Freundschaft ist ein auf gegenseitiger Zuneigung beruhendes Verhältnis von Menschen zueinander, das sich durch Sympathie und Vertrauen auszeichnet. Eine in einer freundschaftlichen Beziehung stehende Person bezeichnet man als Freund oder Freundin. Freundschaften haben eine herausragende Bedeutung für Menschen und Gesellschaften.

(Quelle: Wikipedia)

Ich finde das trifft es ganz gut. Und das ist wahrscheinlich auch der Grund, warum es mir so schwer fällt neue Freundschaften aufzubauen: ich kann so schwer vertrauen. Zudem sind mir viele Menschen einfach zuwider. Dabei bin ich gerne von Menschen umgeben, beobachte sie, schaue Kindern beim tollen zu, oder wie zwei ältere Damen, die vielleicht schon ewig befreundet sind miteinander plauschen. Ich liebe auch Großstädte, weil dort so viele verschiedene Arten von Menschen aufeinander treffen. Wie sie durch die Gassen wimmeln und lachen, einkaufen, tratschen, mit ihren Kindern diskutieren, den Straßenkünstlern ein paar Groschen zuwerfen, Sehenswürdigkeiten betrachten, Eis essen, Ubahn fahren…Aber wenn sie dann den Mund aufmachen graust es mich oft nur. So viele da draußen bilden sich ihr Urteil über andere durch Vorurteile, durch Halbwahrheiten die sie irgendwo aufgeschnappt haben. Sie sehen einen Menschen und glauben sofort zu wissen, wie derjenige tickt.

„Oh, eine Frau ganz in schwarz gekleidet, mit schwarzen Haaren und ernstem Gesichtausdruck? Na, mit der kann ja was nicht stimmen. Bestimmt ne Satanistin oder so. Und guck dir mal den Typen mit den Tattoos und dem Piercing an und seine seltsame Frisur, mit den rasierten Seiten und dem schwarzem Zopf. Das ist bestimmt ein Krimineller. Wie, die kommen aus dem Osten? Ohje, sind bestimmt Rassisten. Und überhaupt, wo ist denn der komischer Ossi Dialekt?“   Das klingt jetzt überspitzt, aber das sind Sprüche die wir fast tagtäglich zu hören bekommen und das im Jahre 2016. Und nein, das ist kein Scherz. Selbst heute bist du sofort als Gothik, Satanist und was weiß ich nicht alles verschrien, wenn du dich dunkel kleidest. Wenn wir zu dritt auf dem Spielplatz sind und andere Eltern da sind, werden wir immer misstrauisch beäugt und das Getuschel geht los. Letztens hörte ich doch tatsächlich von irgendeiner Wildfremden: „Oh, das arme Kind. Was soll denn aus der Kleinen werden bei solchen Eltern?“ Ich wäre der Frau am liebsten an die Gurgel gesprungen. Mal ehrlich: was genau sagt mein Äußeres über meine Fähigkeiten als Mutter aus?  Muss man denn unbedingt in Hemd und Jeans, bzw in bunten Farben rumlaufen um gute Eltern zu sein? Ja verdammt, ich fühle mich in schwarzen Sachen am wohlsten. Ja verdammt, ich habe schwarze Haare, weil ich mich so am schönsten fühle. Ja verdammt, ich schaue meistens ernst. Heute nennt man das Resting Bitch Face. Und ja verdammt, ich bin Ossi ohne Dialekt! Und was sagt das nun über mich aus? Nichts. Absolut gar nichts.

So war das schon mein ganzen Leben lang. Immer und immer wieder wurde ich auf mein Äußeres angesprochen, wurde ich gefragt warum ich nicht „Ossideutsch“ rede. Ja, es gibt wirklich Leute die denken das Sächsisch die Amtssprache der neuen Bundesländer wäre. Von dem Bullshit das wir alle mit rasierten Schädeln und weißen Schnürsenkeln rumlaufen, will ich gar nicht erst anfangen. Mich macht so ein Verhalten traurig und auch nach 16 Jahren tut es weh, wenn man einfach so verurteilt wird. Aufgrund solcher Vorurteile ging es mir in meiner Schulzeit sehr schlecht, bis ich mich irgendwann komplett zurück zog. Ich brachte den Mund nicht mehr auf und fraß meinen Frust in mich rein. Irgendwann wurde ich dann wütend und sarkastisch. Jedem der mir mit so ’nem Blödsinn ankam, bekam einen bitterbösen Spruch entgegen geknallt. Der Sarkasmus wurde mein bester Freund und ich agierte nach dem Leitfaden, das ich lieber gleich selbst austeile, bevor ich wieder einstecken muss. Leider blieb mir dieser bitterböse Sarkasmus bis heute erhalten. Wenn ich neue Leute kennen lerne, wirke ich oft Arrogant und gemein, weil ich auf die meisten Äußerungen nach wie vor mit Sarkasmus reagiere. Das ist mein Schutzwall, den ich einfach nicht los werde. Es ist besser geworden, ganz ohne Frage. Aber auf viele wirkt das einfach abschreckend. Sie kennen mich und meine Geschichte ja nicht und können nicht erahnen, wieso ich so bin. Deshalb kann ich es ihnen auch nicht verübeln, dass sie mich dann nicht näher kennen lernen wollen. Mir tut das dann im Nachhinein oft leid und ich denke viel darüber nach, wie ich das nächste Mal besser reagieren könnte.

Zu meinem großen Glück gibt es aber auch Menschen, die sich von dieser Fassade nicht abschrecken lassen, sondern die dahinter schauen wollen, um sich ein richtiges Bild machen zu können. Zwei solcher Leute sind Kevin und Felix. Kevin kenne ich nun schon fast 10 Jahre und wir sind nun auch schon fast so lange befreundet. Seinen Verlobten Felix kenne ich seit etwa 5 Jahren, da bin ich mir aber gerade nicht so ganz sicher. Die beiden wissen wie ich manchmal bin und dass das eigentlich gar nicht böse gemeint ist. Das ich mich so verhalte wenn ich das Gefühl habe einen Schutzwall um mich aufbauen zu müssen. Sie können damit umgehen und wissen, dass ich von alleine ankomme und mich entschuldige, wenn ich mich wieder gefangen habe. Dafür und für ihre Freundschaft, ihre ganze Art bin ich ihnen so unfassbar dankbar.

Heute Nachmittag kommen sie her, sie besuchen uns bis Donnerstag und ich könnte tatsächlich heulen vor Freude. Ich hab Felix nun seit Weihnachten nicht mehr gesehen und Kevin seit meiner Hochzeit vor 7 Monaten. Und doch wird es so sein, als hätten wir uns erst gestern gesehen. Das weiß ich, weil es immer so ist. Wir werden wieder ne ganze Menge quatschen, vielleicht ein paar Filme sehen. Wir haben auch überlegt in den Europapark zu fahren, wenn das Wetter passt. Oder zu IKEA, weil man da ja eh immer hinfahren kann. Und wir werden zusammen kochen, weil Felix und ich kochen lieben. Und den Thermomix, von dem wir beide je einen haben. (allein wegen diesem Gerät darf ich mir ständig dumme Sprüche anhören). Es wird toll. Es sind nur 4 Tage, aber die werde ich in vollen Zügen genießen. Oh, mit dem Krümelmonster gehen sie übrigens auch ganz toll um. Sie waren auch zwei der ersten, die von meiner damaligen Schwangerschaft erfuhren und sie freuten sie Bedingungslos mit. Das tat mir gut und hat mir viel bedeutet.

Die beiden tun mir immer gut. In jeder einzelnen Sekunde. Ich bin dankbar sie in meinem Leben zu haben, Dankbar für ihre Art, für ihr Verständnis, für ihre Dankbarkeit wenn ich ihnen mal eine kleine Freude mache. Von solchen Menschen wie die beiden es sind, brauchen wir definitiv mehr. Ich glaube wirklich daran, dass die Welt dann ein ganzen Stückchen besser wäre.

Nehmt mir diesen doch etwas bösen Post nicht übel, manchmal muss man sich eben Luft machen.

Alles Liebe

Eure Marika

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