Ich liebe es Mutter zu sein, jeden einzelnen Tag aufs neue. Ich liebe es, neben meiner Tochter einzuschlafen und wieder aufzuwachen. Ich liebe es, mit ihr zusammen zu kochen, Kekse zu backen, zu kuscheln, zu kneten, die Welt zu entdecken, Bücher zu lesen, Filme zu schauen, zu baden, zu tanzen…. es ist das wunderbarste, dass mir je passierte.

Was ich nicht liebe, ist die Selbstverständlichkeit mit der man als Mutter alles tun soll. Ich rede nicht davon mein Kind zu versorgen, mich mit ihr zu beschäftigen, sie gesund zu pflegen. Ich rede davon, dass man davon ausgeht dass es meine Aufgabe ist ALLES zu tun. Dinge zu organisieren, ihr Sachen zu kaufen, sie zu „erziehen“, mit ihr zum Friseur zu gehen, ihr Dinge beizubringen, mit ihr zu kneten, mir zu überlegen was man ihr zum Geburtstag/Weihnachten/Ostern schenken könnte, immer alles abzusagen (auch meine Dienste) wenn sich etwas ändert und sie betreut werden muss. Sie wohnt bei mir und ich gelte wohl als gemeinhin bekannt als „alleinerziehend“. Aber ich hasse diesen Begriff. Denn für mich würde dies bedeuten, dass es nur mich gibt. Keinen Vater, keine Großeltern, keine Tanten und Onkel. Doch die gibt es, zuhauf. Auch gute Freunde von mir, die für sie immer da wären wenn sie sie bräuchte. Also, wieso nennt man mich dann alleinerziehend?

Was ich auch nicht verstehe: wieso gilt es als selbstverständlich dass ich alles alleine regel, weil ich die Mutter bin? Ich weiß, das hört sich wahrscheinlich wahnsinnig frustriert an. Und ganz ehrlich? Manchmal bin ich das auch. Manchmal, eigentlich recht oft, wünsche ich mir mehr Unterstützung und das man es eben nicht als selbstverständlich ansieht, dass ich tue was ich tue.

Ich bin kein Fan von den „klassischen Geschlechterrollen“. Im Gegenteil, ich finde sie ziemlich affig. Ich will meinem Kind nicht vorleben das man als Frau den Haushalt schmeißt und alles regelt was eben mit der Familie zu tun hat und der Mann arbeiten geht und ab und an mal etwas repariert. Aber genau das wird von mir und den Frauen im Allgemeinen erwartet. Es ist egal um welchen Bereich es geht, es heißt immer: „Du bist ja die Mama, du machst das schon!“ Zum Beispiel auf Familienfeiern: Alle sitzen gemütlich zusammen, plauschen, lachen. Die Kinder spielen in der Mitte des Raumes. Plötzlich sitzt die Kleene da und guckt ganz konzentriert. „Ohoh, ich glaube da macht gerade jemand einen Stinker. Geh doch mal zur Mama, die macht dich sauber“ Szenenwechsel: Man sitzt zu dritt auf dem Spielplatz, die Kleene spielt mit anderen Kindern. Eine Mutter bemerkt dass das Monsterchen eine Schniefnase hat. „Wo ist denn deine Mama? Die muss dir mal die Nase putzen!“ Im Schwimmbad: Man planscht gemütlich mit der ganzen Familie, das Kind wird langsam müde. „Mama trocknet dich mal ab und zieht dir etwas an.“

Und es ist eigentlich egal um welche Situation es geht, es heißt immer: Mama macht das schon! Und warum? Warum heißt es nicht mal: Papa macht das jetzt mal! Und ich sage es noch mal in aller Deutlichkeit: Ich bin gerne Mutter! Ich putze ihr auch hundertmal am Tag die Nase, helfe ihr auf die Toilette zu gehen, koche, putzen, spiele, bastle, male, knete, tobe, renne, kaufe Eis… ich mach alles! Aber warum ist das für jeden selbstverständlich dass das immer ich, also die Mutter macht? Wieso ist es nicht selbstverständlich, dass der Papa das tut? Und mal weiter gedacht: wieso ist es für so viele nicht selbstverständlich dass der Papa auch alles andere macht? Warum muss denn die Mama die Tasche für den Spielplatz packen? Oder das Essen vorbereiten wenn sie mal abends ausgeht? Oder den Kuchen für den Schulbasar backt? Neue Windeln kauft? Mit dem Kind zum Friseur geht? Die Windel wechselt? Termine im Blick hat? Geburtstagsgeschenke kauft?

Als Begründung kommt darauf immer wieder: Das machen Mütter nun mal so. Das ist die Aufgabe einer Mutter. Aha. Und warum? Na weil das eben so ist und schon immer war. Und wir wissen ja alle, dass alles was „schon immer so war“ IMMER auch genau so richtig ist. Mir wird dann auch gerne gesagt, dass ich mir das ja hätte vorher überlegen können, wenn ich mit meiner Mutterrolle nicht zufrieden bin. Denn man darf ja nicht vergessen: Eine Mutter jammert nicht, leidet nicht, sagt nicht dass sie müde/kaputt/traurig/vernachlässigt/überfordert….ist. Das macht man eben nicht als Mutter. Man hat sich das ja so ausgesucht. Nö, habe ich nicht. Ich habe es mir ausgesucht ein Kind zu bekommen, es aufzuziehen, es zu lieben, mich um es zu kümmern, ihm den Weg in ein schönes Leben zu ebnen und es glücklich aufzuziehen. Ich habe mir nicht ausgesucht, dass ich für alles verantwortlich bin und der Vater somit immer und in jedem Fall fein raus ist. Auch nicht, dass ich immer und für alle der Depp bin wenn das Kind mal nicht so „funktioniert“ wie es sich andere wünschen.

Wie sich der Papa in Wahrheit verhält, ist übrigens kein Bestandteil dieses Textes. Es geht mir hier um das Bild das die Gesellschaft von einer Mutter hat. Und das nervt mich und zwar gewaltig. Ich treffe jeden Tag darauf, immer und immer wieder. Und für mich ist die Tatsache, dass sich mehr Frauen Elternzeit nehmen und danach auch gerne noch zu Hause bleiben, übrigens kein Grund warum die Mutter alles machen sollte. Denn, wieso teilt man sich das nicht auch auf? Warum bleibt der Papa nicht auch ein paar Monate zu Hause? Wieso reduziert er nicht auch die Stunden, so dass die Betreuung der Kinder, so wie alles andere auch, gerecht zwischen beiden aufgeteilt werden kann? Würde das nicht viel mehr Sinn machen? Mir ist klar dass dabei auch der Chef mitspielen muss, aber man kann doch mal darüber reden, es wenigstens versuchen.

Ich wünsche mir dass sich das endlich ändert, dass es bald nicht mehr heißt: Mama macht das schon! Sondern dass es lautet: Wir machen das zusammen! Wir finden eine Lösung! Wir kümmern uns darum!

Eure Gunzlinger Mum

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2 Gedanken zu “Mama macht das schon!

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