ich überwand meine Bedenken und beschloss meinem großen Mädchen zu vertrauen, zog ihr normale Unterwäsche statt einer Windel an und wir zogen los.

Die erste Strecke zum Drogeriemarkt saß sie mit ihrer Handtasche im Kinderwagen, blickte müde um sich herum und summte vor sich hin. Im DM wurde sie dann jedoch schlagartig munter, wollte unbedingt aus ihrem Wagen heraus und mit dem kleinen Einkaufswagen durch den Laden sausen. Zu meiner Überraschung rannte sie jedoch nicht davon, tobte nicht als ich kurz ihren eingeschlagenen Kurs korrigierte und lud auch nur ein, was ich ihr gab. Kurzum, ich war begeistert! Auch auf dem Weg zum Lidl blieb sie direkt neben mir, rannte nicht davon, wollte nicht hochgehoben und getragen werden. Sie lief einfach ruhig neben mir her, erzählte mir etwas, schaute an der Straße artig nach links, rechts und wieder links und machte auch beim Bäcker kein Theater, weil es heute keine Brezel gab.

Ich muss ja gestehen, dass mir diese Situation anfing unheimlich zu werden. So ruhig war sie schon seit Wochen nicht mehr und es tat gut sie so zu sehen. Auch im Lidl selbst blieb sie die ganze Zeit nah bei mir und rannte nicht wie sonst quer durch den Laden. Wir trafen auch eine ihrer Kitafreundinnen und plauschten kurz, was sie zum Anlass nahm mir danach von dieser Freundin und der Kita zu erzählen. Und während wir so einkauften gab es auch kein „Maaaamaaaaa, Pudding haben! Kakao! Gummibärchen! Bananaananana! Bebi kaufen!“. Ok, einmal griff sie kurz zum Pudding und einmal zur Schokolade, doch nachdem ich ihr sagte dass sie nur eine Sache mitnehmen durfte, war Ruhe.

Auf dem Rückweg lief sie dann über jede nur ansatzweise begehbare Mauer, lachte fröhliche und erzählte dass sie ihren Pudding mit Oma teilen will. Ihren Pudding, PUDDING! Ok, sie teil ja gerne. Aber dass sie sagt „Pudding Oma geben“, hab ich auch noch nicht erlebt. Indes wollte ich mich langsam wirklich sputen, schließlich waren wir beinahe schon 1 1/2 Stunden unterwegs und ich hatte Angst dass ihr bei der Kälte ein Unfall passieren würde und sie dann mit nassem Unterleib durch die Gegend laufen muss. Doch es geschah einfach nichts. Bis wir zu Hause waren, uns auszogen und sie im Bad geschah blieb alles trocken. Und sowohl das Krümelmonster als auch ich jubelten darüber.

Der Rest des Abends war dann recht unspektakulär und ruhig, doch das Krümelmonster war schon wieder müde und lag kurz nach sieben im Bett, zog ihr Baby aus und schlief sofort ein.

Es kommt auf die kleinen Momente an

Für Außenstehende wirkt das vielleicht alles nicht sehr aufregend, normal oder sogar langweilig, aber nachdem die Kleene Wochen lang total neben sich stand, genießt man so schöne und entspannte Stunden einfach noch viel viel mehr. Und ich war heute einfach ganz dolle Stolz auf sie und ich bin mir sicher, dass sie den Vater heute ein kleines bisschen weniger vermisst hat und keine Angst hatte dass Mama plötzlich verschwindet. Ich bin eh dafür kleine Erfolge viel mehr zu feiern. So schnell wird dass alles selbstverständlich, unbedeutsam und man vergisst sie. Dabei sind so vermeintlich kleine Dinge doch etwas ganz großen für unsere kleinen. Und wenn sie sehen wie wir Eltern uns über sowas freuen, freuen sie die Kids noch mehr und fühlen sich gleich größer, fast wie kleine Helden.

Und heute, so wie an jedem anderen Tag auch, war und ist mein Krümelmonster meine kleine Heldin!

Von Hass und Häßlichkeit

Erinnert ihr euch noch an Bambi? Ok, doofe Frage. Jeder erinnert sich an das zuckersüße Rehkitz. Leider scheinen jedoch viele seinen Kumpel Klopfer vergessen zu haben, oder vielmehr das, was er uns allen ans Herz legte: Wenn man nichts nettes zu sagen hat, sollte man einfach mal den Mund halten. Denn mal ehrlich: was man derzeit so im Internet zu lesen bekommt, ist einfach nur noch traurig. Man beleidigt Leute die man gar nicht persönlich kennt, man verfolgt lediglich einen YouTube Kanal, liest  einen Blog, sieht eine Person im Fernsehen, liest etwas über sie in der Klatschpresse, schaut sich großartige Comics an….Man tut dies vielleicht nur kurz, oder über Monate hinweg und dann kommt der Moment, in dem man mit dem was der YouTuber sagt, der Blogger schreibt oder der Promi tut nicht zufrieden ist. Man findet es nicht gut, dumm, albern, scheiße, asozial etc…. Und das kann man selbstverständlich tun, eine eigene Meinung zu bilden ist ja sogar wirklich wichtig. ABER: Eine Meinung zu haben und diese zu äußern, hat nichts mit ner Beleidigung zu tun! Gar nichts!

Was mir da sofort einfällt, ist die Geschichte einer meiner liebsten Twitterinnen. Mama eines Sohnes, ehrlich, direkt, mutig, sagt ihre Meinung ohne dabei unter der Gürtellinie zu landen – ich finde sie ist ne ziemlich coole Socke. Sie twitterte viel und gerne und auch mal ein Foto von sich beim baden, in ner kurzen Hose etc. Nichts schlimmes, es waren eigentlich normale Bilder, die nichts zeigten und einfach nur ne hübsche junge Frau darstellten. Und egal was diese junge Frau nun bei Twitter postet, sie wird hart dafür angegangen. Sie sei zickig, arrogant, ihr werden wirklich sexistische Kommentare entgegen gepfeffert und damit begründet, dass sie sich ja präsentiert wie ne W****vorlage und somit nichts anderes verdient hätte. Und sowieso sei sie ja eh nur ne aufmerksamkeitsgeile Schmarotzerin. Leute, mal ernsthaft, was stimmt denn nicht mit euch dass ihr so was von euch gebt? Muss das denn wirklich sein? Es ist wirklich ein Armutszeugniss für jeden einzelnen der solche abfälligen und beleidigenden Äußerungen tätigt und dies dann auch noch unter dem Deckmantel der Meinungsäußerung gut heißt bzw damit rechtfertigt, dass sie es ja provoziert, so wie sie sich darstellt. Mir wird da ja ehrlich gesagt eher schlecht… Kein Wunder also, dass sie sich eine Pause von Twitter nimmt. Viel Kraft der coolen Socke, auf dass diese Sprüche endlich mal aufhören und die Menschen bemerken, was sie da eigentlich tun.

Und dann gab es ja noch die gerade schwangere Mutter die über den Moment schrieb, in dem sie das Geschlecht ihres ungeborenen Kindes erfuhr. Sie gab ganz ehrlich zu: in jenem Moment war sie kurz enttäuscht, denn in Gedanken hatte sie sich einfach etwas anderes Vorgestellt. Eine vollkommen normale Reaktion die nichts, aber auch wirklich gar nichts über ihre Gefühle gegenüber ihrem Kind sagen. Egal wie sie in diesem Moment dachte, es war eine Momentaufnahme und nichts endgültiges. Deshalb liebt sie ihr Kind nicht weniger, deshalb muss man ihr das Kind nicht wegnehmen, deshalb ist sie keine schlechte Mutter, nicht gefühlskalt oder asozial. Ihre Vorstellung war einfach eine andere, mehr nicht. Mir ging es damals ähnlich, ich habe mir einen kleinen Jungen gewünscht, quasi einen großen starken Bruder für eventuell nachfolgende Kinder. Ich hatte mich vollkommen darauf eingestellt einen Sohn zu bekommen und auch alle anderen meinten dass sie sich ganz sicher seien, dass ich einen kleinen Jungen bekommen würde. Und dann kam der Tag des Ultraschalls und da war eben klar zu erkennen, dass ich ein weibliches Krümelmonsterchen erwartete. Ich wusste erst mal nicht wie ich darauf reagieren sollte, ich hatte mich ja so auf einen Jungen eingestellt. Doch bereits wenige Stunden später suchte ich nach einem hübschen Mädchennamen, streichelte meinen Bauch und sprach zu meinem kleinen Schmetterling. Jeder, der diesen Blog schon mal gelesen hat, weiß wie abgöttisch ich meine Tochter liebe. Sie ist das größte, tollste, schönste, beste, wunderbarste und großartigste das mir je passiert ist. Sie ist perfekt, genau so wie sie ist.

Und genau dies wird die Bloggerin auch denken, wenn sie ihr Kind im Arm halten wird. Also hört doch bitte auf sie zu beleidigen, anzugreifen, davon zu reden dass man ihr das Kind wegnehmen sollte. Vor allem das andere, große Bloggerinnen sie öffentlich an den Pranger gestellt haben, finde ich unfassbar traurig. Die ganze Sache wurde aufgebauscht, überdramatisiert, ihr Dinge in den Mund gelegt und vorgeworfen die gar nichts mehr mit dem ursprünglichen Post zu tun hatten. Sie hat einfach ihre Gedanken geteilt und sogar gesagt, dass sie sich diesbezüglich nicht gut fühlte. Kann man dass dann nicht einfach so stehen lassen? Muss man sie dann so angehen und dazu noch vor so vielen Menschen? Wie würdet ihr euch denn fühlen, wenn ihr eure Gefühle teilt und dafür so verachtet und ausgegrenzt werdet? Diese Frage sollten sich einige im www stellen, bevor sie auf den „senden“ Button drücken. Denn: Hinter jedem Post steht ein Mensch mit Gefühlen, der eben nicht perfekt ist. Gönnt ihnen bitte auch ihre „Fehler“ und dass eben nicht jeder immer so reagiert, wie es andere gern hätten.

Was man auch nicht vergessen darf: wenn man öffentlich schreibt und so eine große Reichweite hat wie gewisse Damen, hat man auch eine gewisse Vorbildfunktion. Ja, auch wenn man für Erwachsene schreibt. Denn auch die gehässigen Kommentare untereinander lesen all eure Leser und deshalb sollte man, wenn man es nicht schon aus moralischen Gründen tut, auf den Ton achten. Was man da in letzter Zeit so lesen muss erinnert mich persönlich ja eher an eine Nachmittagssendung bei RTL und Konsorten, als an erwachsene Menschen die diskutieren und sich eben in einigen Dingen nicht einig sind. Nehmt es mir nicht übel, aber wieso könnt ihr sowas nicht einfach friedlich klären? Wieso muss man da retweeten, sich übereinander durch die Blume unterhalten und zwar so, dass auch wirklich jedem Leser klar ist um wen es geht? Was bringt euch so was denn? Und sollte einem nicht eigentlich auch klar sein, dass wenn man öffentlich andere anprangert eine Reaktion darauf erhält die eben nicht immer positiv ist? So geht es dann immer weiter und weiter und am Ende bleiben verletzte Gemüter zurück und keiner gewinnt. Ich denke nicht, dass jemandem damit geholfen wäre. 

Also bitte, bitte überlegt doch mal was ihr da von euch gebt, wie verletzend eure Äußerungen sein können und dass man nicht alles und jeden kritisieren muss, schon gar nicht mit Beleidigungen. Denn so offenbart man ja eigentlich nur selbst die eigene innere Häßlichkeit.

In diesem Sinne, allen einen friedlichen Abend.

Eure Gunzlinger Mum

Hallo 2017!

Ein neues Jahr beginnt und somit mache ich mir so meine Gedanken, was ich mir für das kommende Jahr so wünsche und vorstelle. Das letzte war nämlich ziemlich mau….Mal davon abgesehen, dass einige meiner Kindheitshelden verstorben sind, geschah auch in meinem Privatleben einiges was ich wahnsinnig bedauerlich und teilweise sehr ärgerlich fand. Dinge, die ich am liebsten nicht erlebt hätte oder einfach gerne verdrängen würde.

Aber: Es sind auch ein paar tolle Sachen passiert! Ich wurde zum Beispiel nach 25 (!) Jahren von meiner Schwester Anja gefunden. Durch nen blöden Zufall gelangte sie an meine E-Mail Adresse und seitdem haben wir regen Kontakt. Wir feierten sogar Silvester zusammen, mit ihrem Mann, ihren vier Kids und den zwei Hunden. Es war laut, es war wild, es war anstrengend…aber vor allem war es toll, großartig und sehr herzlich. Dass sie mich entdeckte und wir nun einander haben, ist definitiv das Highlight des vergangenen Jahres.

Doch wie könnte man sowas grandioses noch toppen? Gar nicht, denke ich. Aber man kann versuchen das beste aus 2017 zu machen. Daher startet für mich Ende des Monats  auch ein Neuanfang. In zwei Tagen fahre ich zu meiner Mama um die eine große Sache vorzubereiten, auf die ich mich schon so sehr freue: Ihren Umzug von Roth zu mir in meine Wohnung. Ab diesem Zeitpunkt werden dann drei Generationen unter einem Dach leben, auf 100m² und auf vier Zimmer verteilt. Und verdammt noch eins, ich freu mich so! Keine guten 400 km mehr fahren, um sie in die Arme zu schließen. Keine täglichen Telefonate, denn man kann ja von Angesicht zu Angesicht reden. Keine Sehnsucht nach der Mama, zu besonders schönen, traurigen, einsamen, aufregenden Ereignissen. Denn dann ist sie einfach da, nur ein Zimmer entfernt.

Zudem hab ich mir als zweites großes Ziel gesetzt, endlich einen neuen Job zu suchen und zu finden. Einen, bei dem ich nicht mehr jedes Wochenende arbeiten muss. Einen Job, mit geregelten Arbeitszeiten, ohne ständig Bereitschaftsdienst zu haben oder erst am Sonntag zu erfahren, wie ich am Montag und in der restlichen Woche arbeiten muss. So sehr ich meinen Job und die meisten meiner Kollegen auch mag, ich will mich weiterentwickeln und voran kommen.Ich möchte mehr Arbeitsstunden haben, ohne unter der Woche die freien Tagen zu verschwenden um am Wochenende mein Kind kaum sehen zu können. Auf der anderen Seite möchte ich mein Krümelmonster nicht um die Zeit in ihrer geliebten Kita bringen, indem ich sie an freien Tagen zu Hause lasse. So sehr sie die Zeit mit Mama auch genießt, ihre Freunde vermisst sie dann trotzdem.

Und mir fehlt mein Sport…. seit Juni hab ich es nicht mehr ins Fitnessstudio geschafft. Vormittags hab ich entweder gearbeitet, oder mich um meinen Haushalt gekümmert. Nachmittags Hab ich mich meinem Krümelmonster gewidmet und abends war das Studio zu, sobald die Kleene im Bett war und auch wirklich schlief. Da muss sich einfach was ändern, für mich und mein Wohlbefinden.

Und ein großes Thema wird dieses Jahr auch definitiv unsere Wohnung. Wir leben nun 1 1/2 Jahre hier und irgendwie sieht es immer noch recht kahl und ungemütlich aus…Keine Farbe an den Wänden, die Bilder fehlen noch, Vorhänge hängen nur im Kinderzimmer und ein paar Teppiche und Pflanzen täten der Atmosphäre auch ganz gut. Da würde ich gerne so einiges ändern, vor allem im Wohnzimmer und Kinderzimmer.

Wie Ihr seht, hab ich ne ganze Menge vor. Ich möchte so viel machen und muss und werde mir dieses Jahr einfach mal die Zeit dazu nehmen. Ich werde mich nicht img_20161210_114002mehr nach einer Person richten und komplett in den Schatten stellen war mir wichtig ist. Das Krümelmonster wird immer im Vordergrund und vor allen an erster Stelle stehen, doch sie stand meinen Plänen ja nie im Weg. Sie findet es höchstens aufregend und spannend, wenn wir etwas umräumen oder dekorieren. Und mittlerweile ist sie ja auch so groß, dass sie mir dabei zur Hand gehen kann.

Ich freu mich jedenfalls auf 2017. Ich freue mich auf Baby R die jeden Moment schlüpfen kann. Ich freue mich auf den 3.( wann ist das denn passiert?) Geburtstag meines Krümelmonsters. Ich freue mich auf tolle neue Leute, intensivierte Kontakte, neue Herausforderungen, gutes Essen, leckeren Wein, wundervolle Videospiele, großartige Bücher, bewegende Filme und ganz ganz viel Liebe ❤

Euch allen ein tolles 2017 und bleibt mir ja gesund.

Eure Gunzlinger Mum Marika

 

 

 

Nein, mein Schatz, Mama ist nicht sauer.

Och Mensch, ich hänge gerade so dermaßen in den Seilen….ich plane so viel, doch am Ende mach ich davon dann so gut wie nichts. Derzeit braucht das Krümelmonster einfach meine ganze Aufmerksamkeit. Mal ne halbe Stunde alleine spielen, so wie früher, geht im Moment gar nicht mehr. Sie will immer ganz nah neben mir sitzen, will extrem viel kuscheln, mir hundert mal am Tag sagen dass sie mich liebt, mindestens zwei mal am Tag meine Mama anrufen, das Bebieeeeh muss drölf mal an Tag neue Kleidung angelegt bekommen und bevor sie sich sicher ist, dass sie satt ist, wurde der Teller locker 20 mal weggeschoben. Versteht mich nicht falsch, es ist wunderbar dass sie so an mir hängt. Ich genieße jedes einzelne „Mama lieb dich auch!“ und ich freue mich wahnsinnig darüber dass sie meine Mama so lieb hat. Doch es ist auch wahnsinnig anstrengend. Abends schläft sie derzeit selten vor 11 Uhr ein, dafür will sie morgens einfach nicht aufstehen.Sie will unbedingt Milchreis essen, nur um dann nach drei Bissen „satt“ zu sein. Man kann sie derzeit auch hunderte male daran erinnern, dass sie in der Wohnung bitte nicht rennen soll. Sie entschuldigt sich, lächelt dich nickend an, dreht sich um und rennt (!) weg.

Zudem hat sich ihre ganze Sprache sehr weiterentwickelt. So viele neue Worte, die sie sagen aber noch nicht richtig zuordnen kann doch die sie immer und immer wieder vor sich hin plappert, es ist der helle Wahnsinn. Und anziehen klappt nun wirklich und komplett von alleine. Selbst die Oberteile schafft sie ohne Hilfe und wird wütend wenn ich ihr dabei zu nahe komme. Allgemein lässt sie mich ihre Gefühle gerade sehr stark spüren. Wenn sie sich freut, wird man so lange abgeknutscht bis man komplett nass im Gesicht ist. Wenn sie wütend ist, schreit sie laut und bestimmend und schimpft mit mir als wäre ich ne Schwerverbrecherin. Und wenn sie traurig ist…. dann zerfrisst es mir fast mein kleines Herz. „Bitte fass die Kabel vom Computer nicht an, der kann ganz leicht kaputt gehen.“ Das Krümelmonster sieht mich fassungslos an. „Mama, Krümelmonster böse? Mama sauer?“ gefolgt von einem bitterbösen Heulkrampf. Sie stürmt dann auf mich zu, schmeißt die Arme um meinen Hals und schluchzt ohrenbetäubend laut, als würde gleich die Welt untergehen. Dabei wollte ich nur dass sie nicht aus versehen im Spiel den PC schrottet….

Manchmal weiß ich gar nicht richtig damit umzugehen. Ich versuche mein bestes, aber leicht ist es nicht. Und manchmal weiß ich auch nicht wie ich auf diese übermäßigen Gefühle reagieren soll. Man weiß auch nie, wann nun welches Gefühle wie zum Ausdruck gebracht werden. Das Krümelmonster könnte nämlich auch wütend und schreiend verkünden dass sie sauer ist, weil sie die Kabel nicht anfassen darf. Oder jubeln weil ich sie so nett darauf hingewiesen habe. Ohne Witz…manchmal glaube ich fast dass sie bereits in der Paupertät steckt. Vielleicht sind das alles aber auch nur versteckte Reaktionen auf die Trennung, schließlich sagt man ja immer wieder wie feinfühlig kleine Kinder sind und das sie sowas sofort mitbekommen. Wir haben uns nie vor ihr gestritten oder uns sonst wie angefeindet, aber wenn Papa fast nicht mehr zu Hause ist, kriegt das so ein schlaues Monsterchen eben auch mit. Also versuche ich ruhig zu bleiben, sag alles dreihundertdrölfzig mal, lass mich von ihr besabbern und flüstere ihr immer und immer und immer und immer und immer wieder „Ich lieb dich auch“ ins Ohr.

„Mama, da lang!“- oder wie unser Heimweg plötzlich 4 Stunden lang andauerte….

Eigentlich wollte ich ja gestern nach der Kita mit der kleinen in die Stadt fahren, kurz ein wenig Putzzeug einkaufen und dann den Heimweg einschlagen. Eigentlich…denn kaum dass wir die Kita verlassen hatten, schlug das Krümelmonster einen völlig anderen Weg ein. „Mama, da lang!“ rief sie und zeigte in Richtung des katholischem Kindergarten, neben dem eine Bushaltestelle liegt an der wir oft einsteigen. Ich nahm also an, dass sie dies vorhatte und gab ihr nach. Doch vor dem Kindergarten bog sie auf einen steilen Weg hinab, der zu ihrem Lieblingsspielplatz führte. Es war also klar wohin sie wirklich wollte.

In den letzten Wochen kamen solche Ausflüge aus mehreren Gründen einfach zu kurz. Krankheiten, Stress, Arbeit, das miserable Wetter. Es gab immer einen Grund warum der Spielplatz flachfallen musste. Deshalb warf ich kurzerhand meine Pläne über den Haufen, nahm das Krümelmonster an die Hand und rannte mit ihr zum Spielplatz. Es war herrlich! Sie lachte aus vollem Halse und rief dabei die ganze Zeit „Schneller! Schneller!“ Der Wind blies uns um die Köpfe, ein paar einzelne Sonnenstrahlen verirrten sich zwischen den Wolken hindurch zu uns und wir genossen den Rausch der Geschwindigkeit. Und auch wenn ich mich wiederhole: Es war so, so, soooo herrlich!

Wir tobten auf allen Geräten herum, schaukelten, rutschten und kletterten. Dabei quiekte sie die ganze Zeit vergnügt und ab und an stürzte sie auf mich zu und fiel mir um den Hals um mir ein Küsschen zu schenken. Es tat so gut sie so unbeschwert zu sehen, wie sie lachte und strahlte und gefühlte 385696234560 mal die Rutsche hinunter sauste. Der img_20161115_150905Spielplatz an sich ist in zwei Teile aufgeteilt: Der Bereich für die Kleinkinder und der Teil für die größeren. Im zweiten Bereich gab es eigentlich dieselben Geräte wie im ersten, nur dass sie eben höher waren. Nachdem wir also lange auf dem kleinen Klettergerüst herumgetollt sind, wollte das Krümelmonster unbedingt aufs große Gerüst. Ich hatte zuerst Angst und dachte dass dies einfach noch zu hoch für sie wäre. Doch nach anfänglichen Schwierigkeiten schafften wir es mit vereinten Kräften, dass Krümelmonster hinauf zu bugsieren. Ich kann euch gar nicht sagen wir stolz wir beide in diesem Moment waren. Die Kleene sprang freudig hoch und ab und rutschte mit lautem Geschrei hinab. Immer und immer wieder wollte sie das wiederholen und das tat sie auch.

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Nach weit mehr als einer Stunde brachen wir dann aber doch langsam auf. Leider fuhr in der nächsten Zeit kein Bus, weshalb wir laufen mussten. Wir hatten ein ganzes Stückchen Weg vor uns, doch das Krümelmonster schlug sich wacker. Wir liefen am Rheinufer entlang und genossen den herrlichen Blick über den Fluss. Immer wieder blieben wir stehen und sahen uns um, atmeten tief durch und genossen diesen schönen Moment. Für den Rückweg brauchten wir fast eine dreiviertel Stunde. Mal lief die Kleene an meiner Hand, mal trug ich sie damit sie ihre kleinen Füßchen ausruhen konnten. Kurz bevor wir die Stadt erreichten, gähnte sie dann zum ersten mal – und ich gleich mit. Wir waren beide schon müde, doch ein paar Dinge musste ich einfach noch erledigen.

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Im DM unseres Vertrauens war dann jegliche Müdigkeit wie weggeblasen. Die Kleene stürzte sich auf einen Einkaufswagen für Kinder und rannte quiekend durch den Laden. Sie freute sich über jede Waschmittelpackung und jeden Haushaltsschwamm den sie in den Wagen legen durfte. Kurz bevor wir die Kasse erreichten, entdeckte sie eine Packung Gummibärchen, blinzelte mir zu, lies hier liebstes „Bitteschön!“ erklingen und schnappte sich vor Freude strahlend eine Packung, die wir auf dem Heimweg gemeinsam vernaschten.

Nach all dieser Aufregung, dem großen Spaß auf dem Spielplatz und dem langen Fußmarsch, beschloss ich das Krümelmonster noch zu einer heißen Schokolade in dem Bistro einzuladen, in dem ich arbeite. Das machten wir beide oft so, wenn wir in der Stadt waren um einzukaufen. Wir ließen den Tag also ruhig und beschaulich dort ausklingen, die Kleene durfte wieder dabei helfen Tische abzuräumen und wir beide fielen am Ende des Tages glücklich und müde ins Bett. Zwar nur bis Mitternacht, aber das ist eine andere Geschichte….img_20161115_151525

Heute und morgen darf das Krümelmonster übrigens zu Hause bleiben. Einfach weil ich frei habe und basteln, kuscheln, malen, zusammen kochen und lesen will. Es wird sicher  bald wieder genug stressige Zeiten geben, in der ich nicht mal eben wieder um vier Stunden unseren Tagesplan verschieben kann, da muss ich die Zeit jetzt doch umso intensiver nutzen.

Euch noch einen schönen Abend

Eure Gunzlinger Mum Marika

Wenn Wege sich trennen

In den letzten Jahren ist so viel passiert, es gab so viel Mist den wir bewältigen mussten. Wir kämpften, immer und immer weiter. Wir versuchten Lösungen zu finden, Wege um miteinander alles zu schaffen. Wir redeten, stritten, litten, weinten und irgendwann kam der Punkt, an dem wir uns eingestehen mussten, dass wir gescheitert sind. So viel haben wir zusammen erlebt, so viel geschafft und doch hat es am Ende einfach nicht sollen sein. Doch seit wir uns dies eingestanden haben und dieser Moment liegt nun schon einige Wochen zurück, geht es uns besser. Wir lachen wieder, fühlen uns einfach freier, gehen wieder lockerer miteinander um. Wir gehen ruhig und sachlich an die Sache ran, ohne Streit und Kummer. Wir reden sehr viel über alles, darüber wie es weitergeht, wie wir das Krümelmonster mit der neuen Situation vertraut machen wollen, wie wir all das was wir uns zusammen angeschafft haben aufteilen wollen.

Und doch tut es weh, fühlt es sich an wie Versagen. Die Reaktionen darauf waren sehr gemischt. Von Tränen über Unverständnis und der Frage ob es sich denn nicht zu kämpfen lohne. Alle wissen auch noch nicht von unserer Trennung, keine Ahnung warum. Vielleicht, weil es weh tut immer und immer wieder die gleichen Fragen zu beantworten. Vielleicht, weil man manchmal nicht erklären soll wieso es scheiterte, ohne schlecht über sich selbst oder den Menschen zu reden, den man einst mehr liebte als sich selbst.

Doch nun heißt es den Kopf zu heben, nach vorne zu schauen, zu überlegen wie man sein Leben weiter leben möchte. Es gab etwas, dass war direkt klar: Ich hole meine Mama zu uns. Meiner Mama geht es gesundheitlich nicht sonderlich gut, zudem wohnt sie einfach sehr weit weg. Wir sehen sie kaum und sie fehlt mir unfassbar dolle. Also wird das hier bald eine drei Generationen Wohnung. Und ich freue mich so sehr darauf!

Bevor die ganzen Umzüge anstehen, kommt erst mal Weihnachten und Silvester und die Besuche meiner beiden hinreißenden Schwestern. Wir hoffen auf Schnee und eine wundervolle und besinnliche Zeit. Und ja, wir feiern zusammen und das soll auch so bleiben, schließlich sind wir auch nach der Trennung immer noch Eltern und unser Krümelmonster soll großartige Weihnachten erleben. Wir versuchen auch weiterhin an einem Strang zu ziehen, als Eltern gemeinsam zu fungieren. Sie soll nie das Gefühl haben sich entscheiden zu müssen oder dass nur einer von uns für sie da ist. Denn sie ist das kostbarste das wir haben, das schönste Geschenk das man nur erhalten kann, das wundervollste, schönste, aufregendste, verrückteste, atemberaubendste, klügste, niedlichste, verschmustestes kleine Wesen das mir je begegnet ist. Sie ist eben unsere Tochter, auch wenn wir bald nicht mehr Mann und Frau sind.

 

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