Hoffnung und Angst

Du liegst da und dein Anblick macht mir Angst. Ich erkenne dich kaum wieder, weiß nicht wie ich mit der Situation, mit diesem Bild von dir umgehen soll. Meine Schwester ist ruhiger, sie hat das alles schon einmal erlebt. Ich halte deine Hand, ich fühle mich beschissen und kann durch den Schleier meiner Tränen kaum etwas sehen. Die Pflegerin versucht zu erklären was passiert ist, was nun gerade passiert. Der Arzt hatte mir das alles schon am Telefon gesagt, ich weiß was los ist und ich verstehe kaum ein Wort. Ich klammere mich an deine Hand, dein Puls wird schneller, du merkst dass ich da bin. Nach höchstens zwei Minuten stürme ich raus, ich ertrage die Situation nicht. Zu groß ist die Angst dich zu verlieren, nie wieder deine Stimme zu hören. Wir fahren nach Hause, ich weiß nicht was ich tun soll, fühle mich so furchtbar leer…

L ist bei ihrem Papa, ein ganz reguläres Papa Wochenende. Ich bin froh drum, auch wenn sie mir sehr fehlt. Am Nachmittag kommt auch meine zweite Schwester, väterlicherseits. Es herrscht große Wiedersehensfreude, was mich kurzzeitig aufmuntert. Abends bin ich unruhig und wir fahren noch an einen See. Der Ausflug tut mir gut, doch auf dem Heimweg bricht alles über mich hinein. Der Schmerz, die Angst, Erinnerungen…

Am nächsten Tag bin ich alleine, liege fast den ganzen Tag im Bett, weiß nichts mit mir anzufangen. Am frühen Nachmittag zwinge ich mich zum Krankenhaus zu gehen, doch ich breche davor weinend zusammen. Ich kann es nicht, schaffe es nicht rein. Ich gehe wieder Heim, voller Schuldgefühle und mit Tränen verschmiertem Gesicht. Ich ziehe mir wieder meine Schlafsachen an, verkrümel mich aufs Sofa. Gegen 5 Uhr kommt L Heim, ich versuche ihr zu erklären das Oma nicht mehr Heim kommt, sehr krank ist und im Krankenhaus bleiben muss. Sie weint, kuschelt sich an mich, klammert sich an mich. Wir essen etwas und kuscheln uns aufs Sofa, schauen eine ihrer Lieblingsserien, das beruhigt uns beide. Ich bleibe fast die ganze Nacht wach, traue mich nicht zu schlafen.

Irgendwann gegen 5 Uhr morgens kuschel ich mich an L, schaffe es 3 Stunden Traumlos zu schlafen. Als ich aufstehe will ich nicht wieder den ganzen Tag leiden, schon alleine wegen L nicht. Wir beschließen zu IKEA zu fahren, 3 Gutscheine einlösen. Wir haben eine unbeschwerte Zeit, lachen viel, quatschen während L im Kinderland tobt. Wir fahren wieder nach Hause und der unbeschwerte Tag gab mir genug Kraft um mich abends in Krankenhaus zu wagen. Ich stehe eine gute Viertelstunde neben dir, halte deine Hand, Küsse dein Gesicht und deine Finger und erzähle dir wie sehr dich L vermisst, dass wir alle in Gedanken bei dir sind, auf das beste Hoffen. Du reagierst wieder, deine Finger zucken und dein Puls wird etwas schneller. Ich massiere ein Öl in die Haut deines Gesichts, dass du immer gerne mochtest. Ich muss wieder die ganze Zeit weinen, aber ich bleibe stark und halte lange durch. Ich wische mir die Tränen aus dem Gesicht und kehre zu L und meiner Schwester zurück. Wir gehen ein Eis essen, versuchen den Tag schön ausklingen zu lassen. Zu Hause geht L ins Bett und schläft sofort ein, während mir auf dem Sofa die Augen zu fallen. L wird wieder wach, ich lege mich zu ihr und sie schläft nach kürzester Zeit wieder ein. Ich bekomme eine WA Nachricht von einer unbekannten Nummer, es ist die Frau meines Bruders. Wir haben fast gar keinen Kontakt, doch das darauffolgende Telefonat tut mir gut, baut mich auf. Der Anruf bedeutet mir so viel. Direkt danach schreibe ich mit meinem anderen Bruder, seine Antwort berührt mich zu tiefst.

Mir fällt es schwer das alles zu ordnen, erlebe alles wie in einer Blase. Niemand weiß wie es ausgehen wird und der Arzt will keine Prognose machen. Wahrscheinlich weil er sieht wie beschissen es mir geht. Aber ich bin nicht alleine. So einsam ich mich auch manchmal fühle, gerade tue ich es absolut nicht. So viele Menschen stehen gerade an meiner Seite, schicken mir Kraft und hoffnungsvolle Worte. Es tut mir gut, auch wenn ich große Angst vor der Zukunft habe. Wir kämpfen weiter, wir geben nicht auf. Schon gar nicht die Hoffnung.

„Da kann man auch mal danke sagen“

Ich schrieb ja schon einmal darüber, wie es als alleinerziehende Mama in Onlineportalen so ist. Und auch damals war ich von manchen Sprüchen und Unterstellungen ziemlich genervt. Leider ist es damit noch nicht getan. Denn ein Spruch, der mir beinahe täglich per Mail um die Ohren gehauen wird, ist folgender: „Da kann man auch mal danke sagen!“ Prinzipiell ist es ja wirklich so, dass man sich bedankt wenn man zB Hilfe oder etwas geschenkt bekommt, darum geht es aber gerade nicht.

Es geht um Leute die mich anschreiben und mich ungebeten mit Komplimenten „überschütten“. „Wow, du bist ja eine richtige Traumfrau!“ oder „Du bist ja ne Schönheit!“ oder „Du bist ja richtig sexy!“ oder auch „Du hast so sinnliche Lippen/ einen sexy Blick drauf…“ Wenn ich nicht gerade eine Weile mit der betreffenden Person zu tun hatte und einer dieser Sprüche gleich zu Anfang kommt, manchmal sogar anstatt einer Begrüßung, ignoriere ich diese „Komplimente“. Die Reaktionen darauf sind ganz unterschiedlich. Manche Leute hauen dann das nächste „Kompliment“ raus oder wiederholen das eine immer und immer wieder, wohl in der Hoffnung dass ich endlich darauf eingehe. Manche schreiben gar nichts mehr, wenn ich nicht darauf antworte. Und sehr sehr viele hauen dann eben diesen süßen kleinen Spruch raus: „Da kann man  auch mal danke sagen!“ 

Ich frage mich dann immer: Wieso? Wieso soll ich mich dafür bedanken dass ein Fremder mein Äußeres ungefragt bewertet? Und ja, genau das ist es: eine Bewertung. Es ist für mich nicht besser, als wenn mir irgendein Mensch einen blöden Spruch aufgrund meiner kurzen Hose und der dadurch sichtbaren Cellulite reinhaut. Ich habe diese Person nicht gebeten mir zu sagen ob er oder sie mich schön findet, also wieso tut er oder sie es dann? Hab ich irgendwo das Schild „Herzlich Willkommen zu GNTM“ übersehen? Steht auf meiner Stirn „bitte erzähle mir ob du mich attraktiv findest“? Nein? Wieso tut man das dann? Und warum soll ich mich dafür bedanken?

Geschmack ist subjektiv und jeder hat daher seinen eigenen. Der eigene Geschmack trifft niemals für alle anderen Menschen zu und das ist auch gut so. Es steht auch jedem frei sich zu denken wie man jemand anderes findet, da rede ich auch niemanden rein. Aber: Es gibt keinen Grund diese Meinung jedem aufzuzwängen. Meinungsfreiheit bedeutet, dass jeder seine eigene Meinung haben darf, nicht dass man sie jedem anderen ungefragt aufdrücken muss. Und es interessiert mich auch wirklich absolut nicht, ob ein vollkommen Fremder mich nun schön findet. Zumal ich mal davon ausgehe dass du mich einigermaßen attraktiv findest, wenn du mich anschreibst.

Und nein, es ist nicht verboten Komplimente zu machen. Man sollte sich nur mal überlegen wann und bei wem man dies tut. Wenn man sich länger mit einer Person unterhält, merkt dass auf beiden Sympathie vorhanden ist, man vielleicht sogar schon ein bisschen schäkert, ist es vollkommen ok zu sagen dass man den anderen attraktiv findet. Wirklich! Das wohlüberlegte Kompliment kann dann auch als weiterer Schritt dienen, den anderen besser kennen zu lernen. Vielleicht räumt man dann auch kleine Zweifel beim Gegenüber aus, ob man denn Interesse an der besagten Person hat.

Es macht auch einen Unterschied ob meine Freundin mir sagt, dass mir das Kleid steht oder ob ein Fremder mir erzählt das mein Arsch darin geil aussieht. Ja, das hat ein Kerl auf offener Straße schon mal getan. Nein, wir waren nicht feiern und er nicht betrunken. Also bitte, bitte hört auf mir zu erzählen dass ich angeblich auf einem ganz normalen Foto einen super sexy Schlafzimmerblick drauf hätte nur um euch dann zu beschweren, weil ich euch nicht virtuell dankend um den Hals falle, weil ihr euch das jetzt so einreden wollt.

Alles Liebe,

die Gunzlinger Mum mit den sinnlichen Lippen und dem total devoten aber extrem dominanten Schlafzimmerblick

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#WiB – Waldspaziergang und ganz viel Kuchen

 

Wir beginnen den Freitag gemütlich kuscheln im Bett und gehen danach ein bisschen im Bastelladen unseres Vertrauens shoppen. Danach gibt es ein leckeres Eis und viel Sonnenschein.

 

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Zu Hause zeigt das Krümelmonster ihre gekauften Schätze ihrer Oma, bevor wir uns mit einem Film auf Sofa kuscheln.

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Das Krümelmonster verzieht sich am frühen Abend zur Oma, während ich das Abendessen zubereite. Es gibt Hähnchenschenkel mit Tomaten-Zwiebel-Gemüse und Pommes.

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Am Samstag morgen sind wir auf einen Kindergeburtstag im Wildgehege eingeladen. Ich suche mir also die Wegbeschreibung samt Karte raus, doch viele Wege wurden nicht eingezeichnet und so verpassen wir fast unsere Abzweigung. Manche Wege sind für das Krümelmonster reichlich beschwerlich, aber sie gibt alles.

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Der Weg führt uns immer höher hinauf und wir genießen eine wunderbare Aussicht.

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Sie ist stolz auf sich selbst und den beweglichen Weg den sie meistert und strahlt vor Freude wie ein Honigkuchenpferd.

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Die Freude über das Wiedersehen mit ihren Freunden ist riesig. Wir stürzen uns nach einer großen Knuddelrunde auf den Kuchen und singen dem Geburtstagskind ein Ständchen.

Vom Trampolin bekomme ich sie kaum herunter. Sie könnte darauf Stunden ohne Rast verbringen und ist dabei einfach nur wahnsinnig fröhlich. Nach 3 Stunden löst sich der Geburtstag langsam auf und wir marschieren wieder nach Hause.

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Nach dem anstrengendem Fest machen wir sehr lange Mittagsschlaf. Als wir endlich wach werden, schnappen wir uns das Gastgeschenk von Geburtstag und gehen noch rasch einkaufen. Auf dem Rückweg pusten wir um die Wette, bevor wir uns zu Hause eine Pizza genehmigen und den Abend ausklingen lassen.

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Am Sonntag backen wir morgens einen leckeren Maulwurfkuchen, bevor wir das Mittagessen zubereiten.

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Am Nachmittag sitzen wir lange auf dem Balkon und das Krümelmonster zeigt dem Krümelmonster wie man richtig Seifenblasen macht.

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Zum Abend hin backen wir noch köstliche Knetkekse und kuscheln im Kinderzimmer.

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Zum Abendessen zaubere ich uns rasch meinen liebsten NomNomNomsalat. Wir lassen den Abend im Zimmer meiner Mutter ausklingen.

Der Weg zum Kindergeburtstag war so abenteuerlich, dass er eigentlich einen eigenen Artikel verdient hätte. Vielleicht kommt der dann morgen. Ich hoffe euer Wochenenden war genau so schön wie unseres.

Mehr WiBs gibt es bei Susanne von Geborgen wachsen

Eure Gunzlinger Mum

 

„Mama ist müde“

Die Depressionsgeschichte meiner Mutter fing bereits in ihrer Kindheit an. Sie war das mittlere von drei Kindern und wurde leider auch so behandelt. Ihre große Schwester war immer das leuchtende, schlanke, bildschöne Vorbild. Ihr kleiner Bruder der süße kleine Schlingel dem man doch gerne etwas verzieh. Sie fühlte sich damals schon immer als nicht ausreichend, nicht gut genug. Dieses Gefühl zog sich durch ihr ganzen Leben.

Als sie 18 Jahre alt war heiratete sie und bekam mit 20 Jahren ihren ältesten Sohn. Sie arbeitete, zog drei Kinder groß, holte ihr Abitur nach, studierte. Trotzdem hatte sie nie das Gefühl an ihre große Schwester heranzukommen oder eine große Leistung vollbracht zu haben. Nach 18 Jahren unglücklicher Ehe war sie in einer starken Depression gefangen. Sie begab sich das erste mal in Therapie und lernte dort im Jahre 88 meinen Vater kennen. Kurz zuvor hatte sie sich von ihrem Ehemann getrennt und fühlte sich von den Flirtversuchen meines Vaters geschmeichelt. Sie reiste ab, doch R. war bereits so in meine Mutter vernarrt, dass er ihren Wohnungsort ausfindig machte und ihr nachreiste. Die beiden verliebten sich und heirateten nach der Scheidung vom Vater meiner Geschwister im April 1990, als meine Mutter gerade mit mir schwanger war.

Ich war ein absolutes Wunschkind von beiden und ihr Glück schien perfekt zu sein. Allerdings hatte es auch gute Gründe warum mein Vater damals in Therapie war. Seine Erkrankung machte ein gemeinsames Leben unmöglich und die beiden ließen sich nach vier Jahren und harten Kampf um die Zustimmung meines Vaters scheiden. Meine Mutter tat ihr bestes um mich alleine großzuziehen. Sie arbeitete Vollzeit als Kindergärtnerin und gab ihr bestes um mir über den Umstand, dass mein Vater nicht da war, hinwegzuhelfen.

Im Jahre 1996, damals war ich gerade 5, lernte sie dann W. kennen. Sie verliebten sich und am Anfang schien es auch eine glückliche Beziehung zu sein. Es lief sogar so gut, dass sie zusammen im Jahre 2000 nach Franken zogen – und mich mitnahmen. W. arbeitete bereits mehrere Monate in Franken bevor wir hinunter zogen. Zwei Jahre vorher lernten wir im Urlaub zwei Familien dort kennen und trafen uns nach dem Umzug auch noch weiterhin mit ihnen.

Es schien eine Weile alles wunderbar zu laufen, bis meine Mutter im Sommer 2000 in einer Nacht-und-Nebel-Aktion mit mir in eine andere Wohnung zog. Ich liebte W. damals sehr, er war für mich mein Papa und ich weinte bittere Tränen über die Trennung. Sie hat mir damals nichts von dem Alkoholproblem meines Stiefvaters erzählt und ich war auch noch zu klein um die Situation zu verstehen. Er trank so oft und so viel, dass ihm sein Führerschein abgenommen wurde. Er machte massive Schulden und musste deshalb sogar seine Wohnung, in der wir am Anfang noch zu dritt wohnten, räumen musste. Meine Mutter nahm drei Jobs an und ich war die meiste Zeit alleine, doch sie wollte dass es mir an nichts fehlte. Ich war mittlerweile 10 Jahre alt und bekam mit, wenn sie abends heimlich weinte, weil sie so erschöpft war, weil sie mich aus meiner gewohnten Umgebung gerissen hatte und sie nun ganz alleine mit mir dastand.

Dass sie gute Freunde hatte, half ihr über diese schwere Zeit hinweg. W. fing von heute auf morgen einen Entzug an und beendete ihn auch erfolgreich. Noch während seines Aufenthalts in der Klinik machte er meiner Mutter einen Heiratsantrag und so gaben sie sich im Frühjahr 2002 das Jawort. Ich war glücklich, ich hatte endlich eine „richtige“ Familie. Während für mich alles wunderbar schien, verlor mein Stiefvater seinen Job. Meine Mutter stand ihm selbstverständlich bei. Sie sparte sogar Geld damit er seinen Führerschein nachmachen kann. Leider „verschwand“ das Ersparte auf mysteriöse Art und Weise. Ihr ging es nach und nach immer schlechter. So schlecht, dass sie bald nicht mehr arbeiten konnte.

Als ich 13 wurde und auf den M-Zweig der Hauptschule wechselte, waren beide Hartz 4 Empfänger und das Geld war sehr knapp. Die Depressionen kehrten zurück und meine Mutter musste für 6 Wochen zur stationären Behandlung. Ich war in dieser Zeit alleine mit W. und alles andere als glücklich. So sehr ich ihn am Anfang liebte, so wenig mochte ich ihn zu meiner Teenagerzeit. Er wurde mir gegenüber immer kälter, alles musste so laufen wie er es wollte. Er verwaltete das Geld, kaufte das ein was er wollte und ich hatte kein Mitbestimmungsrecht. Es gab nie Obst, weil er das nicht aß. Trinken kaufte er auch nie, er trank ja Kaffee und das reichte. Ich durfte nie am Computer meiner Mutter im Schlafzimmer spielen, denn er wollte genau dort fernsehen, obwohl es einen funktionierenden Fernseher im Wohnzimmer gab. Jeden Samstag musste ich mit zu seinem Aushilfsjob in einem Garten gehen, um ihm bei der Arbeit zu helfen. Sonntags musste ich immer um spätestens 8 Uhr aufstehen um mit ihm zu frühstücken, obwohl er unter der Woche jeden Tag die Gelegenheit dazu hatte aber lieber liegen blieb.

Egal was ich tat, es war alles verkehrt. Ich putzte falsch, angeblich kam ich immer zu spät, wenn ich einen Essenswunsch hatte wurde mir unterstellt ich sei verwöhnt und zu den Besuchen bei meiner Mutter konnte er mich auch nicht mitnehmen, weil das Zugticket am Wochenende angeblich mehr gekostet hätte. Ich fühlte mich einsam und missverstanden, aber meine Mutter konnte mir nicht helfen. Wenn ich sie doch besuchen konnte, hatten wir uns nicht viel zu sagen. Sie meckerte über mein Aussehen und meine Noten. Wenn ich dann sie dann wütend ignorierte, sah man ihr den Schmerz deutlich an. Und sie wirkte so müde… Auch als sie wieder nach Hause kam, wurde es nicht besser. Sie war machtlos gegen das ständige Gemecker meines Stiefvaters. Er ließ an niemandem mehr ein gutes Haar und egal was wir taten, es war am Ende immer verkehrt.

Im Sommer 2004 hörte ich von einer Möglichkeit für Jugendliche um in Italien Urlaub zu machen. Ich sparte dafür mein gesamtes, recht spärliches Taschengeld. Ein Jahr lang freute ich mich darauf und hatte am Ende die 250 Euro zusammen. Ich brachte auch immer die Pfandflaschen weg und hob Geld, welches mir meine Geschwister zusteckten, auf nur um einmal Urlaub machen zu können. Doch im Sommer 2005 war von dem Geld nichts mehr da. Ich hatte alles in eine Geldkassette im Kleiderschrank meiner Mutter gelegt, aber das war alles verschwunden. Meine Mutter hatte damals schon große Probleme damit unter Leute zu gehen. W. erzählte ihr immer wieder wie furchtbar sie wäre und dass sie eh niemanden mögen würde. Meine Mutter konnte das Geld also unmöglich ausgegeben haben. Es blieb nur W. und ich sprach ihn darauf an. Er gab es sogar offen zu und meinte er brauchte das Geld. Wofür konnte bzw wollte er mir nicht sagen. Denn trotz der ungeplanten Finanzspritze war der Kühlschrank fast immer leer. Wir hatten selten Getränke im Haus und Obst gab es quasi nie. Auch Gemüse wurde auf Tomaten beschränkt.

Mama ging es immer schlechter und der Kontakt zu allen ihren Freunden brach ab. Das Verhältnis zu meinen Geschwistern verschlechterte sich, niemand wollte mehr mit uns Kontakt haben und wir wussten nicht wieso. Mama erzählte ihnen wie es uns ging, was W. alles tat, dass sie Hilfe bräuchte aber niemand glaubte uns. Wir standen also da mit leeren Mägen und fühlten uns furchtbar. Ich wurde in der Schule aufs übelste gemobbt und meine Noten verschlechterten sich immer weiter. Nur mit viel Glück bekam ich einen Platz für ein soziales Jahr und danach im dortigen Krankenhaus eine Ausbildung. Mittlerweile verbrachte meine Mutter immer häufiger und immer längere Aufenthalte in der Klinik.

Ich dagegen war nur noch alleine mit einem Stiefvater der nur schimpfte und mir jeden Tag erklärte, dass das Geld nicht für Essen reichen würde. Zu dieser Zeit kauften mir meine Geschwister Kleidung und füllten bei Besuchen den Kühlschrank, damit es mir gut ging. Sie schoben die Schuld meiner Mutter zu, sie würde nicht richtig wirtschaften. Sooft es ging fuhr ich ihn den Ferien zu meiner Schwester, mittlerweile so eingeschüchtert und verstört vom Mobbing in der Schule und den täglichen Schimpftiraden meines Stiefvaters, dass ich mich kaum noch wagte etwas zu sagen.

Zu Hause sah ich meine Mutter kaum noch. Sie vergrub sich in ihrem Zimmer, war nur noch müde und erschöpft und ich weinte mich jeden Tag in den Schlaf.

Als ich 15 war dann ein großer Schlag ins Gesicht: unter Tränen schlug mir meine Mutter vor zu einer Pflegefamilie zu ziehen. Und beinahe wäre es auch so gekommen, aber ich konnte nicht weg, ich liebte meine Mama zu sehr und wollte sie nicht verlieren. Meiner Mutter ging es so schlecht, dass sie es nicht mal mehr zu Elternabenden schaffte und auch zu keinem meiner Tanzauftritte bzw zu meiner Abschlussfeier. W. kam, nur um gelangweilt in der Ecke zu stehen oder über mein Abschlusszeugnis zu schimpfen. Ich fühlte mich wie ein nichts, ungeliebt und wie eine Verliererin. Meine Mutter sah mein Zeugnis nicht mal mehr an, sie war zu müde…

Nach der Schule absolvierte ich ein soziales Jahr und begann mit der Ausbildung zur Gesundheits- und Krankenpflegerin. Mein Stiefvater arbeitete in der Zeit auch dort als 1€ Jobber. Er schob die Betten umher und verteilte Medikamente. Meinen gesamten Verdienst im sozialen Jahr musste ich abgegeben, ich durfte nichts für mich behalten. Im Januar 2009 war ich gerade im ersten halben Jahr in der Ausbildung, als W. plötzlich von heute auf morgen auszog. Wir erfuhren davon als ein großer Brief für ihn ankam. Meine Mutter dachte es wäre der Arbeitsvertrag für seinen neuen Job und öffnete ihn, doch darin fand sie den Mietvertrag für die neue Wohnung meines Stiefvaters. Die Situation zu Hause eskalierte, es flogen Teller durch die Gegend und meine Mutter rastete so sehr aus, dass sie fast mit einem Messer auf ihn losgegangen wäre. Sie war fix und fertig und bemerkte dann erst den großen Betrug.

Meine Mutter saß ohne Geld in der großen Wohnung. Ich wohnte im Schwesternwohnheim doch zog nach seinem Auszug zurück zu ihr. Sie brach zusammen und ich hatte von meinem Lohn auch nichts mehr, da ich ja so gut wie alles in die Hände meines Stiefvaters geflossen waren. Wir standen also mit leeren Kühlschrank da und ich schaltete das Gesundheitsamt ein. Sie schickten eine Frau die Nothilfe leistete und uns ein wenig Geld gab, so dass wir uns etwas zu essen kaufen konnten. Ich fiel binnen weniger Wochen so drastisch in meinen Noten herab, dass ich meinen Lehrplatz verlor. Ich ertrug es nicht W. jeden Tag zu sehen. Ich war so verletzt und konnte nicht verstehen wieso er uns so hängen lies. Meiner Mutter wurde eine Betreuerin an die Seite gestellt die sich um sie kümmerte. Nach und nach kam heraus, was W. in den letzten Jahren wirklich hinter unserem Rücken anstellte. Es tauchten Kontoauszüge auf und es flatterten Rechnungen ins Haus, alle auf den Namen meiner Mutter. W. hatte uns um insgesamt 8000 Euro gebracht. Meine Mutter brauchte Jahre um die Schulden abzuzahlen und konnte nicht beweisen dass es nicht ihre Schuld war. Aufgrund der Mangelernährung der letzten Jahre hatte sie einige Schäden erlitten. Nach der Trennung traute sich meine Mama überhaupt nicht mehr unter Leute. Ich nahm Kontakt zu ihren alten Freunden auf und erfuhr, dass W. sie überall schlecht gemacht hatte. Er hatte grausame Lügen verbreitet weshalb man den Kontakt abbrach. Auch bei meinen Geschwistern tat er dies. Da ich mich lange nichts zu sagen traute, glaubte man ihm und meine Mutter stand überall als die verschwenderische, hysterische und gemeingefährliche Furie dar, die sie nie war. Er hatte sie ganz systematisch fertig gemacht und das über Jahre hinweg. Während sie unter Panikattacken und Depressionen litt, war ich vollkommen verängstigt und verschüchtert. Wir litten beide an starker Mangelernährung und unsere Beziehung war furchtbar angespannt. Ich zog 2010 mit meinem damaligen Freund zusammen und meine Mutter und ich waren sehr zerstritten. Erst als ich 2013 unerwartet schwanger wurde, wuchsen wir wieder richtig zusammen. Bis heute hat sie Angst vor Menschen, traut niemanden und verfällt immer wieder in den Wahn dass ihr jemand, bzw ich, etwas schlechtes tun will. Diese Zeit nagt noch heute an uns, hat uns fast auseinander getrieben aber am Ende noch viel näher zusammengeführt.

Im Nachhinein betrachtet wäre es sinnvoller gewesen, wenn Verwandte und Freunde W. nicht alles anstandslos geglaubt hätten und auch mich mal zu gefragt hätten, wie die Situation zu Hause ist. Meiner Mutter ging es nach den Therapien immer viel besser, doch kaum dass sie zu Hause war, schlitterte sie wieder in ein tiefes Loch und ich war wieder alleine. Ich glaube, man hätte uns beiden viel früher helfen können, wenn man uns nur ernst genommen hätte. Niemand wollte sehen wie mein Stiefvater wirklich ist, man schimpfte immer nur über meine Mutter. Sie müsse nur mal den Arsch hochbekommen, dürfe sich nicht immer zurückziehen, mal rausgehen an die frische Luft, das täte ihr gut. Dass sie Angst hat, dass sie andere Menschen nicht mehr ertrug, dass wollte niemand sehen oder verstehen. Was er tat ist mit nichts zu rechtfertigen und für mich unverzeihbar. Ich sehe ihr noch heute, nach so langer Zeit ohne ihn, jeden Tag an welchen Schmerz er in ihr ausgelöst hat und das obwohl er für mich lange wie ein Vater war.

Niedergeschrieben habe ich das ganze für Tina vom kleinen Gemischtwarenladen

 

Hol‘ deine Mama nicht zu dir, haben sie gesagt

Das geht doch niemals gut, haben sie gesagt. Wäre eine Senioreneinrichtung nicht besser für sie, haben sie gefragt. An manchen Tagen überlege ich mir das tatsächlich auch. Manchmal ist mir das ganze Ding mit drei Generationen unter einem Dach auch zu viel, da bin ich dann nur noch erschöpft und müde, wir streiten und ich wäre am liebsten alleine mit meinem Monster. Und dann gibt es so Tage wie heute an denen ich heilfroh bin dass ich diesen Schritt gewagt habe.

Als ich heute morgen erwachte, war es schon kurz nach 9 Uhr. Normalerweise weckt mich das Krümelmonster viel früher, doch manchmal geht es meiner Mutter so gut, dass sie sich um die Kleene kümmert damit ich etwas länger schlafen kann. So machte ich mir auch keine Gedanken als ich beim aufstehen auf die Uhr sah. Aber es war so stillt, so ungewöhnlich still. Ich ging ins Bad und entdeckte mein Kind in der Badewanne, wie es sich gerade Wasser einließ. Ich richtete ihr alles weitere her, machte mich frisch und ging ins Zimmer meiner Mutter. Sie schlief allerdings noch und ich wollte sie auch nicht wecken. Ich ließ ihr Rollo herunter, deckte sie zu und ging wieder hinaus.

Nach einer Stunde in denen ich die Kleene badete, anzog und wir frühstückten, beschloss ich noch einmal nach meiner Mutter zu sehen um sicher zu gehen, dass sie ihre Medikamente auch einnimmt. Sie lag noch genau so da wie ich sie hatte liegen lassen, nur unsere Katze saß neben ihr und leckte ihr wie wild das Gesicht ab, aber sie reagierte nicht. Ich setzte mich zu ihr und sprach sie an doch es dauerte eine gefühlte Ewigkeit bis sie endlich die Augen aufschlug. Ihr Blick war ganz glasig und ihr Gesicht sah merkwürdig angespannt aus. Sie hob den Kopf nicht, sie öffnete nur den Mund und versuchte etwas zu sagen, bekam aber nur unverständliche Laute heraus. Meine Alarmglocken schrillten hell auf. Ich bat sie zu lächeln doch sie sah mich nur verwirrt an. Auch die Arme bekam sie nur mit sehr viel Mühe hochgehoben. Meine Mutter hatte schon mehrere kleine Schlaganfälle und ich bekam es wirklich mit der Angst zu tun, also wählte ich die 112 und erklärte was passiert bzw eben nicht passiert war.

Ich suchte die Medikamentenliste meiner Mutter raus, legte ihre Krankenkassenkarte bereit und räumte den Flur kurz leer. Ich erklärte parallel dazu meiner Tochter, was gleich passieren würde. Dann ging ich zu Mama und warnte sie vor und sie sah mich traurig an und stöhnte. Dann klingelte es… Drei Herren kamen herein, grüßten nett und ließen sich noch mal genau erklären was passiert ist. Sie sahen sich die Liste an und traten dann zu meiner Mutter. Nach wenigen Minuten war klar: sie hatten den gleichen Verdacht wie ich. Sie mussten sie also definitiv mitnehmen. Ich versuchte mein verängstigtes Kind zu beruhigen und packte nebenbei die Tasche für meine Mama. Ich sprach noch mal mit ihr, wollte mich ihr erklären, klar machen dass ich mir wirklich Sorgen machte. Sie nickte nur und bat mich sie dort nicht alleine zu lassen, dann brachte man sie ins Krankenhaus.

Eine Viertelstunde, in der ich meine Geschwister anrief um sie über die momentane Situation aufzuklären, später verließ ich mit dem Krümelmonster das Haus. Wir liefen zum Busbahnhof und fuhren zum Krankenhaus. Mama wurde gerade untersucht doch der behandelnde Arzt konnte mir gleich meine größte Angst nehmen: Es war kein Schlaganfall. Mir fiel ein Stein vorm Herzen. Während der nächsten Untersuchungen spazierte ich mit meiner Kleenen durchs Haus, wir pausierten im Cafè und ich erklärte ihr immer und immer wieder, wieso wir dort waren. Gegen halb zwei Uhr verließen wir aufgrund eines Termins erstmal das Krankenhaus. Als wir wieder kamen lag Mama in einem anderen Zimmer, jedoch immer noch in der Notaufnahme. Mir konnte keiner sagen was denn nun Sache ist und meine Nervosität stieg an. Gleichzeitig versuchte ich mein müdes und verängstigtes Kind zu beruhigen und etwas runterzufahren. Gegen halb vier sprach ich noch einmal mit dem Pflegepersonal und man sagte mir dass meine Mutter definitiv über Nacht bleiben muss, man sich aber noch nicht sicher ist was ihr denn fehlt.

Wir holten uns auf dem Heimweg noch eine Portion Pommes und das Kind verkrümelte sich in Omas Bett, kuschelte sich in ihre Decke und schlief sofort ein. Sie ist traurig und vermisst ihre Oma und mir geht es ganz genau so. Früher, als sie noch alleine lebte, gab es manchmal solche Situationen in denen ich sie mehrere Tage nicht erreichte. Ich machte mir große Sorgen, versuchte ihre Nachbarn oder ihre Haushaltshilfe zu kontaktieren und hatte jedesmal große Angst dass sie gestürzt sei und sie vielleicht nicht mehr aufwacht. Und genau das war auch der Grund warum ich sie nach der Trennung zu mir holte. Selbst wenn das ganze keine große Sache ist und sie morgen schon Heim kommt, wäre sie noch in Roth gewesen, wäre sie wahrscheinlich wieder mehrere Tage nicht erreichbar gewesen und vielleicht wäre es diesmal nicht mehr so gekommen, dass sie sich von alleine erholt. jetzt weiß ich dass sie gut betreut wird und man sie gründlich durchcheckt. Und wenn wir Glück haben darf sie morgen schon wieder Heim und wir sind alle glücklich.

Ich bin froh diesen Schritt gegangen zu sein, auch wenn es manchmal wahnsinnig anstrengend ist, ich sie mir einfach weit wegwünsche weil sie einen schlechten Tag hat und nur schimpft oder sie ihre Art der Erziehung durchsetzen will. Am Ende des Tages genieße ich unser Zusammenleben und freue mich dass das Krümelmonster jeden Tag seine Oma um sich hat. Und: ich würde jederzeit wieder so entscheiden!

Eure Gunzlinger Mum

 

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Angst Teil 1

Angst ist etwas, dass mich schon mein Leben lang begleitet. Ich habe vor vielen Dingen Angst, oft ist es einfach nur albern dass ich mich vor so banalen Sachen fürchte und das ist mir vollkommen klar, aber diese Angst ist da und irgendwie kann ich sie nicht ablegen. Und weil ich in letzter Zeit oft mit meinen Ängsten konfrontiert wurde, will ich sie mir heute einfach mal von der Seele schreiben.

Unverschlossene Türen/ Vollmond: Wo da der Zusammenhang besteht? Darin, dass mir die Kombination mal fast zum Verhängnis geworden wäre. Als ich noch eine Grundschülerin war hatten wir eigentlich in jedem Winter Schnee. Ich liebte es und freute mich wie wohl jedes Kind über die weiße Pracht. Eines Nachts, ich war etwa 8 Jahre alt, fiel besonders viel Schnee und es war einige Grade unter null. Ich erinnere mich nicht mehr an viel, nur das ich in dieser Nacht einen Traum hatte der mich wohl sehr bewegte. Irgendwas hatte mich aufgewühlt und das veranlasste mich wohl dazu aus meinem Bett auszusteigen und durch die Wohnung zu wandern – während ich schlief. Während ich wandelte öffnete ich die Tür zu dem Schlafzimmer meiner Mutter und danach die Wohnungstür. Wir schlossen früher nie die Tür ab, man kannte ja die Nachbarn und vertraute sich. Also ging ich vom Erdgeschoss die Treppe hinab zur Haustür und hinaus in den Schnee. Ich lief am Haus entlang, man konnte noch am nächsten Morgen meine kleinen Fußabdrücke gut erkennen, bevor ich irgendwann vor Kälte erwachte und Panik bekam. Ich hatte keine Ahnung wie ich dort hin kam und schrie und weinte bitterlich. Ich klingelte eine gefühlte Ewigkeit und schrie nach meiner Mutter, die ja friedlich im Bett schlief. Irgendwann wurde sie davon wach und wollte sehen welches Kind da draußen solchen Radau veranstaltete, als sie bemerkte das meine Zimmertür offen und mein Bett leer war.

Ich hatte danach eine schlimme Erkältung und konnte lange nicht alleine schlafen und dann auch nur wenn die Haustür verschlossen und verriegelt war und alle Türen in der Wohnung zu waren. Noch heute steckt der Schlüssel immer im Schloss und die Tür ist verschlossen, die Türen in der ganzen Wohnung sind zu und an Vollmond kann ich fast gar nicht schlafen. Und wenn ich einschlafe, habe ich furchtbare Albträume. Es geht so weit dass ich nicht einschlafen kann wenn ich im Bett liege obwohl ich nicht weiß dass die Tür zu ist, ich hab das dann einfach im Gefühl und stehe automatisch auf um nachzusehen ob der Schlüssel zwei mal umgedreht ist. Zu dem habe ich in öffentlichen Gebäuden ein mulmiges Gefühl wenn ich an einer offenen Tür vorbei gehen muss. Wenn ich mit meinem Kind unterwegs bin versuche ich das auszuschalten, wenn ich alleine an solch einer Tür vorbei laufe, kann es durchaus passieren dass ich meinen Gang verlangsame und erst mal langsam in den Raum hineinschaue um sicher zu gehen dass mir nichts passieren kann. In Vollmondnächten fühle ich mich zu dem äußert unwohl und ich gehe auch nach Einbruch der Dunkelheit nicht mehr aus dem Haus. Und so sehr ich den Anblick des Mondes auch liebe, so sehr gruselt es mich davor und ich versuche es zu vermeiden in anzusehen.

Wasser: Ich rede hier freilich nicht von dem normalen Wasser das ich zum duschen, abwaschen, wischen oder kochen brauche, ich rede von natürlichen Gewässern wie Flüssen, Seen und Meeren und vor allem Brunnen und Kanälen. Als ich noch ganz klein war fuhr ich mit meiner Mutter und meiner Schwester nach Polen in den Urlaub. Ich war noch so jung dass ich mich kaum noch daran erinnern kann. Mir blieb nur eine bestimmte Szene im Gedächtnis: Meine Mama litt bereits damals schon an Depressionen und brauchte deshalb manchmal ein paar Minuten für sich. Da meine Schwester 14 Jahre älter ist als ich, passte sie dann öfter mal auf mich auf. So auch an diesem Tag, als meine Mama sich ganz kurz hinlegen wollte. Meine Schwester und ich spielten im Innenhof des Hotels als meine Mutter aus dem Fenster des Hotelzimmer runter rief, meine Schwester solle meinen Sonnenhut holen. Da ich gerade mit anderen Kindern beschäftigt war, bat sie eine andere Mutter kurz auf mich Acht zu geben. Sie ging also nach oben und holte den Hut. Währenddessen beobachtete ich ältere Kinder, die mit Schiffchen am niedrigen Zierbrunnen spielten. Sie hatten auch ein paar Plastikflaschen zerschnitten und Boote daraus gebaut. ich setzte mich auf den Rand des Brunnen und wollte mit ihnen spielen, aber sie waren deutlich älter und ignorierten mich. Eins der Plastikflaschenschiffchen fuhr an mir vorbei, so nah dass ich es hätte greifen können. Also beugte ich mich vor und griff danach. Es kam wie es kommen musste, ich verlor das Gleichgewicht und fiel ins Wasser. Der Brunnen war nicht tief aber sehr rutschig und ich bekam einfach keinen Halt um mich hinzustellen. Ich tauchte immer wieder auf und schrie um Hilfe, aber niemand kam. Ein paar Leute sahen mich böse an weil ich so laut war, aber niemand schien zu bemerken dass ich nicht spielte. Ich geriet mit dem Kopf immer wieder unter Wasser, schluckte es und meine Angst wuchs. Meine Schwester war nur wenige Minuten weg und kam rechtzeitig um mich aus dem Brunnen zu ziehen. Sie weinte und schrie die Leute, vor allem die Frau die sie gebeten hatte auf mich zu schauen, an wieso sie mir nicht geholfen hatten und brachte mich zu unserer Mutter.

Ich kann bis heute in einem See nicht weit schwimmen und fühle mich an Brunnen extrem unwohl. Es ist als würde mich etwas hineinziehen und ich merke Panik in mir aufsteigen. An Kanälen ist es sogar noch schlimmer. Wenn dann noch das Krümelmonster am Brunnen planschen will, könnte ich jedes mal durchdrehen.

 

Das war Teil 1 meine kleinen Serie zum Thema Angst. Ich finde es absolut nicht schlimm sich zu ängstigen, ich finde es nur furchtbar wenn man dafür ausgelacht wird und man dargestellt wird als wäre man ein kleines Kind das man nicht ernst nehmen kann. Morgen gibt es dann Teil 2.

Euch noch einen schönen Abend

The Gunzlinger Mum

#48Stundenalleinerziehend

1.Tag

6:00 Uhr und der Wecker klingelt, ich kuschel mich ans Krümelmonster. 20 Minuten später springt das Kind wie von der Tarantel gestochen auf und rennt ins Bad. Ihre Seite des Bettes und auch ein Teil meiner Seite ist nass, ohje. Ich höre sie weinen, renne ins Bad. Sie sitzt mit schmerzverzerrtem Gesicht auf dem Klo, eine böse Ahnung macht sich breit. Ich schmeiße ihr Bettzeug und ihre Kleidung in die Waschmaschine, schalte sie ein und mache mein Kind sauber. Wir putzen die Zähne, ich will mich etwas frisch machen, es plätschert und die Kleene weint erneut. Der nächste Unfall, ihr geht es nicht gut, sie muss definitiv zu Hause bleiben. Ich mache sie wieder sauber, ziehe ihr neue Sachen an, putze das Bad. Dick in meine Kuscheldecke eingemurmelt lege ich das Monsterchen aufs Sofa. Sie hat Hunger, ich gebe ihr einen Rest Brezel in der Hoffnung dass er drinnen bleibt.

Um kurz nach 7:00 Uhr rufe ich in der Kita an und melde sie für die nächsten Tage krank. Es ist Dienstag und der Müll muss runter, also erledige ich das schnell. Danach wird Bailey gefüttert und ihr Klo gesäubert. Sie schnurrt mir währenddessen um die Beine, freut sich wohl dass wir heute alle zu Hause sind. Danach ziehe ich auch mein Bett ab und bringe das Bettzeug ins Bad. Ich kuschel mich zu meinem Krümelmonster aufs Sofa. Kurze Zeit später rufe ich in ihrem zukünftigen Kindergarten an und werde auf später vertröstet. Also widme ich mich der erste Wäsche, hänge sie auf und schneide danach Erdbeeren für den Nachmittag. Der Kohl fürs Mittagessen muss aufgesetzt werden. Ich setze mich etwas zu meiner Mama ins Zimmer, plaudere mit ihr. Die nächste Maschine Wäsche wird angesetzt. Ich rufe noch mal im Kindergarten an und werde herbe enttäuscht…. die Planung für den Sommer muss über Bord geworfen werden. Ich höre Tapser auf dem Boden und sehe wie die Kleene zur Oma geht. Ich folge ihr und wir kuscheln uns zu dritt aufs große Bett. Bailey springt hinterher, schnurr glücklich und zufrieden.

Um 9:00 Uhr richte ich endlich das Frühstück. Nach dem Essen ist der Kohl fertig und wird zur Seite gestellt. ich räume den Tisch ab und den Geschirrspüler aus und ein. Während das Monsterchen mit der Katze kuschelt, sortiere und falte ich die saubere Wäsche. Gegen halb elf fragt das Krümelmonster nach einem Film. Wenn wir krank sind gibt es immer einen Disney Film, ist für uns quasi die beste Medizin. Sie kuschelt sich aufs Sofa, Bailey legt sich zu ihr, passt auf sie auf. Ich decke sie zu und mache Frozen an. Während sie den Film ansieht. nutze ich die Gelegenheit und fange an den riesigen Wäscheberg wegzubügeln. Während des Films steht sie auf und fängt am Esstisch an zu kneten.

Um 12:00 Uhr ist der Film vorbei und ich hab ein gutes Stück Wäsche erledigt. Wir beziehen unser Bett neu. Danach wird wieder Kuschelzeit eingefordert. Gegen 13 Uhr schläft sie ein, ich schließe auch kurz die Augen. Bevor ich wegdöse, schweifen meine Gedanken ab. Ich frag mich wie das in Zukunft laufen soll, wie es beruflich weitergeht….Kurz vor halb drei wache ich wieder auf, schleiche mich aus dem Schlafzimmer. Sie schläft weiter, ist wohl erschöpft vom Morgen. Ich hänge wieder Wäsche auf und schmeiße die letzte Maschine für diesen Tag an. Danach beseitige ich das Chaos in der Wohnung. Um halb vier schläft das Monsterchen immer noch, also kehre ich die Wohnung. Zur Belohnung gibt es Joghurt und ein paar Seiten meines Buches.

Um 16:10 Uhr schleicht sich ein völlig verschlafenes Monsterchen ins Wohnzimmer, klettert auf meinen Schoß und will kuscheln. Danach kneten wir wieder. um kurz vor halb sechs widme ich mich dem Abendessen. Ich schneide den Kohl und lasse Speck in Fett aus. Danach bereite ich die Fleischbällchen zu und beschließe das Monsterchen ein paar Löffen probieren zu lassen. Vielleicht hatte sie am Tag vorher nur etwas komisches in der Kita gegessen. Der Kohl schmort, die Bällchen braten, ich wische schnell die Wohnung. Das Essen braucht noch etwas, also spielen wir mit Oma Memory. Um kurz vor sieben essen wir endlich, während des Essens schreibt der Papa das er gleich zu Besuch kommt.

Um 19:10 Uhr kommt er dann wirklich. Wir quatschen. Er überreicht mir die Ostergeschenke seiner Eltern, während das Mosnterchen kurz bei Oma ist. Ich checke den Inhalt und verstecke die Tüte. Die Kleene geht noch mal ins Bad und zieht sich an und wir danach zu dritt einkaufen. Kurz vor halb neun fährt der Papa Heim und ich bringe die Kleene ist Bett. Es dauert fast bis 23 Uhr bevor sie endlich eingeschlafen ist. Irgendwann blogge ich noch über unseren Einkauf und wieso wir oft zu drittHändchenhalten. Ich hänge noch etwas im Internet rum, schaue mir American Horror Story weiter an, versuche Gedanken zu verdrängen. Es ist weit nach Mitternacht als ich mich an mein Monsterchen kuschel und irgendwann unruhig einschlafe.

 

Tag 2

Es ist kurz nach 8:00 Uhr morgens und es stellte sich gerade heraus, dass der Abhol-und-in-die-Kita-Bringservice nicht auftauchen wird. Ich stecke das Kind schnell in ihre Matschhose und packe die Muffins ein, die ich extra für heute gebacken habe. Wir rennen durch die Stadt und schaffen es trotzdem nicht rechtzeitig zum Frühstück in die Kita. Das Monsterchen friert an den Händen, ich habe die Handschuhe nicht gefunden. Am Ende des Tages werde ich sie in ihrem Beutel für die Wechselwäsche finden. Das Monsterchen weint und will nicht in die Kita, wie an so vielen Morgenden. Ich ziehe sie um, verabschiede sie, verspreche ihr sie auch wirklich nachher abzuholen. ich bekomme eine Umarmung und einen Kuss und sie geht zum Morgenkreis. Ich reiche ihrer Erzieherin einen leeren Ordner und meine externe Festplatte und gehe. Vor der Kita atme ich noch mal tief durch, ein paar Tränen kann ich mir aber nicht verkneifen. Ich laufe nach Hause.

Um 9:45 Uhr bin ich wieder zu Hause. Als ich aufs Handy sehen habe ich 48 neue Nachrichten, meine Schwester hat mich zu einer WA Gruppe hinzugefügt. Wir planen mit ihren Freundinnen einen gemeinsamen Urlaub. Ich beschließe früher anzureisen um mit dem Monsterchen noch Berlin anzusehen und zu erleben. Ich trinke ein Glas Milch und esse eine Banane. Nach meinem spärlichen Frühstück dusche ich, richte meiner Mama das Essen und gehe auf arbeit. Von 11 bis 14 Uhr crushe ich Eis, nehme Bestellungen auf, schenke Getränke ein, trage Essen raus, räume Tische ab, helfe in der Küche und fülle kurz vor meinem Feierabend die Vorräte auf. Als ich das Bistro verlasse treffe ich auf eine Freundin, deren Tochter auch in unserer Kita ist. Sie nimmt mich mit dem Auto mit und wir plaudern ein wenig, auch über die Zukunft.

Als ich die Kita betrete, räumt eine andere Mama gerade die Wechselkleidung ihres Sohnes ein. Das Krümelmonster tobt noch im Spielehäuschen des Bewegungsraumes und sieht mich zuerst gar nicht. Ich nehme den Ordner mit dem Portfolio, die leere Dose in der die Muffins waren und meine Festplatte entgegen. Ich packe die Dinge und ihre Wechselsachen in eine Tasche und rufe nach ihr. Sie rennt auf mich zu, quiekt und fällt mir lachend um den Hals. Ich helfe ihr beim umziehen während die andere Mama Abschiedsgeschenke für die Erzieherinnen verteilt. Das Krümelmonster verabschiedet sich von allen, auch von ihren Freunden und wir gehen nach draußen. Ich kann meine Tränen kaum zurückhalten, so viele Erinnerungen hängen an dieser Kita. Zu wissen, dass sie nie wieder hier her gehen wird, tut schon ein bisschen weh.

Da die Sonne scheint und ich uns beide ein bisschen aufmuntern will, beschließe ich mit dem Krümelmonster ein Eis kaufen zu gehen. Auf halber Strecke begegnen wir K. der Mama von des Krümelmonsters bestem Freund. Wir plaudern fast eine halbe Stunde, umarmen uns zum Abschied und gehen irgendwie traurig auseinander. Aber: Am nächsten Tag werden wir alle noch mal sehen, einer von den Freunden der Kleenen feiert morgen seinen Geburtstag nach. Wir spazieren weiter in Richtung Stadt und unterhalten uns über den Tag und über das kommende Wochenende. Als erstes schauen wir noch in meinen Lieblingsladen und suchen nach einem Bowle Set, weil meine Mama sich eines wünscht. Danach geht es endlich zur Eisdiele, wo wir uns einmal Schoko-Nuss und einmal Pistazie und Raffaello Eis aussuchen. Wir setzen uns auf eine Bank und das Krümelmonster kuschelt sich an mich, während wir unser Eis futtern. Nach dem Eis kaufen wir noch schnell Katzenfutter ein und laufen dann im plötzlich aufgekommenen Regen nach Hause.

Gegen 16:30 Uhr sind wir endlich zu Hause und werden von einer schnurrenden Katze empfangen. Ich füttere sie während das Monsterchen erstmal im Bad verschwindet. Danach fordert sie ihre Medienzeit ein. Ich kuschel mich mit ihr aufs Sofa, während sie mal wieder in Baymax reinschaut. Um 17 Uhr richte ich uns ein Sandwich und wir futtern zusammen auf dem Sofa sitzend. Nach dem Essen schauen wir uns ihr Portfolio an und es ist unfassbar wie sehr sie sich verändert hat. Anschließend malen wir noch etwas in ihrem Malbuch, bevor wir um kurz nach 18 Uhr ihren Koffer packen. Sie hat keine gute Laune und sagt immer wieder, dass sie zu Hause bleiben will. Das tut weh und ist gleichzeitig sehr schön. Doch ich weiß, sobald sie Papa sehen wird, wird sie isch freuen. Sie verabschiedet sich von ihrer Oma und wir gehen um kurz vor 19 Uhr nach unten. Wir müssen noch fast eine Viertelstunde warten, bevor der Papa kommt. Wir nutzen die Zeit um noch einmal zu kuscheln und ich erkläre ihr noch einmal dass sie am Dienstag nicht wie gewohnt in die Kita gehen wird. „Ich bin ein großen Mädchen, keine Kita mehr!“ Genau. Mein großes Mädchen. Und mein großes Mädchen braucht jetzt erst mal eine Auszeit. Um zu verarbeiten, um Ängste abzubauen, um ganz viel Zeit mit Mama zu verbringen. Papa kommt und das Krümelmonster schenkt ihm ein Foto aus dem Portfolio. Wir besprechen den nächsten Tag, denn wir wollen zusammen auf den Kindergeburtstag von Monsterchens Kumpel B. gehen. Heute will sie aber gar nicht wirklich weg, umarmt mich noch mal, flüstert mir ins Ohr dass sie wirklich bald wieder kommt. Mama wartet doch, oder? Ich küsse sie, beruhige sie, dass ich immer auf sie warte und mich ganz dolle auf sie freue. Sie lächelt, wir umarmen und küssen uns noch ganz oft, bevor sie um kurz nach 19:00 Uhr schlussendlich ins Auto einsteigt.

Nachdem ich noch ein paar mal dem Auto nachgewunken habe, gehe ich wieder nach oben. Ich hole eine Packung Chocnut White aus meinem Versteck und schaue mir ein bisschen Gronkh an, bevor mir um halb 9 die Augen zufallen. Ok, ich mache ein kurzen Nickerchen… aber nur ein ganz kleines….

….und dann war es 1:45 Uhr. Ich hab nicht gut geschlafen, hab nur vom Krümelmonster und seinem traurigen Gesicht geträumt, als ich es daran erinnerte dass heute wieder Papa sie abholt. Sie wollte dass ich mitkomme, das war noch nie so stark wie heute. Sonst freut sie sich immer wenn Papa sie abholt und ich ihr erkläre, dass wir uns ja schon zwei Tage später wiedersehen. Ich lasse den Tag Revue passieren und bin traurig. Heute ging ein wichtiger Teil in L. Leben zu Ende, aber im Moment ist es besser so. Ihre Verlustängste sind groß, sie ist unausgeglichen und schläft oft nicht gut. Im Moment braucht sie mich mehr als sonst, viel mehr. Sie will morgens nicht in die Kita gehen, bittet mich nicht arbeiten zu gehen, zu Hause zu bleiben. Also gönnen wir uns erst mal eine Auszeit bis es meinem Krümelmonster wieder besser geht.

Von der Bedürfnisorientierten Partnersuche

Wer mir schon länger folgt, weiß dass ich vom Vater meiner Tochter getrennt lebe. Wir sind nun schon seit fast einem dreiviertel Jahr offiziell kein Paar mehr und da denkt man natürlich ab und an auch darüber nach, wie es wäre wieder einen Partner zu haben. Da ich vor zwei Jahren erst von Mittelfranken an die Schweizer Grenze gezogen bin, habe ich hier noch nicht allzu viele Freunde gefunden und die, die ich kennen lernte, haben alle selbst keine Kinder (und sind auch alle in glücklichen Beziehungen was ich ihnen auch alles von Herzen gönne). Und wenn man nun mal kleine Kinder zu Hause hat, geht man nicht oft aus und wenn, dann doch mit dem eigenen Partner. Und weil ich an meinen freien Wochenenden eben auch mal wieder etwas unternehmen möchte, bin ich in dem ein oder anderen Forum aktiv und schaue mich eben ein wenig um.

Ok, ich gestehe: ab und an wird vielleicht auch mal ein bisschen geflirtet. Aber ganz ehrlich? Das tut auch verdammt gut! Und da ich es nicht leiden kann wenn man Dinge verschweigt, gebe ich auch immer an das ich Mama und single bin. Sehr viele Leute, die eben wirklich auf der Suche nach einer Partnerschaft oder, nennen wir es mal streicheln für Fortgeschrittene, sind, werden von dieser kleinen Angabe abgeschreckt. ich sehe zwar dass sie auf meinem Profil waren, doch es kommt keine Nachricht. Da ich mir aber auch gerne mal ansehe, wer mich da so betrachtet, ist mir da etwas ganz bestimmtes aufgefallen. Das, was ich dort bemerkte, wird durch ein paar Gespräche bestärkt, die ich bisher so führte. Ich werde immer wieder darauf angesprochen, dass ich Mama bin. An sich ist das ja auch vollkommen ok, wenn dann nicht immer folgender Satz fallen würde: „Also, ich würde ja nix mit ner Alleinerziehenden anfangen, die suchen alle nur nach ’nem Ernährer für ihre Blagen.“ Und genau dann ist das Gespräch für mich beendet.

Mal ernsthaft, geht’s eigentlich noch? Hat man euch irgendwie zu heiß gebadet? Was bildet ihr euch eigentlich ein so über Kinder und Frauen zu reden, die ihre Kinder alleine großziehen? Und wieso bildet ihr euch eigentlich ein, dass die Frau ausgerechnet von euch „ernährt“ werden will?

Ok, viele Alleinerziehenden stehen finanziell wirklich nicht besonders gut dar. Und ja, sicherlich wäre es schön wenn das anders wäre. Aber: Nur, weil man allein erziehend ist und einen Partner sucht, ist man nicht auf der Suche nach einem Ernährer oder gar einem Ersatzpapa. Sie suchen wahrscheinlich genau das gleiche wie die meisten anderen Singles: Sie suchen jemanden zum anlehnen, zum geborgen fühlen, zum küssen, streicheln, vögeln, quatschen, lachen, lieben, das Leben zusammen zu verbringen, um gemeinsam zu kochen, Abenteuer zu erleben, auszugehen. Jemanden der ihnen zu hört, oder sich freut wenn sie abends nach Hause kommt, ihnen mal den Nacken nach einem harten Tag massiert. Sie möchten vielleicht mit dem Partner ein Konzert besuchen, nachts spazieren gehen oder im Regen tanzen. Vielleicht wollen sie auch nur mal wieder auf ein Date gehen und erfahren dass es immer noch jemanden gibt der sie attraktiv findet, auch wenn sie gerade eine doofe Scheidung durchgemacht haben, betrogen wurden oder sich durch Schwangerschaften oder Krankheiten äußerlich so verändert haben, dass sie sich selbst nicht mehr super wohl fühlen.

Es gibt so viele Gründe warum mal als alleinstehende Mama einen Partner sucht aber euch fällt nur ein, dass sie von euch ernährt, also quasi aus was und vor was auch immer gerettet werden will. Denkt ihr denn wirklich dass eine Frau sich nichts anders wünscht? Es ist vollkommen ok, wenn ihr eine Frau nicht kennen lernen wollt wenn sie bereits Mama ist. Es ist aber nicht ok, ihr sämtliche anderen Bedürfnisse abzusprechen die sie hat und genau das tut ihr indem ihr ihr unterstellt, dass sie nur von euch versorgt werden will. Ich bin so viel mehr als nur die Mutter meiner wunderbaren Tochter. Ich habe Gefühle, Sehnsüchte, Wünsche, Leidenschaften, Träume, Ängste…. Es gibt so viel was ich mit einem Partner/ einer Partnerin gerne tun würde. Mein Kind wurde noch immer bei mir satt, danke dass du dich darum sorgst. Du musst aber wirklich keine Angst haben: Ich bekomme sie schon alleine groß, ohne das du spendabel den Geldbeutel zückst. Dazu brauche ich dich nicht. Aber wenn du ein Glas Met mit mir trinken und dir dabei Boston Legal ansehen willst, setz dich zu mir und leiste mir Gesellschaft.

Und mal ehrlich: ich will keinen Prince Charming der auf einem weißen Ross daher stolziert kommt. Ich hätte lieber einen Shrek, der mir am Ende eines langen Tages eine Ratte über dem feuer grillt.

Nachtgespenst

Seit der Trennung von meinem Ex, schläft meine Kleine bei mir im großen Bett. Vorher brauchte sie ihr eigenes Reich und schlief nur in ihrem Zimmer, das war bis dato eben das richtige für uns. Doch seit Oktober will sie eben bei mir schlafen und verweigere ihr das nicht.

Doch seit einiger Zeit gibt es kein gemütliches Einschlafen mehr, es gibt nur noch Geschrei, wildes Toben, Weinen, Kreischen und völlig kaputte Nerven auf beiden Seiten: Sie will einfach nicht mehr schlafen. Wir haben schon so viel probiert, von vorlesen, massieren, Hörbuch hören, Schlafliedern, Fingerspielen auf ihrem Rücken, kuscheln, leises Flüstern, warmer Milch mit Honig und Kakao direkt vor dem Schlafen, neuem Bettzeug, neuen Gute Nacht Büchern, baden und eincremen, langen Spaziergängen und viel Bewegung am Tag versucht: nichts half. Ich hab so viele Leute gefragt, Bücher gelesen, war mit ihr beim Arzt, ich liege mehrere Stunden neben ihr und sie tobt und will nicht schlafen, schlägt um sich, weint und ich erkenne sie kaum noch wieder. Und ich bin am Ende. Ich weiß nicht mehr was ich machen soll und wie ich ihr helfen soll.

Heute hab ich auf Twitter um Rat gefragt und es gab so viele Tipps, die wir aber alle schon ausprobiert haben. Ich will mein Kind nicht mehr so schreien sehen, will nicht mehr dass wir beide so völlig ko sind, will dass sie sich wieder wohlfühlt. Ich will, dass sie auch nachts wieder glücklich ist…

Gemeinsam stark oder warum wir immer noch zu dritt Händchenhalten

Die Trennung vom Papa meiner Tochter ist nun, zumindest die offizielle Version, schon fast ein dreiviertel Jahr her. Ich bin froh dass wir kein Paar mehr sind und dennoch sitze ich abends da und denke mir: Irgendwie wäre es ja doch leichter, wenn wir noch zusammen leben würden. Er erzählt mir davon, dass er seine alte Arbeitsstelle aufgibt, um eine neue, bessere anzunehmen. Er erzählt mir davon, dass er am Wochenende nach Dresden fährt oder zu seinen Freunden. Ich dagegen werde an diesem Karfreitag trotz langjähriger Tradition nicht mit meinen Freunden grillen können. Das Geld für die Fahrkarte und die Verpflegung vor Ort ist einfach diesen Monat nicht mehr im Budget enthalten. Ich gönne ihm seinen Spaß und trotzdem ärgert es mich manchmal dass ich auf so vieles verzichten muss und er tun und lassen kann wann und wie er will.

Heute war er wieder zu Besuch. Abgemacht ist, dass er an jedem Dienstag und Donnerstag vorbei kommt und mit ihr spielt. Ab und an fährt er auch mit uns einkaufen, dafür isst er ab und an bei uns mit. Oftmals sagt er aber auch unter der Woche ab und auch wenn mich das dann ärgert, die Kleene wartet ja auf Papa, ist es doch schon sehr luxuriös dass er so oft vorbei kommt. Heute gingen wir zu dritt noch kurz ins Kaufland um ein paar Kleinigkeiten zu kaufen. Er links, sie in der Mitte, ich rechts. Hand in Hand sahen wir wie eine glückliche Familie aus. Unterwegs trafen wir eine Nachbarin mit ihrem Mann, die beide von der Trennung wissen. Sie sprach kurz mit der Kleenen und wünschte uns dann noch einen schönen Abend.

Als wir wieder zu Hause waren und der Papa auf dem Heimweg war, ging ich noch mal nach unten um die Post zu holen. Am Briefkasten traf ich meine Nachbarin die mich auf die Situation von früher am Abend ansprach. Sie wollte wissen, ob wir denn wieder ein Paar wären. Als ich das verneinte, war sie ganz verwundert. „Oh, dass sah dann nur so aus…“ Ja, so sieht es wohl für andere aus.

Wir waren auch schon zusammen auf dem Spielplatz und Eis essen, wie eine ganz gewöhnliche Familie. Und ganz ehrlich? Ich finde das muss auch so sein, zumindest für uns. Das Krümelmonster hängt sehr an ihrem Papa und leidet darunter dass er nicht mehr bei uns wohnt. Also müssen wir uns zusammenraufen und Zeit zusammen verbringen, auch wenn ich mir etwas schöneres vorstellen kann als mit meinem Ex an meinem freien Samstag Eis essen zu gehen. Ihr zuliebe laufen wir eben auch mal zu dritt Hand in Hand durch die Gegend und spielen „Englein flieg“, oder wir gehen zusammen zum Laternenumzug, er kommt zum Kindergeburtstag. Ok, das letzte vielleicht nicht unbedingt ABER wir versuchen so einen Weg zu finden damit das Monsterchen so viel von uns beiden hat wie nur möglich.