Meine Schwangerschaft war eine absolute Überraschung. Und obwohl sie nicht geplant war, haben wir uns sehr darüber gefreut. Ich erinnere mich noch genau an ihre erste spürbare Bewegung, am 19.2.2014. Ich stand unter der Dusche und hab mich für den 30. Geburtstag meines besten Freundes vorbereitet, als ich plötzlich dieses flaue Gefühl im Bauch bekam. Und dann war er da, der erste Tritt. Ganz zaghaft, ganz ruhig und wunderschön. Mir liefen vor lauter Rührung Tränen übers Gesicht und ich freute mich tierisch. An diesem Tag bemerkten auch das erste mal andere mein Babybäuchlein, mir wurde viel gratuliert und ich genoss den ganzen Abend sehr.

Wenige Tage später wurde ich vom Sodbrennen überrannt. Bis Anfang Juni zog sich dieses Dilemma hin und quälte mich. Nichts half dagegen und Milch konnte ich irgendwann auch nicht mehr sehen. Im Juni zog ich dann in meine erste eigene Wohnung. Die Wohnung war in katastrophalem Zustand und musste erst mal komplett renoviert werden. Der Müll der Vermieter raus, den Raucherdreck abgewaschen und Löcher in der Wand verspachtelt werden. Es war so viel Arbeit und für ne Hochschwangere eigentlich nicht das richtige. Aber ich gab Vollgas und wollte meinem Töchterchen ein schönes zu Hause bieten. Mein damaliger Verlobter kam jedes Wochenende und gab sich die größte Mühe mich zu unterstützen und die Renovierung voranzutreiben. Im Nachhinein frage ich mich oft wie wir das damals alles geschafft haben.

Ende Juni feierten wir dann eine Babyparty mit unseren Freunden, lachten viel und genossen die Zeit. Es war herrlich und tat mir wahnsinnig gut. Denn was kaum jemand wusste: mir ging es nicht gut. Ich hatte Schmerzen, große Schmerzen aber meine Ärztin nahm mich nicht ernst. Immer wieder sprach ich mit ihr und bat um Hilfe, aber außer einem „Stellen sie sich nicht so an, sie sind schwanger und nicht krank“ kam nichts zurück. Ich konnte der weilen nicht mehr sitzen, liegen, stehen, laufen und dachte mir immer wieder dass ich sicher nur übertreibe und das ja alle Frauen durchmachen. Aber die Schmerzen wurden immer schlimmer.

Anfang Juli fingen dann die ersten Vorwehen an. Der Bauch wurde steinhart und man sah deutlich die Beinchen meines Krümelmonsters. Sie strampelte viel und stark und verschlimmerte so leider meine Schmerzen immer mehr. Ich fühlte mich elend und kam mir schrecklich schwach vor. Alle anderen Frauen schaffen das doch auch, warum jammerte ich denn ständig? Wieso schlief ich nicht einfach ordentlich? Wieso riss ich mich nicht am Riemen?  Jeder Tag war für mich eine Qual, ich weinte ständig und ertrug die Schmerzen nicht mehr. Ich hatte Angst um mein Kind und wandte mich wieder an meine Ärztin, doch die würdigte mich nur mit einem herablassenden Blick, die jungen Frauen von heute seien so zimperlich, hielten nichts mehr aus, jammerten ständig nur rum. In diesem Moment fiel mir der Tag ein, an dem sie meine Schwangerschaft bestätigte. „Also sie sind schwanger, über der 12. Woche. Da kann man also auch nichts mehr machen“. Ja, das sagte sie genau so zu mir. Meine beste Freundin saß neben mir und ihr fiel die Kinnlade runter. Noch heute können wir beide nicht fassen wie man als Gynäkologin so auf ein entstehendes Kind reagieren kann, egal ob die Mutter 35, oder so wie ich damals, 23 ist.

Zwei Wochen vor dem errechneten Termin besuchte mich Krümelmonsters Papa wieder. Eigentlich wollten wir damals nur meine zwei besten Freunde zum Essen einladen, weshalb ich ihnen schrieb. Aber die Stimmung war angespannt und wir merkten das irgendwas nicht stimme. Sie wollten nicht mit der Sprache rausrücken, also rief ich sie an. Sie weinten, sprachen sehr leise und wollten mir keine Angst machen. Irgendwann gaben sie dann nach: Der Bruder meines bestens Freundes, war am Tag zu vor mit seiner schwangeren Frau ins Krankenhaus gefahren. Wir hatten fast am gleichen Tag ET und hatten schon Pläne für die Zeit nach der Entbindung. Die Fruchtblase war geplatzt, doch aus Gründen die mir bis heute unklar sind, musst das Mädchen per Kaiserschnitt geholt werden. Dabei ging jedoch etwas schief und das Kind wurde tot geboren.

Mich überkam Panik. Ich fing fürchterlich an zu schluchzen und brauchte Stunden um mich zu beruhigen. Mir tat meine Bekannte so furchtbar leid und ich hatte um mein eigenes Kind nur noch mehr Angst. Mittlerweile waren die Schmerzen so schlimm, dass ich mehrere Tage am Stück nicht schlafen konnte. Ich fühlte mich wie in einer Blase, geschockt, verängstigt und machtlos. Ich wusste nicht was ich machen sollte, wie ich mich verhalten sollte. Die Angst, dass sich das furchtbare Ereignis wiederholen würde, wurde jeden Tag größer.

Am Tag des errechneten Entbindungstermins musste ich wieder zu meiner Ärztin. Ich erzählte ihr was passiert war und sie machte sich wieder über meine Angst lustig, meinte ich wäre einfach zu zimperlich und es würde schon alles gut gehen. Meine Mutter war damals mit zur Untersuchung und war geschockt vom Tonfall der Ärztin. Wir beschlossen auf Nummer sicher zu gehen und vereinbarten einen Termin mit der Klinik, in der das Krümelmonster zur Welt kommen sollte. Bereits zwei Tage später, am Samstag den 2.8.14, durfte ich mit meinem Verlobten zur Kontrolle ins Krankenhaus fahren. Und dort wurde ich das erste mal ernst genommen. Die Ärztin hörte mir zu, sah mein blassen Gesicht, sprach auch mit B. und bestellte mich gleich für den nächsten Montag zur Einleitung. Ich hatte das erste mal seit Wochen wieder Hoffnung und konnte den Termin kaum noch erwarten. Ich versuchte meine Hebamme zu erreichen doch kam nicht durch. Leider sah ich die einfühlsame Ärztin danach nie wieder. Ich bin fest davon überzeugt dass die ganze Geburt anders verlaufen wäre, wenn sie da gewesen wäre. Zumindest mir wäre es deutlich besser gegangen.

In der Zwischenzeit hatte sich meine Mutter bei mir einquartiert um im Notfall da zu sein. Sie half mir beim packen meiner Krankenhaustasche und es tat gut sie bei mir zu haben. Am Montag den 4.8.14 brachen wir um kurz nach sieben Uhr morgens auf. B. hielt während der gesamten Fahrt ins Krankenhaus meine Hand, sprach beruhigend auf mich ein und wollte mir die Anspannung nehmen. Mir fiel das Atmen schwer und die Angst kroch mir wieder ins Blut. Ich zitterte und wollte „es“ nur noch hinter mich bringen. Im Krankenhaus mussten wir dann lange, sehr lange warten. Erst im Aufnahmebereich, dann im Kreisssaal und später in einem Untersuchungszimmer bevor wir ans CTG geschlossen wurden. Irgendwann kam ein Arzt in Ausbildung und legte mir einen Zugang für die wehenfördernden Medikamente. Insgesamt brauchte er 7 Versuchen an beiden Händen, bis die Kanüle endlich lag, Ich mache ihm keinen Vorwurf, er war in der Ausbildung, hatte damit kaum Erfahrung und wurde durch jeden Misserfolg nur noch nervöser. Für mich war die ganze Situation trotz jedem Verständnis sehr unangenehm. Meine Hände waren blau und taten weh und der junge Mann entschuldigte sich immer und immer wieder.

Nachdem er uns wieder alleine ließ, lag ich weit über eine Stunde am CTG. Ich bat mehrfach darum mich anders positionieren zu dürfen, da ich vor allem auf der rechten Seite extreme Schmerzen hatte. Mir wurde diese Bitte immer wieder verwehrt, denn das Gerät stand nun mal dort und die Kabel wären zu kurz um damit ich mich anders hinlegen könne. Ich fing wieder an zu zittern und mir wurde schwindlig. Mittlerweile war es fast 11 Uhr, ich war seit 4 Stunden unterwegs und bekam großen Hunger. Auf mehrfache Nachfrage durfte ich dann gegen halb 12 Uhr endlich in mein Zimmer. Auf Station hieß es dann doch wieder warten. Im Aufenthaltsraum der Patienten saß ich fast eine halbe Stunde, bevor ich etwas essen konnte. Insgesamt brauchten die Schwestern jedoch 3 Anläufe um mir das richtige, vorbestellte Essen zu bringen. Die ersten zwei Tabletts waren bereits benutzt worden und leer gegessen und so mussten die Damen erst mal herausfinden, wo denn mein Essen abgeblieben war. Kann passieren, sie sind ja auch nur Menschen.

Das Essen war nicht gut und es war fast kalt, aber es machte satt. Direkt nach dem Essen wurde ich wieder in den Kreisssaal geschickt und man hängte mich wieder ans CTG. Bis zum Abend ging das so weiter. Ich wurde nicht untersucht, saß die meiste Zeit alleine in einem Raum und versuchte die schmerzen auf der Seite wegzuatmen. Irgendwann am späten Abend durfte ich dann zu Bett gehen. Mein Verlobter war bereits auf dem Heimweg, denn auch er war erschöpft und müde. Und so lag ich alleine in meinem Bett und weinte, bis ich irgendwann endlich einschlief. Gegen 23 Uhr wurde ich wieder wach, wieder von Schmerzen. Doch diesmal waren es andere Schmerzen, im Unterleib sitzend und stark: ich hatte meine ersten Wehen. Endlich wirkten die wehenfördernden Medikamente und ich hoffte, dass es nun endlich losginge. Ich rief die Schwester und wurde umgehend in den Kreisssaal geschickt, zu Fuß. Gekrümmt und zittern lief ich den Korridor entlang. Die Hebamme nahm ich in Empfang, brachte mich in einen kleinen Raum, schloss mich ans CTG an und ging. Und ich war wieder alleine und dann kam die Panik. Ich hatte nur noch das Bild meiner Bekannten im Kopf, wie sie liebevoll ihren Bauch streichelte. Ich lag wieder auf der rechten Seite und versuchte die Schmerzen und die Wehen wegzuatmen, rief nach der Hebamme. Sie versuchte mich zu beruhigen und ich musste mich übergeben. Ich wollte ihr erklären was los ist, wieso ich solche Angst hatte, warum ich nicht auf der rechten Seite liegen konnte aber sie hörte mir nicht zu. Sie gab mir etwas zur Beruhigung und ging. Draußen auf dem Flur hörte ich ihre Stimme. Irgendwas von hysterisches Mädchen und das man sich wohl denkt ein Kind wäre ein Modeaccessoir.  Mir taten ihre Worte weh, ich wollte nicht hysterisch sein, ich wollte das man mir zuhört. Mir wurde schwarz vor Augen…

Eine Stunde später wurde ich wieder auf Station geschickt, ohne Wehen. Ich hatte mehrfach darum gebeten B. anzurufen, allerdings verwechselte jemand bei der Aufnahme die Nummer weshalb man mich anrief, nicht ihn. Gegen 3 Uhr morgens kamen die Wehen zurück.Wieder in den Kreisssaal, wieder blass und ängstlich, wieder der Versuch mich zu erklären. Man steckte mich in die Badewanne, zur Entspannung. Man rief B. an, diesmal auf der richtigen Nummer. Irgendwann gegen 6 Uhr morgens kam er, mit meiner Mama im Schlepptau. Ich durfte frühstücken, bekam aber kaum etwas runter. Um 8 Uhr bekam ich die nächste Dosis und hing wieder am CTG. Ich zitterte vor Schmerz und Erschöpfung und wusste nicht mehr weiter. B. und meine Mutter erkannten mich nicht wieder, machten sich große Sorgen und sprachen auf die Hebammen ein, mir doch zuzuhören. Nach einer halben Stunde Diskussion durfte ich mich auf die andere Seite legen und schlief endlich ein, aber nicht lange. Ständig weckten mich die Schmerzen auf, piesackten mich, schossen mir wieder Tränen in die Augen. Ich musste mich übergeben und wurde auf Station geschickt.

Gegen 14 Uhr ging es mir so schlecht, dass ich nur noch weinte und flehte. Ich wusste nicht was ich tun konnte um endlich Gehör zu finden, um endlich ernst genommen zu werden.  Ich fühlte mich entmündigt, wie ein kleines bockiges Kind dem keiner zuhören will. Ich wurde wieder in den Kreisssaal gebracht, wieder ans CTG gehängt und sowohl B. als auch meine Mutter bat ich kurz rauszugehen. Sie waren beide seit Stunden da und ich wollte dass sie sich kurz die Beine vertreten konnten. Sie gingen eine rauchen. Den ganzen Vormittag hatte sie darauf verzichtet, obwohl beide starke Raucher sind. Kurz nachdem sie weg waren, überschlugen sich die Dinge. Das CTG piepste laut, es fand keine Herztöne mehr, ich bekam wieder einen Panikanfall und schrie um Hilfe, drückte immer und immer wieder den blöden Rufknopf. Es fühlte sich an wie eine Ewigkeit bis endlich jemand kam. Die Hebamme sah ernst aus, setzte mich in einen Rollstuhl und fuhr mich in den nächsten freien Entbindungsraum. Ich schrie. Ich schrie um Hilfe, nach B. nach meiner Mama. Der Rollstuhl tat mir weh, engte mich ein und ich bettelte nach einem KS. Ich habe mir immer eine natürliche Geburt gewünscht, aber ich war einfach fix und fertig. Ich fragte mich wo ich die Kraft zum pressen hernehmen sollte, hatte Angst dass es meinem kleinem Schatz nicht mehr gut ginge, dass irgendwas nicht stimmte.

Ich lag da, schrie, weinte, fragte mich wo B. blieb und zitterte am ganzen Leib. Niemand kam, ich lag da ganz alleine und verzweifelte nur noch. Irgendwann, nach einer gefühlten Ewigkeit, kam eine große Frau rein. Sie sah ernst aus und hatte B. und Mama im Schlepptau. Sie setzte sich zu mir, nahm meine Hand und zeigte mir wie ich atmen sollte. „Beruhig dich Mädchen und erzähl mir was los ist“. Das erste mal seit Monaten fühlte ich mich ernst genommen, das erste mal hörte mir jemand zu. Und ich beruhigte mich etwas. Ich hörte das Piepen das CTGs, sah dass ich wieder am Gerät hing. Meinem Kind ging es gut, also redete ich. Mir liefen die Tränen übers Gesicht und der Blick der Frau wurde immer ernster. Sie rollte mich auf die Seite und schaltete das Ultraschallgerät ein. Sie untersuchte aber nicht meinen Bauch, sondern meine Seite. Sie sah ernst aus und erklärte mir, dass ich wohl eine gestaute Niere hätte und ob ich das meiner Gynäkologin nicht gesagt habe, man hätte das Kind schon früher holen sollen und es sei kein Wunder das es mir so dreckig ging. Sie wollte mir eine PDA legen und schlug mir einen Deal vor: PDA legen, ausruhen und auf der anderen Seite lagern. Wenn es nicht besser wird: Kaiserschnitt.

Deal. Ich bekam meine PDA, durfte fortan nur noch auf der linken Seite liegen und es ging langsam bergauf. Doch das Krümelmonster war wild und strampelte heftig. Sie wollte raus doch die Wehen waren noch nicht stark genug. Ich wusste endlich wieso es mir so schlecht ging, ich bekam endlich Hilfe. Ich hoffte und freute mich endlich wieder auf die bevorstehende Geburt.

Doch die PDA half nicht lange. Die Wehen spürte ich kaum, doch die Niere schmerzte nach wie vor. Die Schmerzen wurden am späten Nachmittag wieder schlimmer. Ich musste mich ständig übergeben und wand mich im Bett hin und her. Mir wurde immer wieder schwarz vor Augen, ich wurde mehrfach kurz ohnmächtig und B. rannte immer wieder nach draußen und suchte die Ärztin die mir so geholfen hatte. Mama saß neben mir, hielt meine Hand und versuchte mich zu beruhigen. Dann kam der Anästhesist. Er sollte mir Schmerzmittel geben, er stand da, sah mich an, beobachtete wie ich gerade aus einer Ohnmacht wiederkehrte und schüttelte nur mit dem Kopf und meinte, dass meine Schmerzen ja nicht so schlimm sein können wenn ich ein Nickerchen machen kann. Ich wünsche mir heute noch dass ich in diesem Moment meine Beine gespürt hätte, der Kerl hätte eine gefangen. Ich bin kein Fan von Gewalt aber dieser unsensible Spruch war einfach zu viel. Ich habe diesen Arzt nur in diesen paar Minuten gesehen. Davor nicht und auch danach nie wieder. Er hatte also keine Ahnung wie ich mich seit Tagen quälte, was wirklich los war aber erlaubte sich solche Sprüche. Ich war sauer, richtig sauer.

Mittlerweile war es fast 21 Uhr und meine Hebamme untersuchte mich noch mal. Der Muttermund war zwar offen, aber nicht weit genug. Die Wehen waren stark, aber eben nicht stark genug. Sie ging raus, wollte nur etwas trinken und gleich wieder kommen. Ich streichelte meinen Bauch, sprach mit meinem Baby, flüsterte ihr zu dass wir beide noch mal stark sein müssen und ob sie nicht rauskommen will. B. nahm mich in den Arm, hielt mich fest. Er war blass, machte sich Sorgen, er war ebenso erschöpft. Er sah auf die Uhr, es war 21:07 Uhr. Und dann drückte sich das Krümelmonster durch den Muttermund. Mit voller Wucht und so stark, dass ich nur noch pressen konnte. B. rannte, suchte die Hebamme, Mama atmete neben mir, wollte mir sagen was ich zu tun hatte. Aber ich presste nur wie besessen, brachte all meine Kraft auf. Ich wollte es schaffen, beweisen dass ich kein hysterisches kleines Mädchen bin. Meine ganze Wut und Enttäuschung kam hoch und ich presste wie wild. Als endlich die ungläubige Hebamme ankam, diskutierte sie erst mal dass das Kind unmöglich schon so weit sein konnte, bis sie vor mir stand und den Kopf sah. B. hielt meine Hand, Mama jubelte und dann war sie endlich da, mein Krümelmonster. Um 21.14 Uhr hielt ich sie endlich im Arm.

Ich hab auch in den darauffolgenden zwei Tagen fast niemanden zu Gesicht bekommen, ich hatte niemanden den ich etwas fragen konnte, der mir beim Anlegen half. Wenn dann doch mal eine Schwester vorbei kam, wurde ich auf später vertröstet oder es hieß dass ich mich einfach anstellen würde. Das Essen im Krankenhaus entsprach leider jeglichem Klischee. Ich bin heute noch sehr dankbar für meine Freunde, die mir Bananen und Milchreis brachten auf den ich so großen Appetit hatte. Meine Niere hat sich rasch erholt und ich hab auch keine Probleme mehr damit, aber damals hätte meine Ärztin meine Beschwerden nicht abtun dürfen. Sie hätte mich ernst nehmen müssen, sie hätte nicht über mich urteilen dürfen nur weil ich jung bin und das mein erstes Kind war. Auch die Damen und Herren im Krankenhaus haben mich nur in eine Schublade gesteckt. Ich weiß aus eigener Erfahrung wie schwer der Beruf ist, aber ich hätte nie im Leben jemanden so betitelt oder verurteilt. Ich bin der Ärztin die mich ernst nahm sehr dankbar. Lange Zeit war ich mir sicher dass ich nach dieser Geburt kein Kind mehr möchte. Aber an jedem Tag an dem mein Töchterchen um mich rumspringt, mich umarmt und küsst und mir sagt dass es mich liebt, merke ich, dass da noch mehr Liebe ist die ich gerne irgendwann verschenken würde.

 

 

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