Angst ist etwas, dass mich schon mein Leben lang begleitet. Ich habe vor vielen Dingen Angst, oft ist es einfach nur albern dass ich mich vor so banalen Sachen fürchte und das ist mir vollkommen klar, aber diese Angst ist da und irgendwie kann ich sie nicht ablegen. Und weil ich in letzter Zeit oft mit meinen Ängsten konfrontiert wurde, will ich sie mir heute einfach mal von der Seele schreiben.

Unverschlossene Türen/ Vollmond: Wo da der Zusammenhang besteht? Darin, dass mir die Kombination mal fast zum Verhängnis geworden wäre. Als ich noch eine Grundschülerin war hatten wir eigentlich in jedem Winter Schnee. Ich liebte es und freute mich wie wohl jedes Kind über die weiße Pracht. Eines Nachts, ich war etwa 8 Jahre alt, fiel besonders viel Schnee und es war einige Grade unter null. Ich erinnere mich nicht mehr an viel, nur das ich in dieser Nacht einen Traum hatte der mich wohl sehr bewegte. Irgendwas hatte mich aufgewühlt und das veranlasste mich wohl dazu aus meinem Bett auszusteigen und durch die Wohnung zu wandern – während ich schlief. Während ich wandelte öffnete ich die Tür zu dem Schlafzimmer meiner Mutter und danach die Wohnungstür. Wir schlossen früher nie die Tür ab, man kannte ja die Nachbarn und vertraute sich. Also ging ich vom Erdgeschoss die Treppe hinab zur Haustür und hinaus in den Schnee. Ich lief am Haus entlang, man konnte noch am nächsten Morgen meine kleinen Fußabdrücke gut erkennen, bevor ich irgendwann vor Kälte erwachte und Panik bekam. Ich hatte keine Ahnung wie ich dort hin kam und schrie und weinte bitterlich. Ich klingelte eine gefühlte Ewigkeit und schrie nach meiner Mutter, die ja friedlich im Bett schlief. Irgendwann wurde sie davon wach und wollte sehen welches Kind da draußen solchen Radau veranstaltete, als sie bemerkte das meine Zimmertür offen und mein Bett leer war.

Ich hatte danach eine schlimme Erkältung und konnte lange nicht alleine schlafen und dann auch nur wenn die Haustür verschlossen und verriegelt war und alle Türen in der Wohnung zu waren. Noch heute steckt der Schlüssel immer im Schloss und die Tür ist verschlossen, die Türen in der ganzen Wohnung sind zu und an Vollmond kann ich fast gar nicht schlafen. Und wenn ich einschlafe, habe ich furchtbare Albträume. Es geht so weit dass ich nicht einschlafen kann wenn ich im Bett liege obwohl ich nicht weiß dass die Tür zu ist, ich hab das dann einfach im Gefühl und stehe automatisch auf um nachzusehen ob der Schlüssel zwei mal umgedreht ist. Zu dem habe ich in öffentlichen Gebäuden ein mulmiges Gefühl wenn ich an einer offenen Tür vorbei gehen muss. Wenn ich mit meinem Kind unterwegs bin versuche ich das auszuschalten, wenn ich alleine an solch einer Tür vorbei laufe, kann es durchaus passieren dass ich meinen Gang verlangsame und erst mal langsam in den Raum hineinschaue um sicher zu gehen dass mir nichts passieren kann. In Vollmondnächten fühle ich mich zu dem äußert unwohl und ich gehe auch nach Einbruch der Dunkelheit nicht mehr aus dem Haus. Und so sehr ich den Anblick des Mondes auch liebe, so sehr gruselt es mich davor und ich versuche es zu vermeiden in anzusehen.

Wasser: Ich rede hier freilich nicht von dem normalen Wasser das ich zum duschen, abwaschen, wischen oder kochen brauche, ich rede von natürlichen Gewässern wie Flüssen, Seen und Meeren und vor allem Brunnen und Kanälen. Als ich noch ganz klein war fuhr ich mit meiner Mutter und meiner Schwester nach Polen in den Urlaub. Ich war noch so jung dass ich mich kaum noch daran erinnern kann. Mir blieb nur eine bestimmte Szene im Gedächtnis: Meine Mama litt bereits damals schon an Depressionen und brauchte deshalb manchmal ein paar Minuten für sich. Da meine Schwester 14 Jahre älter ist als ich, passte sie dann öfter mal auf mich auf. So auch an diesem Tag, als meine Mama sich ganz kurz hinlegen wollte. Meine Schwester und ich spielten im Innenhof des Hotels als meine Mutter aus dem Fenster des Hotelzimmer runter rief, meine Schwester solle meinen Sonnenhut holen. Da ich gerade mit anderen Kindern beschäftigt war, bat sie eine andere Mutter kurz auf mich Acht zu geben. Sie ging also nach oben und holte den Hut. Währenddessen beobachtete ich ältere Kinder, die mit Schiffchen am niedrigen Zierbrunnen spielten. Sie hatten auch ein paar Plastikflaschen zerschnitten und Boote daraus gebaut. ich setzte mich auf den Rand des Brunnen und wollte mit ihnen spielen, aber sie waren deutlich älter und ignorierten mich. Eins der Plastikflaschenschiffchen fuhr an mir vorbei, so nah dass ich es hätte greifen können. Also beugte ich mich vor und griff danach. Es kam wie es kommen musste, ich verlor das Gleichgewicht und fiel ins Wasser. Der Brunnen war nicht tief aber sehr rutschig und ich bekam einfach keinen Halt um mich hinzustellen. Ich tauchte immer wieder auf und schrie um Hilfe, aber niemand kam. Ein paar Leute sahen mich böse an weil ich so laut war, aber niemand schien zu bemerken dass ich nicht spielte. Ich geriet mit dem Kopf immer wieder unter Wasser, schluckte es und meine Angst wuchs. Meine Schwester war nur wenige Minuten weg und kam rechtzeitig um mich aus dem Brunnen zu ziehen. Sie weinte und schrie die Leute, vor allem die Frau die sie gebeten hatte auf mich zu schauen, an wieso sie mir nicht geholfen hatten und brachte mich zu unserer Mutter.

Ich kann bis heute in einem See nicht weit schwimmen und fühle mich an Brunnen extrem unwohl. Es ist als würde mich etwas hineinziehen und ich merke Panik in mir aufsteigen. An Kanälen ist es sogar noch schlimmer. Wenn dann noch das Krümelmonster am Brunnen planschen will, könnte ich jedes mal durchdrehen.

 

Das war Teil 1 meine kleinen Serie zum Thema Angst. Ich finde es absolut nicht schlimm sich zu ängstigen, ich finde es nur furchtbar wenn man dafür ausgelacht wird und man dargestellt wird als wäre man ein kleines Kind das man nicht ernst nehmen kann. Morgen gibt es dann Teil 2.

Euch noch einen schönen Abend

The Gunzlinger Mum

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2 Gedanken zu “Angst Teil 1

  1. Ich kann das sehr gut verstehen. Auch wenn meine Ängste ja generalisiert sind, ich also keine Angst vor Bestimmtem, dann wieder vor allem Angst habe, kann ich nachempfinden wie es Dir in dem Moment geht. Nein, man muss ich wegen seinen Ängsten nicht schämen und ich finde es immer traurig wenn andere darüber lachen. Ich drücke Dich mal ganz lieb aus der Ferne. Liebe Grüße, Nicole.

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  2. Dass ich auch ein Problem mit Türen habe weißt du ja schon. Gestern las ich da einen interessanten Tipp. Wenn man die Tür abgeschlossen hat, soll man etwas sehr ungewöhnliches tun. Sich beispielsweise 3x an die Nase tippen und anschließend im Kreis drehen. Wenn man Abends im Bett liegt, soll es einem leichter fallen sich daran zu erinnern ob man sich schon „angetippt“ hat. Vielleicht wäre das mal einen Versuch wert. 🙂

    Vor Wasser habe ich auch Angst. Also ich liebe Flüsse, Teiche, Seen. Beim Meer hört es aber schon auf. Wobei ich das Meer und seine Bewohner an sich sehr faszinierend finde. Trotzdem ist es mir suspekt. Mich würden keine 10 Pferde AUF eine Wasseroberfläche bekommen. Vom sicheren Ufer aus kann ich das aber durchaus genießen.

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