Angst Teil 1

Angst ist etwas, dass mich schon mein Leben lang begleitet. Ich habe vor vielen Dingen Angst, oft ist es einfach nur albern dass ich mich vor so banalen Sachen fürchte und das ist mir vollkommen klar, aber diese Angst ist da und irgendwie kann ich sie nicht ablegen. Und weil ich in letzter Zeit oft mit meinen Ängsten konfrontiert wurde, will ich sie mir heute einfach mal von der Seele schreiben.

Unverschlossene Türen/ Vollmond: Wo da der Zusammenhang besteht? Darin, dass mir die Kombination mal fast zum Verhängnis geworden wäre. Als ich noch eine Grundschülerin war hatten wir eigentlich in jedem Winter Schnee. Ich liebte es und freute mich wie wohl jedes Kind über die weiße Pracht. Eines Nachts, ich war etwa 8 Jahre alt, fiel besonders viel Schnee und es war einige Grade unter null. Ich erinnere mich nicht mehr an viel, nur das ich in dieser Nacht einen Traum hatte der mich wohl sehr bewegte. Irgendwas hatte mich aufgewühlt und das veranlasste mich wohl dazu aus meinem Bett auszusteigen und durch die Wohnung zu wandern – während ich schlief. Während ich wandelte öffnete ich die Tür zu dem Schlafzimmer meiner Mutter und danach die Wohnungstür. Wir schlossen früher nie die Tür ab, man kannte ja die Nachbarn und vertraute sich. Also ging ich vom Erdgeschoss die Treppe hinab zur Haustür und hinaus in den Schnee. Ich lief am Haus entlang, man konnte noch am nächsten Morgen meine kleinen Fußabdrücke gut erkennen, bevor ich irgendwann vor Kälte erwachte und Panik bekam. Ich hatte keine Ahnung wie ich dort hin kam und schrie und weinte bitterlich. Ich klingelte eine gefühlte Ewigkeit und schrie nach meiner Mutter, die ja friedlich im Bett schlief. Irgendwann wurde sie davon wach und wollte sehen welches Kind da draußen solchen Radau veranstaltete, als sie bemerkte das meine Zimmertür offen und mein Bett leer war.

Ich hatte danach eine schlimme Erkältung und konnte lange nicht alleine schlafen und dann auch nur wenn die Haustür verschlossen und verriegelt war und alle Türen in der Wohnung zu waren. Noch heute steckt der Schlüssel immer im Schloss und die Tür ist verschlossen, die Türen in der ganzen Wohnung sind zu und an Vollmond kann ich fast gar nicht schlafen. Und wenn ich einschlafe, habe ich furchtbare Albträume. Es geht so weit dass ich nicht einschlafen kann wenn ich im Bett liege obwohl ich nicht weiß dass die Tür zu ist, ich hab das dann einfach im Gefühl und stehe automatisch auf um nachzusehen ob der Schlüssel zwei mal umgedreht ist. Zu dem habe ich in öffentlichen Gebäuden ein mulmiges Gefühl wenn ich an einer offenen Tür vorbei gehen muss. Wenn ich mit meinem Kind unterwegs bin versuche ich das auszuschalten, wenn ich alleine an solch einer Tür vorbei laufe, kann es durchaus passieren dass ich meinen Gang verlangsame und erst mal langsam in den Raum hineinschaue um sicher zu gehen dass mir nichts passieren kann. In Vollmondnächten fühle ich mich zu dem äußert unwohl und ich gehe auch nach Einbruch der Dunkelheit nicht mehr aus dem Haus. Und so sehr ich den Anblick des Mondes auch liebe, so sehr gruselt es mich davor und ich versuche es zu vermeiden in anzusehen.

Wasser: Ich rede hier freilich nicht von dem normalen Wasser das ich zum duschen, abwaschen, wischen oder kochen brauche, ich rede von natürlichen Gewässern wie Flüssen, Seen und Meeren und vor allem Brunnen und Kanälen. Als ich noch ganz klein war fuhr ich mit meiner Mutter und meiner Schwester nach Polen in den Urlaub. Ich war noch so jung dass ich mich kaum noch daran erinnern kann. Mir blieb nur eine bestimmte Szene im Gedächtnis: Meine Mama litt bereits damals schon an Depressionen und brauchte deshalb manchmal ein paar Minuten für sich. Da meine Schwester 14 Jahre älter ist als ich, passte sie dann öfter mal auf mich auf. So auch an diesem Tag, als meine Mama sich ganz kurz hinlegen wollte. Meine Schwester und ich spielten im Innenhof des Hotels als meine Mutter aus dem Fenster des Hotelzimmer runter rief, meine Schwester solle meinen Sonnenhut holen. Da ich gerade mit anderen Kindern beschäftigt war, bat sie eine andere Mutter kurz auf mich Acht zu geben. Sie ging also nach oben und holte den Hut. Währenddessen beobachtete ich ältere Kinder, die mit Schiffchen am niedrigen Zierbrunnen spielten. Sie hatten auch ein paar Plastikflaschen zerschnitten und Boote daraus gebaut. ich setzte mich auf den Rand des Brunnen und wollte mit ihnen spielen, aber sie waren deutlich älter und ignorierten mich. Eins der Plastikflaschenschiffchen fuhr an mir vorbei, so nah dass ich es hätte greifen können. Also beugte ich mich vor und griff danach. Es kam wie es kommen musste, ich verlor das Gleichgewicht und fiel ins Wasser. Der Brunnen war nicht tief aber sehr rutschig und ich bekam einfach keinen Halt um mich hinzustellen. Ich tauchte immer wieder auf und schrie um Hilfe, aber niemand kam. Ein paar Leute sahen mich böse an weil ich so laut war, aber niemand schien zu bemerken dass ich nicht spielte. Ich geriet mit dem Kopf immer wieder unter Wasser, schluckte es und meine Angst wuchs. Meine Schwester war nur wenige Minuten weg und kam rechtzeitig um mich aus dem Brunnen zu ziehen. Sie weinte und schrie die Leute, vor allem die Frau die sie gebeten hatte auf mich zu schauen, an wieso sie mir nicht geholfen hatten und brachte mich zu unserer Mutter.

Ich kann bis heute in einem See nicht weit schwimmen und fühle mich an Brunnen extrem unwohl. Es ist als würde mich etwas hineinziehen und ich merke Panik in mir aufsteigen. An Kanälen ist es sogar noch schlimmer. Wenn dann noch das Krümelmonster am Brunnen planschen will, könnte ich jedes mal durchdrehen.

 

Das war Teil 1 meine kleinen Serie zum Thema Angst. Ich finde es absolut nicht schlimm sich zu ängstigen, ich finde es nur furchtbar wenn man dafür ausgelacht wird und man dargestellt wird als wäre man ein kleines Kind das man nicht ernst nehmen kann. Morgen gibt es dann Teil 2.

Euch noch einen schönen Abend

The Gunzlinger Mum

#48Stundenalleinerziehend

1.Tag

6:00 Uhr und der Wecker klingelt, ich kuschel mich ans Krümelmonster. 20 Minuten später springt das Kind wie von der Tarantel gestochen auf und rennt ins Bad. Ihre Seite des Bettes und auch ein Teil meiner Seite ist nass, ohje. Ich höre sie weinen, renne ins Bad. Sie sitzt mit schmerzverzerrtem Gesicht auf dem Klo, eine böse Ahnung macht sich breit. Ich schmeiße ihr Bettzeug und ihre Kleidung in die Waschmaschine, schalte sie ein und mache mein Kind sauber. Wir putzen die Zähne, ich will mich etwas frisch machen, es plätschert und die Kleene weint erneut. Der nächste Unfall, ihr geht es nicht gut, sie muss definitiv zu Hause bleiben. Ich mache sie wieder sauber, ziehe ihr neue Sachen an, putze das Bad. Dick in meine Kuscheldecke eingemurmelt lege ich das Monsterchen aufs Sofa. Sie hat Hunger, ich gebe ihr einen Rest Brezel in der Hoffnung dass er drinnen bleibt.

Um kurz nach 7:00 Uhr rufe ich in der Kita an und melde sie für die nächsten Tage krank. Es ist Dienstag und der Müll muss runter, also erledige ich das schnell. Danach wird Bailey gefüttert und ihr Klo gesäubert. Sie schnurrt mir währenddessen um die Beine, freut sich wohl dass wir heute alle zu Hause sind. Danach ziehe ich auch mein Bett ab und bringe das Bettzeug ins Bad. Ich kuschel mich zu meinem Krümelmonster aufs Sofa. Kurze Zeit später rufe ich in ihrem zukünftigen Kindergarten an und werde auf später vertröstet. Also widme ich mich der erste Wäsche, hänge sie auf und schneide danach Erdbeeren für den Nachmittag. Der Kohl fürs Mittagessen muss aufgesetzt werden. Ich setze mich etwas zu meiner Mama ins Zimmer, plaudere mit ihr. Die nächste Maschine Wäsche wird angesetzt. Ich rufe noch mal im Kindergarten an und werde herbe enttäuscht…. die Planung für den Sommer muss über Bord geworfen werden. Ich höre Tapser auf dem Boden und sehe wie die Kleene zur Oma geht. Ich folge ihr und wir kuscheln uns zu dritt aufs große Bett. Bailey springt hinterher, schnurr glücklich und zufrieden.

Um 9:00 Uhr richte ich endlich das Frühstück. Nach dem Essen ist der Kohl fertig und wird zur Seite gestellt. ich räume den Tisch ab und den Geschirrspüler aus und ein. Während das Monsterchen mit der Katze kuschelt, sortiere und falte ich die saubere Wäsche. Gegen halb elf fragt das Krümelmonster nach einem Film. Wenn wir krank sind gibt es immer einen Disney Film, ist für uns quasi die beste Medizin. Sie kuschelt sich aufs Sofa, Bailey legt sich zu ihr, passt auf sie auf. Ich decke sie zu und mache Frozen an. Während sie den Film ansieht. nutze ich die Gelegenheit und fange an den riesigen Wäscheberg wegzubügeln. Während des Films steht sie auf und fängt am Esstisch an zu kneten.

Um 12:00 Uhr ist der Film vorbei und ich hab ein gutes Stück Wäsche erledigt. Wir beziehen unser Bett neu. Danach wird wieder Kuschelzeit eingefordert. Gegen 13 Uhr schläft sie ein, ich schließe auch kurz die Augen. Bevor ich wegdöse, schweifen meine Gedanken ab. Ich frag mich wie das in Zukunft laufen soll, wie es beruflich weitergeht….Kurz vor halb drei wache ich wieder auf, schleiche mich aus dem Schlafzimmer. Sie schläft weiter, ist wohl erschöpft vom Morgen. Ich hänge wieder Wäsche auf und schmeiße die letzte Maschine für diesen Tag an. Danach beseitige ich das Chaos in der Wohnung. Um halb vier schläft das Monsterchen immer noch, also kehre ich die Wohnung. Zur Belohnung gibt es Joghurt und ein paar Seiten meines Buches.

Um 16:10 Uhr schleicht sich ein völlig verschlafenes Monsterchen ins Wohnzimmer, klettert auf meinen Schoß und will kuscheln. Danach kneten wir wieder. um kurz vor halb sechs widme ich mich dem Abendessen. Ich schneide den Kohl und lasse Speck in Fett aus. Danach bereite ich die Fleischbällchen zu und beschließe das Monsterchen ein paar Löffen probieren zu lassen. Vielleicht hatte sie am Tag vorher nur etwas komisches in der Kita gegessen. Der Kohl schmort, die Bällchen braten, ich wische schnell die Wohnung. Das Essen braucht noch etwas, also spielen wir mit Oma Memory. Um kurz vor sieben essen wir endlich, während des Essens schreibt der Papa das er gleich zu Besuch kommt.

Um 19:10 Uhr kommt er dann wirklich. Wir quatschen. Er überreicht mir die Ostergeschenke seiner Eltern, während das Mosnterchen kurz bei Oma ist. Ich checke den Inhalt und verstecke die Tüte. Die Kleene geht noch mal ins Bad und zieht sich an und wir danach zu dritt einkaufen. Kurz vor halb neun fährt der Papa Heim und ich bringe die Kleene ist Bett. Es dauert fast bis 23 Uhr bevor sie endlich eingeschlafen ist. Irgendwann blogge ich noch über unseren Einkauf und wieso wir oft zu drittHändchenhalten. Ich hänge noch etwas im Internet rum, schaue mir American Horror Story weiter an, versuche Gedanken zu verdrängen. Es ist weit nach Mitternacht als ich mich an mein Monsterchen kuschel und irgendwann unruhig einschlafe.

 

Tag 2

Es ist kurz nach 8:00 Uhr morgens und es stellte sich gerade heraus, dass der Abhol-und-in-die-Kita-Bringservice nicht auftauchen wird. Ich stecke das Kind schnell in ihre Matschhose und packe die Muffins ein, die ich extra für heute gebacken habe. Wir rennen durch die Stadt und schaffen es trotzdem nicht rechtzeitig zum Frühstück in die Kita. Das Monsterchen friert an den Händen, ich habe die Handschuhe nicht gefunden. Am Ende des Tages werde ich sie in ihrem Beutel für die Wechselwäsche finden. Das Monsterchen weint und will nicht in die Kita, wie an so vielen Morgenden. Ich ziehe sie um, verabschiede sie, verspreche ihr sie auch wirklich nachher abzuholen. ich bekomme eine Umarmung und einen Kuss und sie geht zum Morgenkreis. Ich reiche ihrer Erzieherin einen leeren Ordner und meine externe Festplatte und gehe. Vor der Kita atme ich noch mal tief durch, ein paar Tränen kann ich mir aber nicht verkneifen. Ich laufe nach Hause.

Um 9:45 Uhr bin ich wieder zu Hause. Als ich aufs Handy sehen habe ich 48 neue Nachrichten, meine Schwester hat mich zu einer WA Gruppe hinzugefügt. Wir planen mit ihren Freundinnen einen gemeinsamen Urlaub. Ich beschließe früher anzureisen um mit dem Monsterchen noch Berlin anzusehen und zu erleben. Ich trinke ein Glas Milch und esse eine Banane. Nach meinem spärlichen Frühstück dusche ich, richte meiner Mama das Essen und gehe auf arbeit. Von 11 bis 14 Uhr crushe ich Eis, nehme Bestellungen auf, schenke Getränke ein, trage Essen raus, räume Tische ab, helfe in der Küche und fülle kurz vor meinem Feierabend die Vorräte auf. Als ich das Bistro verlasse treffe ich auf eine Freundin, deren Tochter auch in unserer Kita ist. Sie nimmt mich mit dem Auto mit und wir plaudern ein wenig, auch über die Zukunft.

Als ich die Kita betrete, räumt eine andere Mama gerade die Wechselkleidung ihres Sohnes ein. Das Krümelmonster tobt noch im Spielehäuschen des Bewegungsraumes und sieht mich zuerst gar nicht. Ich nehme den Ordner mit dem Portfolio, die leere Dose in der die Muffins waren und meine Festplatte entgegen. Ich packe die Dinge und ihre Wechselsachen in eine Tasche und rufe nach ihr. Sie rennt auf mich zu, quiekt und fällt mir lachend um den Hals. Ich helfe ihr beim umziehen während die andere Mama Abschiedsgeschenke für die Erzieherinnen verteilt. Das Krümelmonster verabschiedet sich von allen, auch von ihren Freunden und wir gehen nach draußen. Ich kann meine Tränen kaum zurückhalten, so viele Erinnerungen hängen an dieser Kita. Zu wissen, dass sie nie wieder hier her gehen wird, tut schon ein bisschen weh.

Da die Sonne scheint und ich uns beide ein bisschen aufmuntern will, beschließe ich mit dem Krümelmonster ein Eis kaufen zu gehen. Auf halber Strecke begegnen wir K. der Mama von des Krümelmonsters bestem Freund. Wir plaudern fast eine halbe Stunde, umarmen uns zum Abschied und gehen irgendwie traurig auseinander. Aber: Am nächsten Tag werden wir alle noch mal sehen, einer von den Freunden der Kleenen feiert morgen seinen Geburtstag nach. Wir spazieren weiter in Richtung Stadt und unterhalten uns über den Tag und über das kommende Wochenende. Als erstes schauen wir noch in meinen Lieblingsladen und suchen nach einem Bowle Set, weil meine Mama sich eines wünscht. Danach geht es endlich zur Eisdiele, wo wir uns einmal Schoko-Nuss und einmal Pistazie und Raffaello Eis aussuchen. Wir setzen uns auf eine Bank und das Krümelmonster kuschelt sich an mich, während wir unser Eis futtern. Nach dem Eis kaufen wir noch schnell Katzenfutter ein und laufen dann im plötzlich aufgekommenen Regen nach Hause.

Gegen 16:30 Uhr sind wir endlich zu Hause und werden von einer schnurrenden Katze empfangen. Ich füttere sie während das Monsterchen erstmal im Bad verschwindet. Danach fordert sie ihre Medienzeit ein. Ich kuschel mich mit ihr aufs Sofa, während sie mal wieder in Baymax reinschaut. Um 17 Uhr richte ich uns ein Sandwich und wir futtern zusammen auf dem Sofa sitzend. Nach dem Essen schauen wir uns ihr Portfolio an und es ist unfassbar wie sehr sie sich verändert hat. Anschließend malen wir noch etwas in ihrem Malbuch, bevor wir um kurz nach 18 Uhr ihren Koffer packen. Sie hat keine gute Laune und sagt immer wieder, dass sie zu Hause bleiben will. Das tut weh und ist gleichzeitig sehr schön. Doch ich weiß, sobald sie Papa sehen wird, wird sie isch freuen. Sie verabschiedet sich von ihrer Oma und wir gehen um kurz vor 19 Uhr nach unten. Wir müssen noch fast eine Viertelstunde warten, bevor der Papa kommt. Wir nutzen die Zeit um noch einmal zu kuscheln und ich erkläre ihr noch einmal dass sie am Dienstag nicht wie gewohnt in die Kita gehen wird. „Ich bin ein großen Mädchen, keine Kita mehr!“ Genau. Mein großes Mädchen. Und mein großes Mädchen braucht jetzt erst mal eine Auszeit. Um zu verarbeiten, um Ängste abzubauen, um ganz viel Zeit mit Mama zu verbringen. Papa kommt und das Krümelmonster schenkt ihm ein Foto aus dem Portfolio. Wir besprechen den nächsten Tag, denn wir wollen zusammen auf den Kindergeburtstag von Monsterchens Kumpel B. gehen. Heute will sie aber gar nicht wirklich weg, umarmt mich noch mal, flüstert mir ins Ohr dass sie wirklich bald wieder kommt. Mama wartet doch, oder? Ich küsse sie, beruhige sie, dass ich immer auf sie warte und mich ganz dolle auf sie freue. Sie lächelt, wir umarmen und küssen uns noch ganz oft, bevor sie um kurz nach 19:00 Uhr schlussendlich ins Auto einsteigt.

Nachdem ich noch ein paar mal dem Auto nachgewunken habe, gehe ich wieder nach oben. Ich hole eine Packung Chocnut White aus meinem Versteck und schaue mir ein bisschen Gronkh an, bevor mir um halb 9 die Augen zufallen. Ok, ich mache ein kurzen Nickerchen… aber nur ein ganz kleines….

….und dann war es 1:45 Uhr. Ich hab nicht gut geschlafen, hab nur vom Krümelmonster und seinem traurigen Gesicht geträumt, als ich es daran erinnerte dass heute wieder Papa sie abholt. Sie wollte dass ich mitkomme, das war noch nie so stark wie heute. Sonst freut sie sich immer wenn Papa sie abholt und ich ihr erkläre, dass wir uns ja schon zwei Tage später wiedersehen. Ich lasse den Tag Revue passieren und bin traurig. Heute ging ein wichtiger Teil in L. Leben zu Ende, aber im Moment ist es besser so. Ihre Verlustängste sind groß, sie ist unausgeglichen und schläft oft nicht gut. Im Moment braucht sie mich mehr als sonst, viel mehr. Sie will morgens nicht in die Kita gehen, bittet mich nicht arbeiten zu gehen, zu Hause zu bleiben. Also gönnen wir uns erst mal eine Auszeit bis es meinem Krümelmonster wieder besser geht.

Von der Bedürfnisorientierten Partnersuche

Wer mir schon länger folgt, weiß dass ich vom Vater meiner Tochter getrennt lebe. Wir sind nun schon seit fast einem dreiviertel Jahr offiziell kein Paar mehr und da denkt man natürlich ab und an auch darüber nach, wie es wäre wieder einen Partner zu haben. Da ich vor zwei Jahren erst von Mittelfranken an die Schweizer Grenze gezogen bin, habe ich hier noch nicht allzu viele Freunde gefunden und die, die ich kennen lernte, haben alle selbst keine Kinder (und sind auch alle in glücklichen Beziehungen was ich ihnen auch alles von Herzen gönne). Und wenn man nun mal kleine Kinder zu Hause hat, geht man nicht oft aus und wenn, dann doch mit dem eigenen Partner. Und weil ich an meinen freien Wochenenden eben auch mal wieder etwas unternehmen möchte, bin ich in dem ein oder anderen Forum aktiv und schaue mich eben ein wenig um.

Ok, ich gestehe: ab und an wird vielleicht auch mal ein bisschen geflirtet. Aber ganz ehrlich? Das tut auch verdammt gut! Und da ich es nicht leiden kann wenn man Dinge verschweigt, gebe ich auch immer an das ich Mama und single bin. Sehr viele Leute, die eben wirklich auf der Suche nach einer Partnerschaft oder, nennen wir es mal streicheln für Fortgeschrittene, sind, werden von dieser kleinen Angabe abgeschreckt. ich sehe zwar dass sie auf meinem Profil waren, doch es kommt keine Nachricht. Da ich mir aber auch gerne mal ansehe, wer mich da so betrachtet, ist mir da etwas ganz bestimmtes aufgefallen. Das, was ich dort bemerkte, wird durch ein paar Gespräche bestärkt, die ich bisher so führte. Ich werde immer wieder darauf angesprochen, dass ich Mama bin. An sich ist das ja auch vollkommen ok, wenn dann nicht immer folgender Satz fallen würde: „Also, ich würde ja nix mit ner Alleinerziehenden anfangen, die suchen alle nur nach ’nem Ernährer für ihre Blagen.“ Und genau dann ist das Gespräch für mich beendet.

Mal ernsthaft, geht’s eigentlich noch? Hat man euch irgendwie zu heiß gebadet? Was bildet ihr euch eigentlich ein so über Kinder und Frauen zu reden, die ihre Kinder alleine großziehen? Und wieso bildet ihr euch eigentlich ein, dass die Frau ausgerechnet von euch „ernährt“ werden will?

Ok, viele Alleinerziehenden stehen finanziell wirklich nicht besonders gut dar. Und ja, sicherlich wäre es schön wenn das anders wäre. Aber: Nur, weil man allein erziehend ist und einen Partner sucht, ist man nicht auf der Suche nach einem Ernährer oder gar einem Ersatzpapa. Sie suchen wahrscheinlich genau das gleiche wie die meisten anderen Singles: Sie suchen jemanden zum anlehnen, zum geborgen fühlen, zum küssen, streicheln, vögeln, quatschen, lachen, lieben, das Leben zusammen zu verbringen, um gemeinsam zu kochen, Abenteuer zu erleben, auszugehen. Jemanden der ihnen zu hört, oder sich freut wenn sie abends nach Hause kommt, ihnen mal den Nacken nach einem harten Tag massiert. Sie möchten vielleicht mit dem Partner ein Konzert besuchen, nachts spazieren gehen oder im Regen tanzen. Vielleicht wollen sie auch nur mal wieder auf ein Date gehen und erfahren dass es immer noch jemanden gibt der sie attraktiv findet, auch wenn sie gerade eine doofe Scheidung durchgemacht haben, betrogen wurden oder sich durch Schwangerschaften oder Krankheiten äußerlich so verändert haben, dass sie sich selbst nicht mehr super wohl fühlen.

Es gibt so viele Gründe warum mal als alleinstehende Mama einen Partner sucht aber euch fällt nur ein, dass sie von euch ernährt, also quasi aus was und vor was auch immer gerettet werden will. Denkt ihr denn wirklich dass eine Frau sich nichts anders wünscht? Es ist vollkommen ok, wenn ihr eine Frau nicht kennen lernen wollt wenn sie bereits Mama ist. Es ist aber nicht ok, ihr sämtliche anderen Bedürfnisse abzusprechen die sie hat und genau das tut ihr indem ihr ihr unterstellt, dass sie nur von euch versorgt werden will. Ich bin so viel mehr als nur die Mutter meiner wunderbaren Tochter. Ich habe Gefühle, Sehnsüchte, Wünsche, Leidenschaften, Träume, Ängste…. Es gibt so viel was ich mit einem Partner/ einer Partnerin gerne tun würde. Mein Kind wurde noch immer bei mir satt, danke dass du dich darum sorgst. Du musst aber wirklich keine Angst haben: Ich bekomme sie schon alleine groß, ohne das du spendabel den Geldbeutel zückst. Dazu brauche ich dich nicht. Aber wenn du ein Glas Met mit mir trinken und dir dabei Boston Legal ansehen willst, setz dich zu mir und leiste mir Gesellschaft.

Und mal ehrlich: ich will keinen Prince Charming der auf einem weißen Ross daher stolziert kommt. Ich hätte lieber einen Shrek, der mir am Ende eines langen Tages eine Ratte über dem feuer grillt.

Nachtgespenst

Seit der Trennung von meinem Ex, schläft meine Kleine bei mir im großen Bett. Vorher brauchte sie ihr eigenes Reich und schlief nur in ihrem Zimmer, das war bis dato eben das richtige für uns. Doch seit Oktober will sie eben bei mir schlafen und verweigere ihr das nicht.

Doch seit einiger Zeit gibt es kein gemütliches Einschlafen mehr, es gibt nur noch Geschrei, wildes Toben, Weinen, Kreischen und völlig kaputte Nerven auf beiden Seiten: Sie will einfach nicht mehr schlafen. Wir haben schon so viel probiert, von vorlesen, massieren, Hörbuch hören, Schlafliedern, Fingerspielen auf ihrem Rücken, kuscheln, leises Flüstern, warmer Milch mit Honig und Kakao direkt vor dem Schlafen, neuem Bettzeug, neuen Gute Nacht Büchern, baden und eincremen, langen Spaziergängen und viel Bewegung am Tag versucht: nichts half. Ich hab so viele Leute gefragt, Bücher gelesen, war mit ihr beim Arzt, ich liege mehrere Stunden neben ihr und sie tobt und will nicht schlafen, schlägt um sich, weint und ich erkenne sie kaum noch wieder. Und ich bin am Ende. Ich weiß nicht mehr was ich machen soll und wie ich ihr helfen soll.

Heute hab ich auf Twitter um Rat gefragt und es gab so viele Tipps, die wir aber alle schon ausprobiert haben. Ich will mein Kind nicht mehr so schreien sehen, will nicht mehr dass wir beide so völlig ko sind, will dass sie sich wieder wohlfühlt. Ich will, dass sie auch nachts wieder glücklich ist…

Gemeinsam stark oder warum wir immer noch zu dritt Händchenhalten

Die Trennung vom Papa meiner Tochter ist nun, zumindest die offizielle Version, schon fast ein dreiviertel Jahr her. Ich bin froh dass wir kein Paar mehr sind und dennoch sitze ich abends da und denke mir: Irgendwie wäre es ja doch leichter, wenn wir noch zusammen leben würden. Er erzählt mir davon, dass er seine alte Arbeitsstelle aufgibt, um eine neue, bessere anzunehmen. Er erzählt mir davon, dass er am Wochenende nach Dresden fährt oder zu seinen Freunden. Ich dagegen werde an diesem Karfreitag trotz langjähriger Tradition nicht mit meinen Freunden grillen können. Das Geld für die Fahrkarte und die Verpflegung vor Ort ist einfach diesen Monat nicht mehr im Budget enthalten. Ich gönne ihm seinen Spaß und trotzdem ärgert es mich manchmal dass ich auf so vieles verzichten muss und er tun und lassen kann wann und wie er will.

Heute war er wieder zu Besuch. Abgemacht ist, dass er an jedem Dienstag und Donnerstag vorbei kommt und mit ihr spielt. Ab und an fährt er auch mit uns einkaufen, dafür isst er ab und an bei uns mit. Oftmals sagt er aber auch unter der Woche ab und auch wenn mich das dann ärgert, die Kleene wartet ja auf Papa, ist es doch schon sehr luxuriös dass er so oft vorbei kommt. Heute gingen wir zu dritt noch kurz ins Kaufland um ein paar Kleinigkeiten zu kaufen. Er links, sie in der Mitte, ich rechts. Hand in Hand sahen wir wie eine glückliche Familie aus. Unterwegs trafen wir eine Nachbarin mit ihrem Mann, die beide von der Trennung wissen. Sie sprach kurz mit der Kleenen und wünschte uns dann noch einen schönen Abend.

Als wir wieder zu Hause waren und der Papa auf dem Heimweg war, ging ich noch mal nach unten um die Post zu holen. Am Briefkasten traf ich meine Nachbarin die mich auf die Situation von früher am Abend ansprach. Sie wollte wissen, ob wir denn wieder ein Paar wären. Als ich das verneinte, war sie ganz verwundert. „Oh, dass sah dann nur so aus…“ Ja, so sieht es wohl für andere aus.

Wir waren auch schon zusammen auf dem Spielplatz und Eis essen, wie eine ganz gewöhnliche Familie. Und ganz ehrlich? Ich finde das muss auch so sein, zumindest für uns. Das Krümelmonster hängt sehr an ihrem Papa und leidet darunter dass er nicht mehr bei uns wohnt. Also müssen wir uns zusammenraufen und Zeit zusammen verbringen, auch wenn ich mir etwas schöneres vorstellen kann als mit meinem Ex an meinem freien Samstag Eis essen zu gehen. Ihr zuliebe laufen wir eben auch mal zu dritt Hand in Hand durch die Gegend und spielen „Englein flieg“, oder wir gehen zusammen zum Laternenumzug, er kommt zum Kindergeburtstag. Ok, das letzte vielleicht nicht unbedingt ABER wir versuchen so einen Weg zu finden damit das Monsterchen so viel von uns beiden hat wie nur möglich.

Weil ich eben kein Määäädchen bin

Ich bin 26 Jahre alt, bin Mutter eines ziemlich coolen Monsterchens, ich pflege meine Mama, gehe arbeiten, hab ne große Wohnung zu versorgen, bin da, wenn man mich braucht… und auch wenn es ein paar Dinge gibt die ich gerne ändern würde, würde ich doch sagen dass ich mit beiden Beinen im Leben stehe. Und dennoch kommt es beinahe täglich vor, dass mich Fremde oder auch Bekannte „Mädchen“ oder „Mädel“ nennen. Mal eine Frage: wieso tut ihr das? Sehe ich so jung aus dass man glauben könnte ich wäre erst 17? Bin ich so klein und zierlich, dass man mein Alter schlecht einschätzen könnte? Kicher ich die ganze Zeit „mädchenhaft“ oder erwecke ich sonst irgendwie den Eindruck dass diese Anrede angebracht wäre? Nein? Glaube ich nämlich auch nicht. Also, was soll das?

Ich gehöre zu den Leuten die dann auch sagen: „Ich möchte das nicht!“ Das fällt mir nicht immer leicht, muss aber sein. Meistens werde ich dann gefragt warum ich so schlecht drauf bin oder, ganz witzig natürlich, ob denn Oma besser passen würde. Ähnlich verhält es sich bei Bezeichnungen wie Süße („bist wohl ne Saure/Zicke“), Mäuschen („Also dann eben Ratte“), Schnecke, Püppi etc. Ich bezeichne meine beste Freundin auch mal als mal als Süße, sie mich auch, was ja auch ok ist da wir, wie bereits erwähnt, Freundinnen sind. Es ist eben ein Kosename und wir haben uns beide sehr lieb. Ich nenne auch die jüngere meiner beiden Schwestern Süße, Mäuschen etc. Irgendwie hat sich das bei uns so ergeben und es ist für uns beide vollkommen Ok.

Was jedoch nicht Ok ist, wenn das irgendwelche Leute sagen die ich gar nicht oder kaum kenne. Ob real, Twitter oder auf anderen Social Media Seiten, tagtäglich werde ich von Leuten die ich gar nicht oder kaum kenne mit Kosenamen belegt. Und ich verstehe nach wie vor nicht warum. Und das sind nicht nur Männer, auch Frauen tun das. Wollt ihr mir damit irgendwas sagen? Wollt ihr, wie es sehr oft behauptet wird, demonstrieren dass ihr über mir steht, man mich und meine Taten nicht so ernst nehmen kann wie euch? Soll das eine Art „Flirt“ sein? Denkt ihr, wir werden dadurch irgendwie besonders miteinander verbunden? Und warum werdet ihr (und das werden so gut wie alle) gleich sauer oder versucht mich zu beleidigen und als Zicke abzustempeln weil ich deutlich mache, dass ich nicht so von euch genannt werden möchte? Habt ihr so wenig Selbstbewusstsein dass ihr eine berechtigte Kritik nicht einfach hinnehmen könnt?

Meiner Tochter ergeht es da schon jetzt sehr ähnlich. Von vollkommen Fremden wird sie Mäuschen, Zuckerschnute, Prinzesschen, Engelchen…. genannt. Wenn ich frage, wieso sie sie einfach so nennen, werde ich unverständlich angestarrt und man sagt mir jedesmal, dass „man das eben so bei kleinen Mädchen sagt“. Und sie sieht doch so süß aus! Ein richtiger kleiner Schatz! Ja, dieser „kleine Schatz“ hat auch einen Namen, also nutzt ihn bitte. Und dass man den Namen nicht kennt, ist doch wirklich kein Grund ihr Kosenamen aufzuzwingen. Das Kind hat einen Mund, ihr dürft sie gerne nach ihrem Namen fragen. Wenn sie gerade nicht antwortet, weil sie einfach nicht mag oder einen Schüchternheitsanfall hat, verrate ich ihn euch. Wirklich!

Aber kommen wir noch mal zum anfänglichen Thema: Die Betitelung als Mädchen. Liebe Leute, ich bin eine junge Frau und kein kleines Mädchen, weshalb diese Bezeichnung in jedem Fall respektlos und unangebracht ist. Wenn es euch gefällt so genannt zu werden (wahlweise auch girl, boy, Junge, etc…), dann ist das eure Sache, nicht meine. Deshalb wird es trotzdem nicht ok mich so zu nennen. Es ist übrigens auch ein himmelweiter Unterschied ob ich sage dass ich einen „Mädelsabend“ mit Freundinnen mache, dass wäre ja wieder ein Kosename, oder ob ihr mich „Mädel“ nennt. Genau so verhält es sich auch mit allen anderen Bezeichnungen innerhalb einer Gruppe. Nur weil sich die Gruppe untereinander so nennt, heißt das nicht, dass andere, Außenstehende sie so nennen dürfen. Alles klar? Gut.

Ssh9xIsI

Auf einen zuckersüßen, müschenhaften Abend.

Eure Schnurzelmaus The Gunzlinger Mum

„Mama, ich kann das schon alleine!“

„Ich bin mutig!“ verkündete das Krümelmonster stolz, als sie nach Hause kam. „Ganz hoch klettert, ganz dolle gesprungen!“. Sie ist unverkennbar stolz auf sich und das darf sie auch sein. Mittlerweile erklimmt sie die höchsten Klettergerüste ohne Angst, rutscht die steilsten Rutschen hinab und balanciert über hohe Seile. Ich stehe die meiste Zeit neben dem Klettergerüst und versuche nicht einzugreifen, es sei denn sie ruft expliziert nach mir. Es ist nicht leicht, aber genau dass, was sie braucht: Sie sieht dass ich ihr und ihren Fähigkeiten vertraue, dass ich an sie glaube und dennoch sofort da bin, wenn sie mich braucht.

Sie ist mir sehr ähnlich. Als ich klein war, konnten die Bäume und Klettergerüste gar nicht hoch genug sein, kein Sprung war zu gefährlich und keine Rutsche lang genug. Ich war wild und mutig und wollte alles erkunden. Ich liebte das Abenteuer, ging lieber einen Schritt zu weit und hatte eigentlich vor gar nichts Angst. Bis ich vom Klettergerüst fiel. Danach hatte ich fast 20 Jahre lang Höhenangst, die ich nur besiegen konnte indem ich mich meiner Angst stellte. Doch das ist eine andere Geschichte.

Währen die Kleene auf dem Klettergerüst tobt und sich gegen die großen Kinder behauptet, stehe ich am Rand, unterhalte mich mit meinen Freundinnen versuche entspannt zu bleiben. ich sehe sie nicht immer, dann gehe ich einen Schritt zur Seite und suche ihre Beine, ihren blonden Schopf, ihre fuchtelnden Arme. Sobald ich sie wieder im Blick habe, versuche ich mich innerlich wieder runterzufahren. So geht es eine ganze Weile, bis meine Freundinnen einen Blick wechseln. Irgendwann, nach über einer Stunde, sagen sie dann endlich was. „Also so ruhig wie du da stehen und sie alleine auf dem Klettergerüst toben lassen könnte ich nicht.“ ja, das höre ich oft. Ich bin aber nicht ruhig, innerlich tobe ich. Am liebsten würde ich mit aufs Klettergerüst steigen und ihr die ganze Zeit die Hand halten. Aber ich tue es nicht. Ich will ihren Entdeckungsdrang nicht bremsen. Ich will sie ermutigen selbst Dinge auszuprobieren, zu entdecken, zu wachsen an Hindernissen die sie alleine bewältigt. Deshalb stehe ich etwas Abseits und lasse sie machen und es tut ihr gut.

Ähnlich verhält es sich auch mit allen anderen Sachen. Zur Zeit steht sie jeden Tag mit am Herd und kocht mit mir zusammen. Ich schäle die Kartoffeln, sie schneidet sie. Oder Zwiebeln, oder anderes Gemüse. Sie sitzt auf der Arbeitsfläche neben dem Herd und rührt die Soße um, dreht das Fleisch um, nimmt den Deckel vom Topf. Mir brennt ab und an das Essen an, die Soße gelingt nicht und es geht einfach des öfteren etwas schief, aber das ist nicht so schlimm. Jeden Tag lernt sie etwas mehr und ist stolz auf sich selbst. Letzte Woche buken wir Kekse, die wurden krumm und schief und den meisten Hasen fehlten Körperteile, aber sie stach fast alle alleine aus und daher schmeckten die Kekse am Ende noch besser. Am Anfang gab ich ihr ihre normalen Messer mit denen sie auch ihr Essen schneidet, doch zum „arbeiten“ war das einfach nichts. Irgendwann griff sie nach meinem Messerblock um das Gemüse zu schnibbeln und sie fand eine Technik wie sie ganz alleine und ohne großen Mühen schafft alles klein zuschneiden. Am liebsten würde ich ihr das Messer aus der Hand nehmen aus Angst sie könnte sich verletzten. Doch das ist er einmal passiert. Danach wurde sie noch etwas vorsichtiger.

Ich möchte ihr nicht alles abnehmen, ich möchte sie nicht ausbremsen, sie zurückhalten etwas zu tun was sie ausprobieren möchte. Ich möchte sie bekräftigen, ich möchte sie unterstützen sich selbst zu entfallen, die Welt zu entdecken, Erfahrungen zu machen und manchmal dabei hinzufallen. Ich will nur das sie weiß,dassich immer da bin wenn sie mich braucht, ich ihr eine Pflaster auf die Wunde klebe, ihr wieder aufhelfe, sie auffange und festhalte, wenn sie es braucht und will. Sie soll stark werden, Dinge alleine bewältigen können ohne immer nach Mama schreien zu müssen. Sie soll selbstständig werden und die Welt mit ihren Augen entdecken. Also bleibe ich weiter neben ihr stehen, habe ein Auge auf sie und horche ob ich ihre Stimme höre. Und wenn sie ertönt und nach mir ruft, bin ich sofort zur Stelle.

Eure Gunzlinger Mum

Mama macht das schon!

Ich liebe es Mutter zu sein, jeden einzelnen Tag aufs neue. Ich liebe es, neben meiner Tochter einzuschlafen und wieder aufzuwachen. Ich liebe es, mit ihr zusammen zu kochen, Kekse zu backen, zu kuscheln, zu kneten, die Welt zu entdecken, Bücher zu lesen, Filme zu schauen, zu baden, zu tanzen…. es ist das wunderbarste, dass mir je passierte.

Was ich nicht liebe, ist die Selbstverständlichkeit mit der man als Mutter alles tun soll. Ich rede nicht davon mein Kind zu versorgen, mich mit ihr zu beschäftigen, sie gesund zu pflegen. Ich rede davon, dass man davon ausgeht dass es meine Aufgabe ist ALLES zu tun. Dinge zu organisieren, ihr Sachen zu kaufen, sie zu „erziehen“, mit ihr zum Friseur zu gehen, ihr Dinge beizubringen, mit ihr zu kneten, mir zu überlegen was man ihr zum Geburtstag/Weihnachten/Ostern schenken könnte, immer alles abzusagen (auch meine Dienste) wenn sich etwas ändert und sie betreut werden muss. Sie wohnt bei mir und ich gelte wohl als gemeinhin bekannt als „alleinerziehend“. Aber ich hasse diesen Begriff. Denn für mich würde dies bedeuten, dass es nur mich gibt. Keinen Vater, keine Großeltern, keine Tanten und Onkel. Doch die gibt es, zuhauf. Auch gute Freunde von mir, die für sie immer da wären wenn sie sie bräuchte. Also, wieso nennt man mich dann alleinerziehend?

Was ich auch nicht verstehe: wieso gilt es als selbstverständlich dass ich alles alleine regel, weil ich die Mutter bin? Ich weiß, das hört sich wahrscheinlich wahnsinnig frustriert an. Und ganz ehrlich? Manchmal bin ich das auch. Manchmal, eigentlich recht oft, wünsche ich mir mehr Unterstützung und das man es eben nicht als selbstverständlich ansieht, dass ich tue was ich tue.

Ich bin kein Fan von den „klassischen Geschlechterrollen“. Im Gegenteil, ich finde sie ziemlich affig. Ich will meinem Kind nicht vorleben das man als Frau den Haushalt schmeißt und alles regelt was eben mit der Familie zu tun hat und der Mann arbeiten geht und ab und an mal etwas repariert. Aber genau das wird von mir und den Frauen im Allgemeinen erwartet. Es ist egal um welchen Bereich es geht, es heißt immer: „Du bist ja die Mama, du machst das schon!“ Zum Beispiel auf Familienfeiern: Alle sitzen gemütlich zusammen, plauschen, lachen. Die Kinder spielen in der Mitte des Raumes. Plötzlich sitzt die Kleene da und guckt ganz konzentriert. „Ohoh, ich glaube da macht gerade jemand einen Stinker. Geh doch mal zur Mama, die macht dich sauber“ Szenenwechsel: Man sitzt zu dritt auf dem Spielplatz, die Kleene spielt mit anderen Kindern. Eine Mutter bemerkt dass das Monsterchen eine Schniefnase hat. „Wo ist denn deine Mama? Die muss dir mal die Nase putzen!“ Im Schwimmbad: Man planscht gemütlich mit der ganzen Familie, das Kind wird langsam müde. „Mama trocknet dich mal ab und zieht dir etwas an.“

Und es ist eigentlich egal um welche Situation es geht, es heißt immer: Mama macht das schon! Und warum? Warum heißt es nicht mal: Papa macht das jetzt mal! Und ich sage es noch mal in aller Deutlichkeit: Ich bin gerne Mutter! Ich putze ihr auch hundertmal am Tag die Nase, helfe ihr auf die Toilette zu gehen, koche, putzen, spiele, bastle, male, knete, tobe, renne, kaufe Eis… ich mach alles! Aber warum ist das für jeden selbstverständlich dass das immer ich, also die Mutter macht? Wieso ist es nicht selbstverständlich, dass der Papa das tut? Und mal weiter gedacht: wieso ist es für so viele nicht selbstverständlich dass der Papa auch alles andere macht? Warum muss denn die Mama die Tasche für den Spielplatz packen? Oder das Essen vorbereiten wenn sie mal abends ausgeht? Oder den Kuchen für den Schulbasar backt? Neue Windeln kauft? Mit dem Kind zum Friseur geht? Die Windel wechselt? Termine im Blick hat? Geburtstagsgeschenke kauft?

Als Begründung kommt darauf immer wieder: Das machen Mütter nun mal so. Das ist die Aufgabe einer Mutter. Aha. Und warum? Na weil das eben so ist und schon immer war. Und wir wissen ja alle, dass alles was „schon immer so war“ IMMER auch genau so richtig ist. Mir wird dann auch gerne gesagt, dass ich mir das ja hätte vorher überlegen können, wenn ich mit meiner Mutterrolle nicht zufrieden bin. Denn man darf ja nicht vergessen: Eine Mutter jammert nicht, leidet nicht, sagt nicht dass sie müde/kaputt/traurig/vernachlässigt/überfordert….ist. Das macht man eben nicht als Mutter. Man hat sich das ja so ausgesucht. Nö, habe ich nicht. Ich habe es mir ausgesucht ein Kind zu bekommen, es aufzuziehen, es zu lieben, mich um es zu kümmern, ihm den Weg in ein schönes Leben zu ebnen und es glücklich aufzuziehen. Ich habe mir nicht ausgesucht, dass ich für alles verantwortlich bin und der Vater somit immer und in jedem Fall fein raus ist. Auch nicht, dass ich immer und für alle der Depp bin wenn das Kind mal nicht so „funktioniert“ wie es sich andere wünschen.

Wie sich der Papa in Wahrheit verhält, ist übrigens kein Bestandteil dieses Textes. Es geht mir hier um das Bild das die Gesellschaft von einer Mutter hat. Und das nervt mich und zwar gewaltig. Ich treffe jeden Tag darauf, immer und immer wieder. Und für mich ist die Tatsache, dass sich mehr Frauen Elternzeit nehmen und danach auch gerne noch zu Hause bleiben, übrigens kein Grund warum die Mutter alles machen sollte. Denn, wieso teilt man sich das nicht auch auf? Warum bleibt der Papa nicht auch ein paar Monate zu Hause? Wieso reduziert er nicht auch die Stunden, so dass die Betreuung der Kinder, so wie alles andere auch, gerecht zwischen beiden aufgeteilt werden kann? Würde das nicht viel mehr Sinn machen? Mir ist klar dass dabei auch der Chef mitspielen muss, aber man kann doch mal darüber reden, es wenigstens versuchen.

Ich wünsche mir dass sich das endlich ändert, dass es bald nicht mehr heißt: Mama macht das schon! Sondern dass es lautet: Wir machen das zusammen! Wir finden eine Lösung! Wir kümmern uns darum!

Eure Gunzlinger Mum

Der Tag, an dem das Krümelmonster kam

Meine Schwangerschaft war eine absolute Überraschung. Und obwohl sie nicht geplant war, haben wir uns sehr darüber gefreut. Ich erinnere mich noch genau an ihre erste spürbare Bewegung, am 19.2.2014. Ich stand unter der Dusche und hab mich für den 30. Geburtstag meines besten Freundes vorbereitet, als ich plötzlich dieses flaue Gefühl im Bauch bekam. Und dann war er da, der erste Tritt. Ganz zaghaft, ganz ruhig und wunderschön. Mir liefen vor lauter Rührung Tränen übers Gesicht und ich freute mich tierisch. An diesem Tag bemerkten auch das erste mal andere mein Babybäuchlein, mir wurde viel gratuliert und ich genoss den ganzen Abend sehr.

Wenige Tage später wurde ich vom Sodbrennen überrannt. Bis Anfang Juni zog sich dieses Dilemma hin und quälte mich. Nichts half dagegen und Milch konnte ich irgendwann auch nicht mehr sehen. Im Juni zog ich dann in meine erste eigene Wohnung. Die Wohnung war in katastrophalem Zustand und musste erst mal komplett renoviert werden. Der Müll der Vermieter raus, den Raucherdreck abgewaschen und Löcher in der Wand verspachtelt werden. Es war so viel Arbeit und für ne Hochschwangere eigentlich nicht das richtige. Aber ich gab Vollgas und wollte meinem Töchterchen ein schönes zu Hause bieten. Mein damaliger Verlobter kam jedes Wochenende und gab sich die größte Mühe mich zu unterstützen und die Renovierung voranzutreiben. Im Nachhinein frage ich mich oft wie wir das damals alles geschafft haben.

Ende Juni feierten wir dann eine Babyparty mit unseren Freunden, lachten viel und genossen die Zeit. Es war herrlich und tat mir wahnsinnig gut. Denn was kaum jemand wusste: mir ging es nicht gut. Ich hatte Schmerzen, große Schmerzen aber meine Ärztin nahm mich nicht ernst. Immer wieder sprach ich mit ihr und bat um Hilfe, aber außer einem „Stellen sie sich nicht so an, sie sind schwanger und nicht krank“ kam nichts zurück. Ich konnte der weilen nicht mehr sitzen, liegen, stehen, laufen und dachte mir immer wieder dass ich sicher nur übertreibe und das ja alle Frauen durchmachen. Aber die Schmerzen wurden immer schlimmer.

Anfang Juli fingen dann die ersten Vorwehen an. Der Bauch wurde steinhart und man sah deutlich die Beinchen meines Krümelmonsters. Sie strampelte viel und stark und verschlimmerte so leider meine Schmerzen immer mehr. Ich fühlte mich elend und kam mir schrecklich schwach vor. Alle anderen Frauen schaffen das doch auch, warum jammerte ich denn ständig? Wieso schlief ich nicht einfach ordentlich? Wieso riss ich mich nicht am Riemen?  Jeder Tag war für mich eine Qual, ich weinte ständig und ertrug die Schmerzen nicht mehr. Ich hatte Angst um mein Kind und wandte mich wieder an meine Ärztin, doch die würdigte mich nur mit einem herablassenden Blick, die jungen Frauen von heute seien so zimperlich, hielten nichts mehr aus, jammerten ständig nur rum. In diesem Moment fiel mir der Tag ein, an dem sie meine Schwangerschaft bestätigte. „Also sie sind schwanger, über der 12. Woche. Da kann man also auch nichts mehr machen“. Ja, das sagte sie genau so zu mir. Meine beste Freundin saß neben mir und ihr fiel die Kinnlade runter. Noch heute können wir beide nicht fassen wie man als Gynäkologin so auf ein entstehendes Kind reagieren kann, egal ob die Mutter 35, oder so wie ich damals, 23 ist.

Zwei Wochen vor dem errechneten Termin besuchte mich Krümelmonsters Papa wieder. Eigentlich wollten wir damals nur meine zwei besten Freunde zum Essen einladen, weshalb ich ihnen schrieb. Aber die Stimmung war angespannt und wir merkten das irgendwas nicht stimme. Sie wollten nicht mit der Sprache rausrücken, also rief ich sie an. Sie weinten, sprachen sehr leise und wollten mir keine Angst machen. Irgendwann gaben sie dann nach: Der Bruder meines bestens Freundes, war am Tag zu vor mit seiner schwangeren Frau ins Krankenhaus gefahren. Wir hatten fast am gleichen Tag ET und hatten schon Pläne für die Zeit nach der Entbindung. Die Fruchtblase war geplatzt, doch aus Gründen die mir bis heute unklar sind, musst das Mädchen per Kaiserschnitt geholt werden. Dabei ging jedoch etwas schief und das Kind wurde tot geboren.

Mich überkam Panik. Ich fing fürchterlich an zu schluchzen und brauchte Stunden um mich zu beruhigen. Mir tat meine Bekannte so furchtbar leid und ich hatte um mein eigenes Kind nur noch mehr Angst. Mittlerweile waren die Schmerzen so schlimm, dass ich mehrere Tage am Stück nicht schlafen konnte. Ich fühlte mich wie in einer Blase, geschockt, verängstigt und machtlos. Ich wusste nicht was ich machen sollte, wie ich mich verhalten sollte. Die Angst, dass sich das furchtbare Ereignis wiederholen würde, wurde jeden Tag größer.

Am Tag des errechneten Entbindungstermins musste ich wieder zu meiner Ärztin. Ich erzählte ihr was passiert war und sie machte sich wieder über meine Angst lustig, meinte ich wäre einfach zu zimperlich und es würde schon alles gut gehen. Meine Mutter war damals mit zur Untersuchung und war geschockt vom Tonfall der Ärztin. Wir beschlossen auf Nummer sicher zu gehen und vereinbarten einen Termin mit der Klinik, in der das Krümelmonster zur Welt kommen sollte. Bereits zwei Tage später, am Samstag den 2.8.14, durfte ich mit meinem Verlobten zur Kontrolle ins Krankenhaus fahren. Und dort wurde ich das erste mal ernst genommen. Die Ärztin hörte mir zu, sah mein blassen Gesicht, sprach auch mit B. und bestellte mich gleich für den nächsten Montag zur Einleitung. Ich hatte das erste mal seit Wochen wieder Hoffnung und konnte den Termin kaum noch erwarten. Ich versuchte meine Hebamme zu erreichen doch kam nicht durch. Leider sah ich die einfühlsame Ärztin danach nie wieder. Ich bin fest davon überzeugt dass die ganze Geburt anders verlaufen wäre, wenn sie da gewesen wäre. Zumindest mir wäre es deutlich besser gegangen.

In der Zwischenzeit hatte sich meine Mutter bei mir einquartiert um im Notfall da zu sein. Sie half mir beim packen meiner Krankenhaustasche und es tat gut sie bei mir zu haben. Am Montag den 4.8.14 brachen wir um kurz nach sieben Uhr morgens auf. B. hielt während der gesamten Fahrt ins Krankenhaus meine Hand, sprach beruhigend auf mich ein und wollte mir die Anspannung nehmen. Mir fiel das Atmen schwer und die Angst kroch mir wieder ins Blut. Ich zitterte und wollte „es“ nur noch hinter mich bringen. Im Krankenhaus mussten wir dann lange, sehr lange warten. Erst im Aufnahmebereich, dann im Kreisssaal und später in einem Untersuchungszimmer bevor wir ans CTG geschlossen wurden. Irgendwann kam ein Arzt in Ausbildung und legte mir einen Zugang für die wehenfördernden Medikamente. Insgesamt brauchte er 7 Versuchen an beiden Händen, bis die Kanüle endlich lag, Ich mache ihm keinen Vorwurf, er war in der Ausbildung, hatte damit kaum Erfahrung und wurde durch jeden Misserfolg nur noch nervöser. Für mich war die ganze Situation trotz jedem Verständnis sehr unangenehm. Meine Hände waren blau und taten weh und der junge Mann entschuldigte sich immer und immer wieder.

Nachdem er uns wieder alleine ließ, lag ich weit über eine Stunde am CTG. Ich bat mehrfach darum mich anders positionieren zu dürfen, da ich vor allem auf der rechten Seite extreme Schmerzen hatte. Mir wurde diese Bitte immer wieder verwehrt, denn das Gerät stand nun mal dort und die Kabel wären zu kurz um damit ich mich anders hinlegen könne. Ich fing wieder an zu zittern und mir wurde schwindlig. Mittlerweile war es fast 11 Uhr, ich war seit 4 Stunden unterwegs und bekam großen Hunger. Auf mehrfache Nachfrage durfte ich dann gegen halb 12 Uhr endlich in mein Zimmer. Auf Station hieß es dann doch wieder warten. Im Aufenthaltsraum der Patienten saß ich fast eine halbe Stunde, bevor ich etwas essen konnte. Insgesamt brauchten die Schwestern jedoch 3 Anläufe um mir das richtige, vorbestellte Essen zu bringen. Die ersten zwei Tabletts waren bereits benutzt worden und leer gegessen und so mussten die Damen erst mal herausfinden, wo denn mein Essen abgeblieben war. Kann passieren, sie sind ja auch nur Menschen.

Das Essen war nicht gut und es war fast kalt, aber es machte satt. Direkt nach dem Essen wurde ich wieder in den Kreisssaal geschickt und man hängte mich wieder ans CTG. Bis zum Abend ging das so weiter. Ich wurde nicht untersucht, saß die meiste Zeit alleine in einem Raum und versuchte die schmerzen auf der Seite wegzuatmen. Irgendwann am späten Abend durfte ich dann zu Bett gehen. Mein Verlobter war bereits auf dem Heimweg, denn auch er war erschöpft und müde. Und so lag ich alleine in meinem Bett und weinte, bis ich irgendwann endlich einschlief. Gegen 23 Uhr wurde ich wieder wach, wieder von Schmerzen. Doch diesmal waren es andere Schmerzen, im Unterleib sitzend und stark: ich hatte meine ersten Wehen. Endlich wirkten die wehenfördernden Medikamente und ich hoffte, dass es nun endlich losginge. Ich rief die Schwester und wurde umgehend in den Kreisssaal geschickt, zu Fuß. Gekrümmt und zittern lief ich den Korridor entlang. Die Hebamme nahm ich in Empfang, brachte mich in einen kleinen Raum, schloss mich ans CTG an und ging. Und ich war wieder alleine und dann kam die Panik. Ich hatte nur noch das Bild meiner Bekannten im Kopf, wie sie liebevoll ihren Bauch streichelte. Ich lag wieder auf der rechten Seite und versuchte die Schmerzen und die Wehen wegzuatmen, rief nach der Hebamme. Sie versuchte mich zu beruhigen und ich musste mich übergeben. Ich wollte ihr erklären was los ist, wieso ich solche Angst hatte, warum ich nicht auf der rechten Seite liegen konnte aber sie hörte mir nicht zu. Sie gab mir etwas zur Beruhigung und ging. Draußen auf dem Flur hörte ich ihre Stimme. Irgendwas von hysterisches Mädchen und das man sich wohl denkt ein Kind wäre ein Modeaccessoir.  Mir taten ihre Worte weh, ich wollte nicht hysterisch sein, ich wollte das man mir zuhört. Mir wurde schwarz vor Augen…

Eine Stunde später wurde ich wieder auf Station geschickt, ohne Wehen. Ich hatte mehrfach darum gebeten B. anzurufen, allerdings verwechselte jemand bei der Aufnahme die Nummer weshalb man mich anrief, nicht ihn. Gegen 3 Uhr morgens kamen die Wehen zurück.Wieder in den Kreisssaal, wieder blass und ängstlich, wieder der Versuch mich zu erklären. Man steckte mich in die Badewanne, zur Entspannung. Man rief B. an, diesmal auf der richtigen Nummer. Irgendwann gegen 6 Uhr morgens kam er, mit meiner Mama im Schlepptau. Ich durfte frühstücken, bekam aber kaum etwas runter. Um 8 Uhr bekam ich die nächste Dosis und hing wieder am CTG. Ich zitterte vor Schmerz und Erschöpfung und wusste nicht mehr weiter. B. und meine Mutter erkannten mich nicht wieder, machten sich große Sorgen und sprachen auf die Hebammen ein, mir doch zuzuhören. Nach einer halben Stunde Diskussion durfte ich mich auf die andere Seite legen und schlief endlich ein, aber nicht lange. Ständig weckten mich die Schmerzen auf, piesackten mich, schossen mir wieder Tränen in die Augen. Ich musste mich übergeben und wurde auf Station geschickt.

Gegen 14 Uhr ging es mir so schlecht, dass ich nur noch weinte und flehte. Ich wusste nicht was ich tun konnte um endlich Gehör zu finden, um endlich ernst genommen zu werden.  Ich fühlte mich entmündigt, wie ein kleines bockiges Kind dem keiner zuhören will. Ich wurde wieder in den Kreisssaal gebracht, wieder ans CTG gehängt und sowohl B. als auch meine Mutter bat ich kurz rauszugehen. Sie waren beide seit Stunden da und ich wollte dass sie sich kurz die Beine vertreten konnten. Sie gingen eine rauchen. Den ganzen Vormittag hatte sie darauf verzichtet, obwohl beide starke Raucher sind. Kurz nachdem sie weg waren, überschlugen sich die Dinge. Das CTG piepste laut, es fand keine Herztöne mehr, ich bekam wieder einen Panikanfall und schrie um Hilfe, drückte immer und immer wieder den blöden Rufknopf. Es fühlte sich an wie eine Ewigkeit bis endlich jemand kam. Die Hebamme sah ernst aus, setzte mich in einen Rollstuhl und fuhr mich in den nächsten freien Entbindungsraum. Ich schrie. Ich schrie um Hilfe, nach B. nach meiner Mama. Der Rollstuhl tat mir weh, engte mich ein und ich bettelte nach einem KS. Ich habe mir immer eine natürliche Geburt gewünscht, aber ich war einfach fix und fertig. Ich fragte mich wo ich die Kraft zum pressen hernehmen sollte, hatte Angst dass es meinem kleinem Schatz nicht mehr gut ginge, dass irgendwas nicht stimmte.

Ich lag da, schrie, weinte, fragte mich wo B. blieb und zitterte am ganzen Leib. Niemand kam, ich lag da ganz alleine und verzweifelte nur noch. Irgendwann, nach einer gefühlten Ewigkeit, kam eine große Frau rein. Sie sah ernst aus und hatte B. und Mama im Schlepptau. Sie setzte sich zu mir, nahm meine Hand und zeigte mir wie ich atmen sollte. „Beruhig dich Mädchen und erzähl mir was los ist“. Das erste mal seit Monaten fühlte ich mich ernst genommen, das erste mal hörte mir jemand zu. Und ich beruhigte mich etwas. Ich hörte das Piepen das CTGs, sah dass ich wieder am Gerät hing. Meinem Kind ging es gut, also redete ich. Mir liefen die Tränen übers Gesicht und der Blick der Frau wurde immer ernster. Sie rollte mich auf die Seite und schaltete das Ultraschallgerät ein. Sie untersuchte aber nicht meinen Bauch, sondern meine Seite. Sie sah ernst aus und erklärte mir, dass ich wohl eine gestaute Niere hätte und ob ich das meiner Gynäkologin nicht gesagt habe, man hätte das Kind schon früher holen sollen und es sei kein Wunder das es mir so dreckig ging. Sie wollte mir eine PDA legen und schlug mir einen Deal vor: PDA legen, ausruhen und auf der anderen Seite lagern. Wenn es nicht besser wird: Kaiserschnitt.

Deal. Ich bekam meine PDA, durfte fortan nur noch auf der linken Seite liegen und es ging langsam bergauf. Doch das Krümelmonster war wild und strampelte heftig. Sie wollte raus doch die Wehen waren noch nicht stark genug. Ich wusste endlich wieso es mir so schlecht ging, ich bekam endlich Hilfe. Ich hoffte und freute mich endlich wieder auf die bevorstehende Geburt.

Doch die PDA half nicht lange. Die Wehen spürte ich kaum, doch die Niere schmerzte nach wie vor. Die Schmerzen wurden am späten Nachmittag wieder schlimmer. Ich musste mich ständig übergeben und wand mich im Bett hin und her. Mir wurde immer wieder schwarz vor Augen, ich wurde mehrfach kurz ohnmächtig und B. rannte immer wieder nach draußen und suchte die Ärztin die mir so geholfen hatte. Mama saß neben mir, hielt meine Hand und versuchte mich zu beruhigen. Dann kam der Anästhesist. Er sollte mir Schmerzmittel geben, er stand da, sah mich an, beobachtete wie ich gerade aus einer Ohnmacht wiederkehrte und schüttelte nur mit dem Kopf und meinte, dass meine Schmerzen ja nicht so schlimm sein können wenn ich ein Nickerchen machen kann. Ich wünsche mir heute noch dass ich in diesem Moment meine Beine gespürt hätte, der Kerl hätte eine gefangen. Ich bin kein Fan von Gewalt aber dieser unsensible Spruch war einfach zu viel. Ich habe diesen Arzt nur in diesen paar Minuten gesehen. Davor nicht und auch danach nie wieder. Er hatte also keine Ahnung wie ich mich seit Tagen quälte, was wirklich los war aber erlaubte sich solche Sprüche. Ich war sauer, richtig sauer.

Mittlerweile war es fast 21 Uhr und meine Hebamme untersuchte mich noch mal. Der Muttermund war zwar offen, aber nicht weit genug. Die Wehen waren stark, aber eben nicht stark genug. Sie ging raus, wollte nur etwas trinken und gleich wieder kommen. Ich streichelte meinen Bauch, sprach mit meinem Baby, flüsterte ihr zu dass wir beide noch mal stark sein müssen und ob sie nicht rauskommen will. B. nahm mich in den Arm, hielt mich fest. Er war blass, machte sich Sorgen, er war ebenso erschöpft. Er sah auf die Uhr, es war 21:07 Uhr. Und dann drückte sich das Krümelmonster durch den Muttermund. Mit voller Wucht und so stark, dass ich nur noch pressen konnte. B. rannte, suchte die Hebamme, Mama atmete neben mir, wollte mir sagen was ich zu tun hatte. Aber ich presste nur wie besessen, brachte all meine Kraft auf. Ich wollte es schaffen, beweisen dass ich kein hysterisches kleines Mädchen bin. Meine ganze Wut und Enttäuschung kam hoch und ich presste wie wild. Als endlich die ungläubige Hebamme ankam, diskutierte sie erst mal dass das Kind unmöglich schon so weit sein konnte, bis sie vor mir stand und den Kopf sah. B. hielt meine Hand, Mama jubelte und dann war sie endlich da, mein Krümelmonster. Um 21.14 Uhr hielt ich sie endlich im Arm.

Ich hab auch in den darauffolgenden zwei Tagen fast niemanden zu Gesicht bekommen, ich hatte niemanden den ich etwas fragen konnte, der mir beim Anlegen half. Wenn dann doch mal eine Schwester vorbei kam, wurde ich auf später vertröstet oder es hieß dass ich mich einfach anstellen würde. Das Essen im Krankenhaus entsprach leider jeglichem Klischee. Ich bin heute noch sehr dankbar für meine Freunde, die mir Bananen und Milchreis brachten auf den ich so großen Appetit hatte. Meine Niere hat sich rasch erholt und ich hab auch keine Probleme mehr damit, aber damals hätte meine Ärztin meine Beschwerden nicht abtun dürfen. Sie hätte mich ernst nehmen müssen, sie hätte nicht über mich urteilen dürfen nur weil ich jung bin und das mein erstes Kind war. Auch die Damen und Herren im Krankenhaus haben mich nur in eine Schublade gesteckt. Ich weiß aus eigener Erfahrung wie schwer der Beruf ist, aber ich hätte nie im Leben jemanden so betitelt oder verurteilt. Ich bin der Ärztin die mich ernst nahm sehr dankbar. Lange Zeit war ich mir sicher dass ich nach dieser Geburt kein Kind mehr möchte. Aber an jedem Tag an dem mein Töchterchen um mich rumspringt, mich umarmt und küsst und mir sagt dass es mich liebt, merke ich, dass da noch mehr Liebe ist die ich gerne irgendwann verschenken würde.

 

 

Adieu schlechtes Gewissen, hallo Freizeit!

Seit über einem Monat besucht das Krümelmonster nun an jedem zweiten Wochenende ihren Papa. Als er sie das erste mal abholte, habe ich stundenlang geweint. Ich hab ständig angerufen um mich zu erkundigen wie es läuft. Kurz bevor sie wieder kam, hab ich noch mal geheult, diesmal vor Freude. Bei ihrem zweiten Besuch fühlte ich mich leer, weinte wieder, doch ich rief nicht mehr an. Dann kam das letzte Wochenende und sie wurde wieder abgeholt und diesmal lief keine Träne über meine Wangen. Es tat weh sie gehen zu sehen,doch ich beschloss diesmal das Wochenende effektiv zu nutzen und nicht vor lauter Sehnsucht zu zerfließen.

Der Freitag startete mit einem Einkauf und gemeinsamen Essen mit ihrem Papa. Als sie ging war sie fröhlich und unbeschwert und hatte die Stunden zu dritt wohl sehr genossen. Mein Herz wurde mir wieder schwer, doch ich wollte nicht wieder weinen. Ich tat etwas, was ich schon sehr lange nicht mehr getan habe: ich hab die ganze Nacht gezockt. Und das tat so gut! Einfach mal für sich selbst etwas tun, nicht immer wieder ins Kinderzimmer schleichen und schauen ob die Kleene gut schläft, nicht bügeln, keinen Geschirrspüler einräumen, nicht saugen, wischen, Fenster putzen. Einfach mal stundenlang den Kopf ausschalten und sich dem liebsten Hobby hingeben. Mal ehrlich, wann macht man das schon wenn man ein Kind hat?

Dabei ist es doch so wichtig auch mal was für sich zu tun! Jeder Mensch braucht doch mal eine Auszeit, Zeit auf die eigenen Bedürfnisse zu hören. Sei es ein heißes Bad mit viel Schaum, ein Glas Wein mit Freunden, mit dem Partner ins Kino zu gehen oder mal ne ganze Nacht durchzuzocken. Es ist vollkommen egal was man tut, solange man es nur tut! Ein guter Freund von mir zum Beispiel hat die Firma seines Vaters übernommen, zudem arbeit er aber auch noch Vollzeit für ein Berufsförderungsprogramm der Agentur der Arbeit und ist auch noch ehrenamtlicher Sanitäter. Ganz nebenbei ist er ein ganz toller Papa, steht nachts auf wenn der Kleine weint, kocht, hilft im Haushalt und überlässt dies nicht wie selbstverständlich seiner Frau. Für ihn ist das genau so normal wie es auch sein sollte. Alle paar Monate nimmt er sich dann mal eine Auszeit und macht eine kleine Motorradtour oder fährt auf ein Festival. Im Gegenzug dazu fährt seine Frau dann eben zu ihrer Schwester und genießt ein paar Tage kinderfreie Zeit. Einmal im Monat haben die beiden auch einen festen Tag, an dem sie zusammen ausgehen. Und das finde ich großartig. Daran sollte sich viel mehr Menschen ein Beispiel nehmen und sich Zeit für sich selbst und als Paar einzuräumen.

Und weil ich selbst in den letzten drei Jahren sehr oft an meine Grenzen kam, mir eben kaum Freizeit eingestand und selbst in den kurzen Momenten der „Ruhe“ sofort aufsprang um zum Kind zum rennen oder etwas zu erledigen, was mir just in diesem Augenblick einfiel, ging es mir eine Zeit lang wirklich nicht gut. Ich war nur noch gestresst, schnell genervt und hatte auf gar nichts mehr Lust. In diesen Wochen war ich so ungeduldig, dass ich es meinem Krümelmonster nicht mal mehr zugestehen konnte wenn sie etwas neues ausprobieren wollte. Es ging mir einfach nicht schnell genug, ich wollte fertig werden, weiter machen, den nächsten Punkt auf dem Tagesplan abhaken. Das war ihr gegenüber unfair und tat uns beiden nicht gut. Meiner Schwester ging es da ganz ähnlich. Mit einem Sohn der auf viele Dinge aufgrund seiner Allergien verzichten muss, was sie dazu „zwingt“ tagtäglich auch die Mahlzeiten für den Kindergarten vorzukochen, regelmäßig zur Apotheke zu gehen um die Spezialnahrung zu holen und immer und überall sein Notfallkit mitzunehmen, hat sie oft Stress und fühlt sich ausgelaugt. Vor einigen Wochen kam dann das böse erwachen: sie kippte nach dem Duschen um und schlug sich den Kopf an. Ihre Hausärztin zog die Notbremse und verordnete ihr zwei Wochen absolute Ruhe. Sie musste zu Hause bleiben, durfte keine Termine wahrnehmen. keinen Haushalt organisieren und einfach mal ausschlafen, ausspannen und das spielen mit ihrem Sohn wieder richtig genießen. Mittlerweile geht es ihr wieder besser und sie hat sich nun feste Zeiten für sich eingeräumt wie beispielsweise ein mal im Monat mit ihrer besten Freundin essen zu gehen und einmal in der Woche an einem Nordic Walking Kurs teilzunehmen.

Und weil ich das eben nicht auch erleben will und derzeit wirklich viel zu bewältigen habe, nutze ich jedes zweite Wochenende um zu tun was mir gut tut. Sushi essen gehen, zocken, die Game of Thrones Reihe weiterlesen, Filme ansehen, meine Nägel lackieren, mit meiner Schwester telefonieren, backen, zeichnen, durch den Baumarkt schlendern, in einem Schaumbad versinken oder einfach bloggen. Und ich brauche diese Momente, sie tun mir gut und ich hab wieder viel mehr Energie die ich meiner Tochter widmen kann. Und ich habe dabei auch kein schlechtes Gewissen mehr, denn ich bin auch nur ein Mensch mit einer begrenzten Anzahl an Kraftreserven die ab und an wieder aufgeladen werden müssen.

Eure Gunzlinger Mum