Ich wusste dass es ihr zusetzen würde, aber dass es ihr so zu schaffen machen würde hätte ich nicht gedacht. Es ist jetzt gute zwei Wochen her dass der Vater ausgezogen ist. Zwei Wochen in denen sie kaum schlafen wollte, nachts immer wieder aufwachte und abends fast schon flehend darum bat den Vater anrufen zu dürfen. Sie fragt immer wieder nach ihm, ob er arbeiten ist, wann er denn kommt, ob wir ihn besuchen können. Ich gebe ihr immer wieder die selben Antworten, vertröste sie darauf dass sie ihn ja bald wieder sieht, dass sie ihn bald besuchen darf, dass er bestimmt bald anruft und sie ihm alles aus der Kita und von unserer Katze erzählen kann. Wenn dann nicht das Telefon klingelt, oder er nur ganz kurz herkommt und sie gar nicht die Gelegenheit hat ihm irgendwas zu erzählen oder zu zeigen, ist sie am Boden zerstört und will gar nicht mehr alleine irgendwo sein. Jedes mal kommt dann nur, dass „Mama bitte nicht gehen“ soll, „Mama bitte hierbleiben“ und „Mama bitte L. tragen“. Sie war schon immer sehr anhänglich, doch früher hat sie auch gerne mal für sich gespielt, gemalt oder einfach nur auf dem Sofa gelegen und sich die Decke angesehen. Das hat jetzt alles schlagartig aufgehört.

Es geht ihr nicht gut, auch wenn sie jetzt Oma hier hat und ihre heißgeliebte Bailey (unsere Katze die eigentlich mir gehörte aber vorrübergehend bei meiner Mama wohnte) jeden Tag bekuscheln kann. Ihr Trotzkopf wurde nur noch dicker, sie wird manchmal richtig aggressiv, schreit und kreischt rum oder wirft sich bei der kleinsten Kleinigkeit auf den Fußboden. Und manchmal sitzt man dann da und weiß gar nicht wie man diesem kleinen traurigen, wütendem Geschöpf helfen soll. Und irgendwann sitzt man dann selbst völlig erschöpft da und will eigentlich nur weinen weil einem sein geliebtes Kind so leid tut.

Ich weiß wie sie sich fühlt, wie sehr sie ihren Papa vermisst, wie sie leidet und wieso sie im Moment nicht alleine sein kann. Als ich in dieser Situation war, war ich etwa in ihrem Alter. Ich hab mein ganzes Leben lang daran geknabbert dass mein Vater nicht da war. Nur war er überhaupt nicht da. Wirklich abgeschlossen habe ich vor einem Jahr mit der Situation und mit ihm. Ich habe ihm dass damals auch ganz deutlich gesagt, auch wenn er davon nicht begeistert war.

Im Moment hoffe ich nur, dass das Krümelmonster sowas nicht erfahren muss. Dass ihr Vater sie regelmäßig besucht, sie an seinen Wochenende abholt, zu ihren Geburtstagen kommt etc.

Ein guter Montag

Doch heute haben wir es geschafft, diese blöden Ängste und Gefühle auszusperren, sie kurzweilig zu vertreiben und meiner kleinen ein paar schöne Erinnerungen zu verschaffen. Obwohl es sich heute nur um Kleinigkeiten handelte, schlief sie eben mit einem zufriedenem Lächeln ein.

Heute morgen waren wir beide so müde und ausgelaugt, dass ich sie kurzerhand nicht in die Kita brachte. Wir kuschelten eine ganze Weile mit meiner Mama auf ihrem großen Bett, sangen, spielten Fingerspiele und lasen Geschichten. Nach beinahe zwei Stunden frühstückten wir, räumten etwas auf, wuschen Wäsche und kuschelten danach wieder auf dem Sofa, auf dem das Krümelmonster dann einschlief und ich trug sie ins Bett. Zu diesem Zeitpunkt war sie bereits den ganzen Vormittag windelfrei, was zur Zeit einfach sehr selten vorkommt. Nach einem wohltuendem Schläfchen für uns beide durfte die Kleene eine ganze Weile in der Wanne planschen. Wir hörten dabei Musik während die Entchen immer wieder ins Wasser eintauchten und uns unsere Katze vom Waschbecken aus schnurrend beobachtete. Das Krümelmonster roch anschließend herrlich nach meinem Kirschduschbad und bestand darauf auch weiterhin ohne Windel rumzulaufen. Bei dem Gedanken daran dass wir ja einkaufen wollten und sicherlich mehr als eine Stunde unterwegs sein würden, wurde mir kurz mulmig zu mute. Doch ich überwand meine Bedenken und beschloss meinem großen Mädchen zu vertrauen, zog ihr normale Unterwäsche statt einer Windel an und wir zogen los.

Die erste Strecke zum Drogeriemarkt saß sie mit ihrer Handtasche im Kinderwagen, blickte müde um sich herum und summte vor sich hin. Im DM wurde sie dann jedoch schlagartig munter, wollte unbedingt aus ihrem Wagen heraus und mit dem kleinen Einkaufswagen durch den Laden sausen. Zu meiner Überraschung rannte sie jedoch nicht davon, tobte nicht als ich kurz ihren eingeschlagenen Kurs korrigierte und lud auch nur ein, was ich ihr gab. Kurzum, ich war begeistert! Auch auf dem Weg zum Lidl blieb sie direkt neben mir, rannte nicht davon, wollte nicht hochgehoben und getragen werden. Sie lief einfach ruhig neben mir her, erzählte mir etwas, schaute an der Straße artig nach links, rechts und wieder links und machte auch beim Bäcker kein Theater, weil es heute keine Brezel gab.

Ich muss ja gestehen, dass mir diese Situation anfing unheimlich zu werden. So ruhig war sie schon seit Wochen nicht mehr und es tat gut sie so zu sehen. Auch im Lidl selbst blieb sie die ganze Zeit nah bei mir und rannte nicht wie sonst quer durch den Laden. Wir trafen auch eine ihrer Kitafreundinnen und plauschten kurz, was sie zum Anlass nahm mir danach von dieser Freundin und der Kita zu erzählen. Und während wir so einkauften gab es auch kein „Maaaamaaaaa, Pudding haben! Kakao! Gummibärchen! Bananaananana! Bebi kaufen!“. Ok, einmal griff sie kurz zum Pudding und einmal zur Schokolade, doch nachdem ich ihr sagte dass sie nur eine Sache mitnehmen durfte, war Ruhe.

Auf dem Rückweg lief sie dann über jede nur ansatzweise begehbare Mauer, lachte fröhliche und erzählte dass sie ihren Pudding mit Oma teilen will. Ihren Pudding, PUDDING! Ok, sie teil ja gerne. Aber dass sie sagt „Pudding Oma geben“, hab ich auch noch nicht erlebt. Indes wollte ich mich langsam wirklich sputen, schließlich waren wir beinahe schon 1 1/2 Stunden unterwegs und ich hatte Angst dass ihr bei der Kälte ein Unfall passieren würde und sie dann mit nassem Unterleib durch die Gegend laufen muss. Doch es geschah einfach nichts. Bis wir zu Hause waren, uns auszogen und sie im Bad geschah blieb alles trocken. Und sowohl das Krümelmonster als auch ich jubelten darüber.

Der Rest des Abends war dann recht unspektakulär und ruhig, doch das Krümelmonster war schon wieder müde und lag kurz nach sieben im Bett, zog ihr Baby aus und schlief sofort ein.

Es kommt auf die kleinen Momente an

Für Außenstehende wirkt das vielleicht alles nicht sehr aufregend, normal oder sogar langweilig, aber nachdem die Kleene Wochen lang total neben sich stand, genießt man so schöne und entspannte Stunden einfach noch viel viel mehr. Und ich war heute einfach ganz dolle Stolz auf sie und ich bin mir sicher, dass sie den Vater heute ein kleines bisschen weniger vermisst hat und keine Angst hatte dass Mama plötzlich verschwindet. Ich bin eh dafür kleine Erfolge viel mehr zu feiern. So schnell wird dass alles selbstverständlich, unbedeutsam und man vergisst sie. Dabei sind so vermeintlich kleine Dinge doch etwas ganz großen für unsere kleinen. Und wenn sie sehen wie wir Eltern uns über sowas freuen, freuen sie die Kids noch mehr und fühlen sich gleich größer, fast wie kleine Helden.

Und heute, so wie an jedem anderen Tag auch, war und ist mein Krümelmonster meine kleine Heldin!

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