Du liegst da und dein Anblick macht mir Angst. Ich erkenne dich kaum wieder, weiß nicht wie ich mit der Situation, mit diesem Bild von dir umgehen soll. Meine Schwester ist ruhiger, sie hat das alles schon einmal erlebt. Ich halte deine Hand, ich fühle mich beschissen und kann durch den Schleier meiner Tränen kaum etwas sehen. Die Pflegerin versucht zu erklären was passiert ist, was nun gerade passiert. Der Arzt hatte mir das alles schon am Telefon gesagt, ich weiß was los ist und ich verstehe kaum ein Wort. Ich klammere mich an deine Hand, dein Puls wird schneller, du merkst dass ich da bin. Nach höchstens zwei Minuten stürme ich raus, ich ertrage die Situation nicht. Zu groß ist die Angst dich zu verlieren, nie wieder deine Stimme zu hören. Wir fahren nach Hause, ich weiß nicht was ich tun soll, fühle mich so furchtbar leer…

L ist bei ihrem Papa, ein ganz reguläres Papa Wochenende. Ich bin froh drum, auch wenn sie mir sehr fehlt. Am Nachmittag kommt auch meine zweite Schwester, väterlicherseits. Es herrscht große Wiedersehensfreude, was mich kurzzeitig aufmuntert. Abends bin ich unruhig und wir fahren noch an einen See. Der Ausflug tut mir gut, doch auf dem Heimweg bricht alles über mich hinein. Der Schmerz, die Angst, Erinnerungen…

Am nächsten Tag bin ich alleine, liege fast den ganzen Tag im Bett, weiß nichts mit mir anzufangen. Am frühen Nachmittag zwinge ich mich zum Krankenhaus zu gehen, doch ich breche davor weinend zusammen. Ich kann es nicht, schaffe es nicht rein. Ich gehe wieder Heim, voller Schuldgefühle und mit Tränen verschmiertem Gesicht. Ich ziehe mir wieder meine Schlafsachen an, verkrümel mich aufs Sofa. Gegen 5 Uhr kommt L Heim, ich versuche ihr zu erklären das Oma nicht mehr Heim kommt, sehr krank ist und im Krankenhaus bleiben muss. Sie weint, kuschelt sich an mich, klammert sich an mich. Wir essen etwas und kuscheln uns aufs Sofa, schauen eine ihrer Lieblingsserien, das beruhigt uns beide. Ich bleibe fast die ganze Nacht wach, traue mich nicht zu schlafen.

Irgendwann gegen 5 Uhr morgens kuschel ich mich an L, schaffe es 3 Stunden Traumlos zu schlafen. Als ich aufstehe will ich nicht wieder den ganzen Tag leiden, schon alleine wegen L nicht. Wir beschließen zu IKEA zu fahren, 3 Gutscheine einlösen. Wir haben eine unbeschwerte Zeit, lachen viel, quatschen während L im Kinderland tobt. Wir fahren wieder nach Hause und der unbeschwerte Tag gab mir genug Kraft um mich abends in Krankenhaus zu wagen. Ich stehe eine gute Viertelstunde neben dir, halte deine Hand, Küsse dein Gesicht und deine Finger und erzähle dir wie sehr dich L vermisst, dass wir alle in Gedanken bei dir sind, auf das beste Hoffen. Du reagierst wieder, deine Finger zucken und dein Puls wird etwas schneller. Ich massiere ein Öl in die Haut deines Gesichts, dass du immer gerne mochtest. Ich muss wieder die ganze Zeit weinen, aber ich bleibe stark und halte lange durch. Ich wische mir die Tränen aus dem Gesicht und kehre zu L und meiner Schwester zurück. Wir gehen ein Eis essen, versuchen den Tag schön ausklingen zu lassen. Zu Hause geht L ins Bett und schläft sofort ein, während mir auf dem Sofa die Augen zu fallen. L wird wieder wach, ich lege mich zu ihr und sie schläft nach kürzester Zeit wieder ein. Ich bekomme eine WA Nachricht von einer unbekannten Nummer, es ist die Frau meines Bruders. Wir haben fast gar keinen Kontakt, doch das darauffolgende Telefonat tut mir gut, baut mich auf. Der Anruf bedeutet mir so viel. Direkt danach schreibe ich mit meinem anderen Bruder, seine Antwort berührt mich zu tiefst.

Mir fällt es schwer das alles zu ordnen, erlebe alles wie in einer Blase. Niemand weiß wie es ausgehen wird und der Arzt will keine Prognose machen. Wahrscheinlich weil er sieht wie beschissen es mir geht. Aber ich bin nicht alleine. So einsam ich mich auch manchmal fühle, gerade tue ich es absolut nicht. So viele Menschen stehen gerade an meiner Seite, schicken mir Kraft und hoffnungsvolle Worte. Es tut mir gut, auch wenn ich große Angst vor der Zukunft habe. Wir kämpfen weiter, wir geben nicht auf. Schon gar nicht die Hoffnung.

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